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Ermittlungen im Fall Gil Ofarim vor dem Abschluss

Ein finales Gutachten über die Videos aus der Hotel-Lobby in Leipzig, wo der Sänger mutmaßlich antisemitisch beleidigt wurde, liegt vor. Ob es eine Stellungnahme gibt, ist offen.

Von Sven Heitkamp
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Anfang Oktober machte der Münchner Popsänger Gil Ofarim internationale Schlagzeilen mit dem Vorwurf, er sei im Leipziger Hotel Westin wegen einer Halskette mit Davidstern antisemitisch behandelt worden.
Anfang Oktober machte der Münchner Popsänger Gil Ofarim internationale Schlagzeilen mit dem Vorwurf, er sei im Leipziger Hotel Westin wegen einer Halskette mit Davidstern antisemitisch behandelt worden. © dpa

Die Ermittlungen um angebliche antisemitische Äußerungen gegen den Münchener Musiker Gil Ofarim im Leipziger Hotel Westin nähern sich dem Ende. Ein von der Staatsanwaltschaft beauftragtes, digitalforensisches Gutachten zu den Videos aus der Hotellobby liege seit Montagnachmittag vor, sagte der Sprecher der Leipziger Staatsanwaltschaft, Ricardo Schulz, am Dienstag gegenüber Sächsische.de.

Die Auswertung sei nun an die Verteidiger der Beschuldigten – einen Hotelmitarbeiter und Gil Ofarim selbst – übermittelt worden. Sie hätten nun Gelegenheit zur Stellungnahme. Sollten sich keine neuen Anhaltspunkte ergeben, könne die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen abschließen, so Schulz. Mit einem Ergebnis wird aber nicht vor Ende Februar gerechnet. „Ich bitte um Verständnis“, so Schulz, „dass die Staatsanwaltschaft sich zu Einzelheiten des digitalforensischen Gutachtens derzeit nicht äußert.“

Der Münchner Popsänger Gil Ofarim hatte Anfang Oktober internationale Schlagzeilen mit dem Vorwurf gemacht, er sei im Leipziger Hotel Westin wegen einer Halskette mit Davidstern antisemitisch beleidigt und ausgegrenzt worden. Er hätte erst ein Hotelzimmer bekommen, wenn er seine Kette ablege, lautet sein fast vier Millionen mal geklickter Vorwurf in einem Beitrag auf Instagram.

Seither ermittelt die Staatsanwaltschaft einerseits gegen einen Hotelmitarbeiter wegen Volksverhetzung, anderseits gegen Ofarim wegen des Vorwurfs der Verleumdung. Die Szenerie des strittigen Abends, die teilweise auf Überwachungsvideos des Hotels ohne Ton zu sehen ist, war im Dezember von den Ermittlern im Hotelfoyer nachgestellt worden. Darum hatte der forensische Gutachter Professor Dirk Labudde von der Hochschule Mittweida, ein erfahrener Gerichtsgutachter, gebeten, um falsche Schlussfolgerungen auszuschließen.

Fall Gil Ofarim: Streit um Kette

Offen ist, ob Ofarim an jenem Abend eine Kette mit einem großen Davidstern trug, um die der Streit entbrannt ist. Auf öffentlich gewordenen Videosequenzen ist der Musiker nur ohne die Kette zu sehen. Doch in seinem bei Instagram geposteten Video erzählt er, zunächst habe jemand aus einer Ecke des Foyers gerufen: „Pack deinen Stern ein!“ Ein Hotelmitarbeiter habe dann hinzugefügt: „Packen Sie Ihren Stern ein!“ Auch auf Interview-Nachfragen sagte Ofarim, er habe die Kette getragen.

Eine vom Hotel beauftragte Kanzlei, die Videos und Daten auswertete und Hotelgäste sowie Mitarbeiter befragte, fand indes keine Belege für den Antisemitismusvorwurf. Der beschuldigte Hotelmitarbeiter, der seit Jahren in dem Haus tätig ist, stellte Strafanzeige gegen Ofarim wegen Verleumdung.

Gil Ofarim ist der Sohn der 2018 verstorbenen Musiklegende Abi Ofarim, der aus Israel stammte. Seit seiner Jugend erlebe er immer wieder Antisemitismus, berichtet er. Er hatte nach dem Vorfall in einem anderen Leipziger Hotel eingecheckt und war später zurückgefahren, um sein Handyvideo für Instagram aufzunehmen.