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Amazon startet eigenen Flugbetrieb in Leipzig

Mit dem ersten Luftfrachtzentrum des Versandkonzerns in Europa entstehen mehr als 200 neue Jobs.

Die Hallen des Amazon-Luftfrachtzentrums am Flughafen Leipzig-Halle leuchten weiß. Amazon hat am Flughafen Leipzig-Halle sein erstes regionales Luftfrachtzentrum in Europa in Betrieb genommen.
Die Hallen des Amazon-Luftfrachtzentrums am Flughafen Leipzig-Halle leuchten weiß. Amazon hat am Flughafen Leipzig-Halle sein erstes regionales Luftfrachtzentrum in Europa in Betrieb genommen. © Amazon/dpa

Von Sven Heitkamp, Leipzig

Sie sind himmelblau und tragen auf ihrem Rumpf den weißen Schriftzug „Prime Air“. Zwei Transport-Flugzeuge, die der Internetversandhändler Amazon jetzt am Flughafen Leipzig-Halle auf Reisen schickt. „Das erste Amazon-Air-Flugzeug hat bereits den Betrieb aufgenommen, noch in diesem Monat kommt ein zweites Flugzeug zum europäischen Betrieb hinzu“, sagte Unternehmenssprecher Stephan Eichenseher am Donnerstag. Sie sollen die Paketzustellung für die rasch wachsende Zahl von „Prime Mitgliedern“ unterstützen.

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Die zwei geleasten Maschinen vom Typ Boeing 737-800 erweitern die bereits bestehende Flotte im Luftfrachtnetzwerk von Amazon Air, zu der weltweit bereits mehr als 70 Flugzeuge gehören. Tendenz weiter steigend. Die Flugzeuge verteilen Pakete aus dem Logistikzentrum in Leipzig sowie von anderen deutschen Standorten innerhalb Europas weiter, erklärt Eichenseher. Täglich sollen zwei Flüge abgefertigt werden. Mit den ersten Auslieferungen an Kunden sei schon begonnen worden.

Unabhängiger von DHL

Angesichts des Booms des Internethandel-Versands besonders in der Corona-Krise seien die Flüge von Amazon Air als eine Ergänzung und nicht als Konkurrenz zum Postdienstleister DHL zu sehen, der bisher schon die Pakete für Amazon fliegt, so Eichenseher. Branchenbeobachter gehen indessen davon aus, dass sich der Onlinehändler von DHL unabhängiger machen und komplette Lieferketten selbst aufbauen wolle. Zumindest die Atlantikflüge könnten in naher Zukunft von Amazon Air selbst übernommen werden, vermutet das englischsprachige Onlinemagazin Cargo Forwarder Global.

Der neue Standort direkt am Rollfeld in Schkeuditz ist zugleich das erste regionale Luftfrachtzentrum des Konzerns in Europa. Die 20.000 Quadratmeter große Frachtanlage schaffe eine neue Verbindung innerhalb des europäischen Logistiknetzwerks hieß es. Amazon Air schaffe damit mehr als 200 neue Arbeitsplätze. Für das Sortieren und Verladen der Pakete in und von Lastwagen sowie Flugzeugen würden weiterhin Mitarbeiter gesucht, sagt Brandstetter. Der Einstiegslohn liege bei mindestens 12,50 Euro.

Darüber hinaus biete der Standort neue Karrierechancen etwa in den Bereichen Personal, Technik und Logistik sowie als Fach- oder Führungskraft, betont Standortleiter Dietmar Jüngling. „Wir haben ein sicheres Arbeitsumfeld geschaffen“, sagt der frühere Standortleiter des Leipziger Logistikzentrums. Dahinter stehe ein langfristiger positiver Effekt für die Region. „Unser Ziel ist es, die sich ändernden Bedürfnisse der Kunden in dieser schwierigen Zeit und auch darüber hinaus bedienen zu können.“ Amazon Air habe bereits während der Corona-Pandemie beim Transport persönlicher Schutzartikel geholfen und unter anderem 29 Millionen Masken, 100.000 Thermometer und drei Millionen Handschuhe an Amazon-Mitarbeiter in Europa verteilt, so Dietmar Jüngling.

Logistik-Hotspot in Europa

Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) begrüßte die Landung der Frachtfluggesellschaft in Schkeuditz. „Es spricht eindeutig für den Wirtschaftsstandort Sachsen, dass Amazon weiterhin stark in Leipzig investiert und sein neues Frachtzentrum hier am Flughafen eröffnet“, sagte Kretschmer. „Ich bin sicher, dass Amazon Air Hub weitere innovative Unternehmen in die Region locken wird.“ Firmen und Endkunden profitierten von starken, zuverlässigen Lieferketten. „Wie wichtig diese sind, hat sich während der Corona-Pandemie besonders deutlich gezeigt“, so Kretschmer.

Auch der Vorstandschef der Mitteldeutschen Flughafen AG, Götz Ahmelmann, sieht den Fracht-Flughafen künftig im Aufwind. „Leipzig/Halle ist heute schon die Nummer zwei im deutschen Luftfrachtgeschäft und die Nummer fünf in Europa“, so Ahmelmann. „Wir werden kräftig investieren, um unsere Stellung auszubauen.“ Davon werde die Region profitieren. Schon jetzt überzeuge Mitteldeutschland mit seiner außergewöhnlich guten Infrastruktur und einem großen Know-how in der Luftfracht.

Amazon betreibt seit 2006 ein Verteilzentrum in Leipzig und beschäftigt in der Stadt rund 1.500 Mitarbeiter. Bundesweit hat der weltweit größte Internet-Einzelhändler 15 Standorte mit 16.000 Beschäftigten, weltweit sind es nach Konzernangaben 1,1 Millionen.

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Auch Leipzig hat sich in den vergangenen Jahren zu einem Logistik-Hotspot in Europa entwickelt: Rund 40.000 Menschen arbeiten bereits in der Branche. Zugleich investieren der Flughafen und DHL derzeit dreistellige Millionensummen in den weiteren Ausbau des Standortes.

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