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Krawalle in Leipzig: Ein Zeichen der anderen

Die Gewaltausbrüche in Connewitz werfen kein gutes Licht auf Leipzig. Es wird Zeit, dass die Menschen vor Ort ein starkes Zeichen dagegen setzen. Ein Kommentar.

SZ-Autor Sven Heitkamp wohnt selbst in Leipzig-Connewitz und findet die Gewaltausbrüche nur schwer erträglich.
SZ-Autor Sven Heitkamp wohnt selbst in Leipzig-Connewitz und findet die Gewaltausbrüche nur schwer erträglich. © dpa/privat

Von Sven Heitkamp

Leipzig. Und immer wieder Connewitz. Seit Jahren bringen Angriffe und Krawalle linksextremer Kreise den alternativen Leipziger Stadtteil in Misskredit, oft begleitet von Jagdszenen mit der Polizei und bundesweit ausgestrahlten Fernsehbildern. Unterschiedlich sind dabei nur die verschiedenen Eskalationsstufen, wie auch in den vergangenen Tagen. Schwer erträglich sind die hässlichen Szenen der Gewalt allemal.

Im Leipziger Oberbürgermeisterwahlkampf Anfang dieses Jahres war das ungeklärte Problem Connewitz ebenfalls ein beherrschendes Thema. Damals brachten die beiden Hauptprotagonisten – SPD-Amtsinhaber Burkhard Jung und CDU-Minister Sebastian Gemkow – einen wichtigen Gedanken ins Spiel: Neben einer klaren Haltung des Rechtsstaates braucht es ein stärkeres Engagement der Zivilgesellschaft, die die Nase voll hat von endloser, selbstgerechter Randale.

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Friedliche Menschen in Connewitz müssen lauter werden

Angesichts der gefährlichen Radikalisierung im Kiez ist es tatsächlich Zeit für ein starkes Zeichen der vielfältigen, friedlichen Menschen im Stadtteil, dass sie Angriffe wie die jüngsten nächtlichen Attacken entschieden ablehnen. Menschen aus der Mitte der Gesellschaft sollten klar zeigen, dass sie sich nicht gemein machen mit Gewalttätern und Barrikadenbauern und ihnen Unterschlupf bieten mit ihrem Schweigen. Angriffe auf Polizisten und Immobilienfirmen als gerecht zu glorifizieren, ist zynisch. Und es schadet dem Ansinnen einer Debatte um bezahlbaren Wohnraum. Dieser Konsens sollte deutlich sichtbar und gestärkt werden.

Connewitz ist eben mehr als ein Hotspot radikalisierter Linksextremisten, die „das System“ und „das Kapital“ bekämpfen wollen – mit dem Feuerzeug in der Hand. Zum Stadtteil gehören eben auch 20.000 Familien, Selbstständige, Rentner, Punks und Lebenskünstler aus verschiedenen Ländern, die das offene, bunte und etwas schräge Connewitzer Leben wertschätzen und erhalten wollen. Gerade auch in Zeiten steigender Mieten und knapper werdender Wohnungen. Aber eben gewaltfrei.

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Leipzig-Connewitz gilt als Hochburg der Linksextremen, die zunehmend radikaler und brutaler werden. Viele Menschen im Stadtteil sehen das mit wachsender Sorge.

Neu ist dieses Ansinnen übrigens nicht. Die Interessengemeinschaft Connewitz hat sich schon früher für diese Ziele eingesetzt. Sie wurde 1998 gegründet. Nicht gegen, sondern für das etwas andere Viertel. Es ist wohl Zeit für einen Neubeginn.

E-Mail an Sven Heitkamp

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