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Die Happiness-Fabrik

Anke Mai will Büros so einrichten, dass sie Freude machen und nicht belasten. Jetzt wurde die quirlige Unternehmerin ausgezeichnet.

Eine Macherin mit Stil: Anke Mai wurde mit dem „Adelie-Award“ ausgezeichnet.
Eine Macherin mit Stil: Anke Mai wurde mit dem „Adelie-Award“ ausgezeichnet. © Anja Jungnickel

Von Sven Heitkamp

Anke Mai trägt eine schwarze Strubbelfrisur, schwarzes Sakko und schwarze Lederhose, sie empfängt ihre Besucher in einer kleinen Lounge aus bunten Filzmöbeln in gelb, blau und lila. Sie ist ein wenig aufgeregt, aber sie lacht viel und posiert geduldig für die Fotografin an den Arbeitsinseln ihres Unternehmens PlanObjekt. „Ich liebe Überraschungen“, sagt Anke Mai.

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So muss man wohl denken als Gewinnerin des „Adelie-Awards“, den sie Mitte September im Dresdner Penck-Hotel erhalten hat. Der Unternehmerinnenpreis zeichnet beispielgebende Frauen in der sächsischen Wirtschaft aus, die gleich sechs Kriterien erfüllen: Anfangen, Dranbleiben, Energie, Leidenschaft, Ideen und Erfolg, kurz: Adelie. Bei Anke Mai sind diese Eigenschaften und Talente nicht zu übersehen. Man findet sie in einem historischen Ziegelgebäude in Miltitz am Stadtrand von Leipzig. Vor 120 Jahren residierte unter weißen Säulen und Stuckdecken die Leitung von „Schimmel & Co“, damals ein Weltmarktführer für Düfte und Essenzen. Nun schlägt in den ehemaligen Laborräumen das Herz von PlanObjekt.

Modern gestaltete Räume zum Arbeiten und Wohlfühlen richten Anke Mai und ihr Team ein.
Modern gestaltete Räume zum Arbeiten und Wohlfühlen richten Anke Mai und ihr Team ein. © PR

Vor mehr als 20 Jahren hatte ihr Kompagnon René Rösner ein Planungsbüro für gesunde Bürogestaltungen gegründet. Ende der 90er-Jahre lernte er Anke Mai kennen, sie vertrat damals als Außendienstlerin einen großen Büromöbelhersteller. Von dem Tag an wollte der Möbel-Enthusiast sie als Partnerin für sein Unternehmen begeistern. „Sie hat eine unglaublich gewinnende Art“, sagt Rösner. Zielstrebig und ehrgeizig sei sie noch dazu. Doch damals lässt sich Anke Mai Zeit. Es dauert zwei Jahre, ehe sie zusagt und den Sprung wagt in die Selbstständigkeit als Geschäftsführende Gesellschafterin von PlanObjekt. 18 Jahre ist das her, und Anke Mai hat es nie bereut.

Heute gehören bereits sechs Kollegen zum Team, und weiteres Wachstum ist geplant: Nächstes Jahr wollen Mai und Rösner in noch größere Räume in der ehemaligen Fabrikzentrale umziehen. Zusammen mit externen Beratern planen sie gerade die zukünftige Aufteilung und Gestaltung der Räume, bunte Pläne hängen an einer Stellwand. Mais Team lässt sich regelmäßig von einer Beratungsagentur coachen: „Wir müssen immer mal über unseren Tellerrand schauen“, sagt sie. Einen Namen für ihr zukünftiges Domizil haben sie schon: „Happiness Fabrik“. Was zunächst etwas ulkig klingt, hat viel mit der Philosophie von Anke Mai zu tun. „Jeder Beschäftigte verbringt ein Drittel seines Alltags am Arbeitsplatz“, sagt sie. „Man sollte sich dort wohlfühlen und belastungsfrei arbeiten können.“ Wenn es den Mitarbeitern gut gehe, laufe auch das Unternehmen gut.

Rundumbetreuung vom Licht bis hin zu Corona-Tipps

Was das Konzept konkret bedeutet, kann man in den verschiedenen Arbeitszonen von PlanObjekt sehen: Anke Mais Refugium ist ein höhenverstellbarer Schreibtisch, eingerahmt von einer hellbraunen, filzbezogenen Tischtrennwand und Ablagen nach ihrem Bedarf. Kollege Rösner sitzt ihr zwar gegenüber, dennoch können sie ungestört arbeiten. Nur ein paar Stufen herunter geht es zu einer offenen Küche mit Stehtisch. Auf einer Hochebene stehen sich zwei Alkovensofas mit hohen Lehnen gegenüber– als Besprechungsnische. Mai nennt sie liebevoll die Lilalaunebox. „Wir sind“, sagt sie, „eine lebende Ausstellung.“ Mai, 49, ist geprüfte Büroeinrichterin und zertifizierte „Quality Office Consultant“. Das Know-how hat sie sich im Laufe ihres Berufslebens angeeignet: Zu DDR-Zeiten lernt sie zunächst Facharbeiter für Schreibtechnik, Mitte der 1990er-Jahre studiert sie berufsbegleitend Betriebswirtschaftslehre, sie arbeitet bei Werbefirmen, Immobilienunternehmen und Inneneinrichtern. 1998 findet sie im Vertrieb eines Büromöbelunternehmens ihre Bestimmung – bis sie René Rösner kennenlernt und sie ab 2002 mit PlanObjekt zusammen durchstarten.

Fünf bis zehn große Unternehmen, dazu 30 bis 50 mittlere Projekte, richten sie im Jahr neu ein. Darunter Firmenzentralen, Agenturen und Verwaltungen, Arztpraxen, Optiker und Reisebüros – die Palette ist groß. Auch bei der Plümer Systemtechnik in Dresden haben sie zwei Büroetagen komplett umgekrempelt. Ihre Rundumbetreuung reicht von der ersten Analyse von Licht, Lärm und anderen Belastungen über eine Befragung der Mitarbeiter und die Planung bis zum Aufstellen der Grünpflanzen. Seit einigen Monaten unterstützt sie ihre Kunden zusätzlich mit Hinweisen für ein sicheres, gesundes Büro in Zeiten von Corona. „Unser Ziel“, sagt Mai, „ist immer eine gesunde, belebende Raumkultur mit einem inspirierenden Arbeitsklima – und damit nachhaltiger Erfolg für die Unternehmen.“ Typisch Anke Mai.

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