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Mittagsschlaf im Rathaus: Leipziger Antrag scheitert

Ein Leipziger Stadtrat hatte vorgeschlagen, Verwaltungsmitarbeitern täglich einen Mittagsschlaf zu ermöglichen. Das wurde nun abgelehnt. In zwei anderen sächsischen Großstädten sorgte das für ironische Reaktionen.

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Ein täglicher Mittagsschlaf kann durchaus erfrischend sein, sofern er die Dauer von 20 Minuten nicht überschreitet.
Ein täglicher Mittagsschlaf kann durchaus erfrischend sein, sofern er die Dauer von 20 Minuten nicht überschreitet. ©  Symbolbild/pexels.com

Leipzig. Leipzigs Verwaltungsbürgermeister Ulrich Hörning (SPD) hat den von Stadtrat Thomas Kumbernuß (Die Partei) eingereichten Antrag zum Mittagsschlaf in der Verwaltung zurückgewiesen. Das teilte die Stadt am Dienstag mit. "Der Antrag ist in ehrabschneidender Weise darauf angelegt, das Ansehen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadt Leipzig zu beschädigen", heißt es in dem vom Verwaltungsdezernat vorgelegten Beschlussvorschlag, der jetzt von der Stadtspitze auf den Weg gebracht wurde.

Kumbernuß hatte vorgeschlagen, die Idee im Zuge eines Pilotprojekts zu testen. "Langfristig wird die Einführung des Mittagsschlafes für die gesamte Belegschaft angestrebt", hieß es im Antrag. Der Mittagsschlaf solle als Arbeitszeit gelten und angeblichen Missständen wie "Überlastung, Bearbeitungsstau und insgesamt ungesunden Arbeitsverhältnissen" in der Verwaltung entgegenwirken. Der Vorschlag sorgte auch über die Stadtgrenzen hinaus für Aufmerksamkeit.

Das Dezernat Allgemeine Verwaltung in Leipzig ist der Ansicht, dass Kumbernuß mit seiner satirischen Inszenierung bewusst den Schaden am Ansehen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadt Leipzig in Kauf genommen habe. Verwaltungsbürgermeister Hörning betonte vor dem Hintergrund aktueller Krisen hingegen den "Leistungswillen" und das Engagement der Beschäftigten. Deren "hervorragende Arbeit" verdiene Wertschätzung und Anerkennung.

Dresden reagiert mit Humor

Der Leipziger Stadtratsantrag für Mittagsschlaf in der Verwaltung hatte ironische Reaktionen in den anderen zwei Großstädten Sachsens ausgelöst. "Ein wenig neidisch schauen wir nun nach Leipzig", sagte etwa eine Sprecherin des Dresdner Rathauses.

Auf die ungewöhnlichen Neuigkeiten aus Leipzig reagierte das Dresdner Rathaus mit Humor. Eine Sprecherin betonte die Vorteile des täglichen Mittagsschlafs. Der könne durchaus erfrischend sein, sofern er die Dauer von 20 Minuten nicht überschreite. Regelmäßig praktiziert, wirke sich das Nickerchen positiv auf das Herzkreislauf-System aus, baue Stress ab und verbessere die Stimmung. "Und was ist besser als eine gut gelaunte Verwaltung, vor allem für die Bürger?"

Ein entsprechender Antrag sei in Dresden allerdings noch nicht gestellt worden, heißt es weiter aus dem Rathaus. Innerhalb des betrieblichen Gesundheitsmanagements hätten Mitarbeiter aber die Möglichkeit, ihre Konzentration und Motivation zu stärken. "Kurze autogene Übungen und Augentrainingskurse sowie Yoga werden angeboten. Auch ein Bewegungsangebot "Fit in der Pause" gibt es - aber das ist dann eher das Gegenteil des Mittagsschlafes."

Ein Sprecher der Stadt Chemnitz sagte, dass ihm Initiativen für Mittagsschlaf nicht bekannt seien. Er werde die Frage aber an sein Team weiterleiten, fügte er ironisch hinzu. "Ich werde auch nicht davor zurückschrecken, bei fehlender Zuarbeit diese Kolleginnen und Kollegen per Anruf zu wecken und entsprechend zur Eile anzutreiben." (dpa)