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Leipziger Moschee kann gebaut werden

Spätestens im Frühjahr möchte die Ahmadiyya-Gemeinde mit den Bauarbeiten beginnen. Das Geld dafür sammelt deren Frauen-Organisation.

Für den Bau einer Moschee in Leipzig war 2015 ein Architektenwettbewerb ausgeschrieben worden. Der Siegerentwurf des Stuttgarter Architekten Mustafa Ljaic soll nun im Stadtteil Gohlis ohlis verwirklicht werden.
Für den Bau einer Moschee in Leipzig war 2015 ein Architektenwettbewerb ausgeschrieben worden. Der Siegerentwurf des Stuttgarter Architekten Mustafa Ljaic soll nun im Stadtteil Gohlis ohlis verwirklicht werden. © dpa-Zentralbild

Lange war es still geworden um den Bau einer neuen Moschee mit Zierminarett in Leipzig. Seit dieser Woche aber kommt wieder Bewegung in das Projekt: Die Stadtverwaltung teilte auf Anfrage mit, dass der Ahmadiyya-Gemeinde bereits Mitte September die Baugenehmigung erteilt worden sei. Sie gilt nun für drei Jahre – in dieser Zeit kann die islamische Gemeinde das orientalisch anmutende Gebetshaus an der Georg-Schumann-Straße in Leipzig-Gohlis errichten. Das Bauamt habe lediglich kleine Änderungen zum Brandschutz vorgenommen, die aber keinen wesentlichen Einfluss auf das äußere Erscheinungsbild der Moschee hätten, erklärte ein Sprecher.

Die Gemeinde plant spätestens im kommenden Frühjahr, wenn die Bodenfröste vorüber sind, mit dem Erdaushub zu beginnen. „Wir waren hocherfreut über die Baugenehmigung, jetzt kann es bald losgehen“, sagte der Vorsitzende der Gemeinde, Abdullah Uwe Wagishauser, Sächsische.de. In Kürze solle die Ausschreibung der Bauarbeiten beginnen.

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Wenn alles wie geplant verlaufe, könnte 2023 mit dem weltweiten Oberhaupt der Ahmadiyya-Gemeinde, Kalif Mirza Masroor Ahmad, die Eröffnung gefeiert werden. „Der Zeitpunkt wäre ideal, da unsere Gemeinde 2023 das 100-jährige Bestehen feiert“, sagte Wagishauser. 1923 habe ein Iman in Berlin die deutsche Gemeindearbeit begonnen und ebenfalls ein Moscheeprojekt geplant.

Widersprüche sind unbegründet

Die Pläne für den Leipziger Moschee-Bau waren erstmals 2013 bekannt geworden. Im Jahr zuvor hatte die als offen, friedliebend und gut integriert geltende, aber konservative Gemeinde ein kleines Eckgrundstück an der Georg-Schumann-Straße erworben, um ihre zweistöckige Moschee zu bauen. Die Pläne stießen allerdings auf massive Proteste, NPD-Demonstrationen, Anschläge und Auseinandersetzungen mit der Bürgerinitiative „Gohlis sagt Nein!“

Im November 2013 waren fünf Schweineköpfe auf Holzpfählen aufgespießt auf den freien Bauplatz gestellt worden. Wenig später hatten Anwohner Widersprüche gegen den Bau eingereicht. Sie beklagten, dass das Erscheinungsbild der Moschee und die Nutzung nicht in die Nachbarschaft des Wohngebietes passen würden, dass eine zu große Lärmbelästigung von ihr ausgehe und zu wenig Autostellplätze geplant wären. Die Landesdirektion wies die Widersprüche als unbegründet ab. Die Nachbarn würden in ihren Rechten nicht unzumutbar beeinträchtigt, teilte die Behörde seinerzeit mit. Das Vorhaben füge sich gut in die Umgebung ein.

2015 war ein Architektenwettbewerb ausgeschrieben worden. Der Siegerentwurf des Stuttgarter Architekten Mustafa Ljaic soll nun verwirklicht werden. Vorgesehen ist das Bauwerk für etwa 100 Gläubige, die bislang eine Wohnung an der Eisenbahnstraße nutzen. Das Gotteshaus soll mit zwei Gebetsräumen auf zwei Etagen und einer Wohnung für den jungen Imam ausgestattet werden.

Sechs muslimische Gemeinden in Leipzig

Das äußere Bild dominieren eine im Dunkeln leuchtende Kuppel, verschiedene Glasbauelemente und ein lediglich 16 Meter hohes Zierminarett – von dem aber kein Muezzin rufen werde. Laut Wagishauser rechnet die Gemeinde mittlerweile mit Baukosten von 850.000 bis 950.000 Euro.

Einen kleinen Teil der Finanzierung bewerkstellige die Leipziger Gemeinde, zu der etwa 250 bis 350 Personen gehörten. Den Großteil der Kosten werde durch die eigenständige Frauenorganisation der Ahmadiyya-Gemeinschaft getragen. „Die Lajna Imaillah-Gemeinde hat sich wie schon beim Bau der Moschee in Berlin-Pankow zur Unterstützung in Leipzig bereit erklärt“, sagt Wagishauser. Die Organisation hat nach eigenen Angaben bundesweit rund 20.000 Mitglieder.

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„Wir haben in Leipzig einige Schwierigkeiten bekommen, aber im Gegenzug auch sehr viel Zustimmung erfahren“, sagt der Bundesvorsitzende der Gemeinde. Dies sei an anderen Orten ähnlich gewesen. Seine Gemeinde errichtet bundesweit mehrere neue Moscheen. An der Erfurter Moschee wurde kürzlich die Kuppel errichtet, die Moschee in Potsdam besteht schon seit 2008. In Leipzig ist die Ahmadiyya-Moschee nicht die Erste. Der Stadt sind sechs muslimische Gemeinden bekannt, die eigene Gebetsräume oder Moscheen betreiben.

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