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Angriff auf Leipziger Kirche

Die Lukaskirche wurde mit Farbe und Steinen beworfen. Linksgerichtete werfen den Christen eine Mitschuld am Flüchtlingsdrama in Moria vor.

Das Eingangsportal der Lukaskirche ist mit weißer Farbe beschmiert.
Das Eingangsportal der Lukaskirche ist mit weißer Farbe beschmiert. © Sven Heitkamp

Von Sven Heitkamp, Leipzig

Auf die Leipziger Lukaskirche ist offenbar von Linksextremen ein Angriff verübt worden. Ein farbiges Portalbild mit einer Jesus-Darstellung über dem Haupteingang wurde mit Gläsern mit weißer Farbe beworfen. Ein Bleiglasfenster wurde zudem mit Steinen eingeschmissen.

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Die „Soko Linx“ hat die Ermittlungen übernommen. Sie geht von einem Sachschaden von 8000 bis 10.000 Euro aus, sagte eine Sprecherin des Landeskriminalamts. Nach dem Angriff, der sich bereits in der Nacht zum vorigen Mittwoch ereignet haben muss, erschien ein anonymes Bekennerschreiben auf der Internetplattform Indymedia.

Kolonialistische Kirche?

In der Überschrift heißt es in Anlehnung an die Fridays-for-future-Bewegung: „Mondays for Moria – zerschlagt das christlich-weiße Europa“. Man wolle eine „Montags-Kampagne“ für Moria starten – das durch Feuer zerstörte und geräumte griechische Flüchtlingslager auf Lesbos.

Die Kirchen zeigten, ähnlich wie die EU, ein „Gesicht des Kolonialismus, des Krieges und der Diskriminierung“, hieß es. Das Schreiben droht, an jedem Montag „ein Symbol dieses christlich-weißen Europas anzugreifen, bis sie ihre tödliche Grenzpolitik beenden und den Menschen in Not helfen“. Neue Fälle wurden aber noch nicht bekannt.

Die Leipziger Lukaskirche.
Die Leipziger Lukaskirche. © Sven Heitkamp

Die St. Trinitatisgemeinde, die in der Nähe der Eisenbahnstraße mit vielen arabischen Bewohnern liegt, engagiert sich allerdings seit 20 Jahren in der Flüchtlingsarbeit und bietet Sprachkurse an. Beinah ein Drittel der Gemeindeglieder sind heute konvertierte, ehemalige Muslime, unter ihnen vor allem Perser aus dem Iran. Die Evangelische Kirche Deutschlands schickt zudem Rettungsschiffe ins Mittelmeer.

Gemeinde: Kein Kommentar

Die Gemeinde will den Vorfall aber nicht kommentieren. In Absprache mit der Polizei wolle man den Tätern kein zusätzliches Podium schaffen, sagte Pfarrer Markus Fischer auf Nachfrage. Die Gemeinde gehört zur Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK). Sie saniert die Backsteinkirche aus dem 19. Jahrhundert seit mehreren Jahren in Eigenarbeit.

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