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Kranich, komm bald wieder nach Leipzig!

Lufthansa und Eurowings fliegen seit Anfang Oktober Leipzig nicht mehr an. Politik und Wirtschaft bemühen sich um ein baldiges Comeback der Airline.

Die Lufthansa hat sich aus Leipzig-Halle zurückgezogen – trotz neun Milliarden Euro Rettungspaket der Bundesregierung.
Die Lufthansa hat sich aus Leipzig-Halle zurückgezogen – trotz neun Milliarden Euro Rettungspaket der Bundesregierung. © dpa

Von Sven Heitkamp

Mehr als 30 Vertreter von Unternehmen und Wirtschaftsverbänden, aus Wissenschaft und Politik werden Freitagabend ins Leipziger Rathaus düsen. Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) hat zum Krisengipfel geladen. Es geht um die Lufthansa, oder besser: das Fehlen der Lufthansa. Wie die Zugvögel in die Winterpause hat sich Deutschlands Kranich-Airline im Corona-Herbst ausgerechnet aus der boomenden Metropolregion Leipzig-Halle zurückgezogen – trotz neun Milliarden Euro Rettungspaket der Bundesregierung.

Schon am 1. Oktober hob die letzte LH-Maschine nach München ab. Am 5. Oktober ging auch der letzte Inlandsflug der Tochtergesellschaft Eurowings nach Düsseldorf. Die Verbindungen nach Frankfurt, Köln und Stuttgart hatten corona-bedingt schon seit Monaten Zwangspause und wurden gar nicht wieder aufgenommen. Von Dresden fliegen Lufthansa und Eurowings indessen weiter nach Frankfurt, München, Düsseldorf und Stuttgart. Leipzig aber ist mit den Streichungen diesen Winter vom innerdeutschen Flugverkehr weitgehend abgehängt.

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Grund genug für ein Krisentreffen. „Eine Kongress- und Wissenschaftsstadt ohne direkte Fluganbindung ist nicht denkbar“, sagt Oberbürgermeister Jung. Auch für den Tourismus sei die Anbindung an das deutschlandweite und internationale Flugverkehrsnetz von herausragender Bedeutung. Wenn sich die Lufthansa pandemie-bedingt bis nächstes Frühjahr aus Leipzig zurückzieht, könne das zwar betriebswirtschaftlich nachvollziehbar sein. Angesichts eines staatlichen Rettungsschirms von neun Milliarden Euro stehe das Unternehmen aber auch in einer Verantwortung. „Wir brauchen die verlässliche Zusage, dass ab dem nächsten Jahr der Linienbetrieb ab Leipzig/Halle wieder aufgenommen wird“, fordert Jung. „Wir werden dafür kämpfen.“

Wiederaufnahme in den Sommerflugplan

Auch Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) hat sich vor wenigen Tagen in die Misere eingeschaltet. Er habe wegen der Flug-Unterbrechung mit Lufthansa-CEO Carsten Spohr telefoniert, sagte Kretschmer. Die Flugzeuge, die zuletzt geflogen seien, hätten aber häufig eine extrem geringe Auslastung von nur fünf bis zehn Passagieren gehabt. „Das kann man niemanden erklären“, so Kretschmer. „Wir sind uns aber einig, dass Leipzig angebunden wird, sobald die Situation wieder besser geworden ist und wieder ein regulärer Flugbetrieb besteht“, so Kretschmer. „Wir hoffen, dass wir spätestens nach Ostern eine Entspannung bekommen und wieder mehr Tagungen, Messen und Businessreisen stattfinden.“ Auch eine Lufthansa-Sprecherin erklärt, zum aktuellen Stand sei eine Wiederaufnahme in den Sommerflugplan 2021 geplant.

München und Frankfurt sind von Leipzig mit dem ICE in drei bis vier Stunden gut erreichbar. Der zeitliche Vorsprung gegenüber dem Flug ist mitunter sehr gering. Dennoch sehen sich auch jetzt manche Unternehmen wie Autobauer BMW von der Winterpause beeinträchtigt. „Als Unternehmen mit Standort Leipzig und Konzernzentrale in München wären wir in besonderem Maße von der geplanten Streichung der entsprechenden Verbindung betroffen“, sagt der Leipziger BMW-Sprecher Kai Lichte.

Folgen für den Wirtschaftsstandort

Auch wenn es für die Strecke mit Bahn und Auto vernünftige Alternativen gebe, sei insbesondere für Tagestermine der Flug im Einzelfall eine wichtige Option. „Wir würden es daher begrüßen, wenn diese Verbindung nicht verloren ginge“, so Lichte. Kristian Kirpal, Präsident der Industrie- und Handelskammer in Leipzig, äußert sich deutlich in Richtung Lufthansa. „Den Standort Leipzig/Halle vom nationalen und internationalen Flugverkehr förmlich abzuschneiden, wäre ein verheerendes Signal für den gesamten mitteldeutschen Wirtschaftsraum.“

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Leipzig brauche trotz guter ICE-Anbindungen ein Angebot an Flugverbindungen. „Hier nur über die Nachfrage zu argumentieren, greift zu kurz“, sagt Kirpal. „Wenn Leipzig schlechter erreichbar ist, hat das erhebliche Folgen für die Attraktivität des Wirtschaftsstandortes. Es steht viel auf dem Spiel.“ Das sieht auch der Leipziger Messechef Martin Buhl-Wagner so: „Für uns als Veranstalter von Messen, Kongressen und internationalen Fachtagungen ist ein Anschluss an die Drehkreuze in München und Frankfurt sehr wichtig.“ Dies befördere neue Ansiedlungen in der Region.

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