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Ärztekammer warnt vor falschem Mediziner

Ein mutmaßlich falscher Arzt mit Sitz in Leipzig legt keine Approbation vor. Trotzdem behandelt er Patienten. Nun ermittelt die Staatsanwaltschaft.

Ein "falscher" Arzt ist in Leipzig aufgeflogen.
Ein "falscher" Arzt ist in Leipzig aufgeflogen. © dpa

Leipzig. Es ist eine ziemliche einzigartige Mitteilung, die die Sächsische Landesärztekammer am Donnerstagvormittag verschickt: Darin warnt sie vor einem mutmaßlich falschen Arzt, der in Leipzig als „Privatpraxis für Allgemeinmedizin“ firmiert, im Internet unter www.teleklinik-leipzig.de zu finden ist und auf mehreren Bewertungsportalen gelistet wird.

Ein Mann unter dem Namen Sascha Robert „gibt sich sowohl in eigener Praxis als auch im Internet als Arzt aus und behandelt mutmaßlich auch Patientinnen und Patienten“, heißt es in dem Schreiben der Mediziner-Selbstverwaltung. Allerdings besitze „Dr. med. S. Robert“ nach den bisherigen Erkenntnissen der Kammer keine Approbation – also keine staatliche Zulassung – als Arzt und sei auch kein Mitglied der Sächsischen Landesärztekammer. Auch auf Nachfragen habe er bis heute nicht nachgewiesen, dass er eine Approbation habe, erklärt der Sprecher der Kammer, Knut Köhler.

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„Da wir jedoch davon ausgehen müssen, dass Herr Robert weiterhin ,praktiziert‘, sehen wir uns gezwungen, die Öffentlichkeit zu informieren“, sagt Köhler. „Wir können nicht tatenlos zusehen, wenn Patienten von einem falschen Arzt behandelt werden.“ Die Landesdirektion Sachsen als Approbationsbehörde habe bereits im Oktober 2020 bei der Staatsanwaltschaft Leipzig Anzeige gegen Robert erstattet und auch die Sächsische Landesärztekammer habe ihn angezeigt.

Gefälschte Facharzturkunde

Nur eine Stunde nach der Mitteilung am Donnerstagmittag ist der vermeintliche „Dr. Robert“ aber nicht mehr anzutreffen: An der grünen Tür des hellgelben und geklinkerten Gründerzeitwohnhaus in der Dieskaustraße, das als Adresse angegeben wird, sind weder eine Praxis, noch ein Arztschild oder der Name Robert auf einer Klingel zu finden.

Im Erdgeschoss ist nur ein leerer Geschäftsraum hinter weißen Vorhängen zu sehen. Beim Anruf der Berliner Telefonnummer, die auf der Homepage der „Teleklinik“ angegeben wird, heißt es, die gewählte Nummer sei „nicht vergeben“. Und auch von der E-Mail-Adresse erfolgt prompt eine automatische Antwort, dass die Nachricht nicht zugestellt werden kann.

Aufgeflogen sei der mutmaßlich falsche Arzt unter anderem durch Privatpatienten und eine private Krankenversicherung bei Nachfragen zu Abrechnungen, berichtet Köhler weiter. Außerdem seien ein fingierter Arbeitsvertrag und eine gefälschte Facharzturkunde aufgetaucht. Patienten, die sich von dem Mann bereits haben beraten lassen, empfiehlt die Ärztekammer dringend, ihre Behandlungen der Polizei mitzuteilen.

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Die Staatsanwaltschaft bestätigt auf Nachfrage, dass seit den Anzeigen ein Ermittlungsverfahren wegen Betrugs, Missbrauchs von Titel und Urkundenfälschung geführt wird. Dabei seien in den vergangenen Monaten auch die damaligen Praxisräume durchsucht worden, so Behördensprecher Ricardo Schulz.

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