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Leisnig ehrt die Retter von St. Marien

Beim Neujahrsempfang ist am Freitag ein Verein ausgezeichnet und damit der Einsatz dutzender Ehrenamtlichen für das Kloster Buch gewürdigt worden.

Mitglieder des Fördervereins Kloster Buch durften am Freitag eine Auszeichnung der Stadt Leisnig entgegennehmen. Ohne das Engagement der Förderer wäre von der einstigen Wirkungsstätte der Zisterzienser möglicherweise kaum mehr etwas übrig. © André Braun

Leisnig. Ohne den Einsatz Einzelner für die Gemeinschaft wäre Leisnig weniger lebenswert. Es gebe kaum Sport in Vereinen, keine Chöre und Wandergruppen und es wäre sicher weniger gewiss, dass Feuer gelöscht und Unfallopfer schnell aus misslichen Lagen befreit werden. Aber auch ohne unternehmerisches Engagement wäre es weniger schön, sich in Leisnig niederzulassen und sich heimisch zu fühlen. Daher hatte Bürgermeister Tobias Goth (CDU) wieder mehr als 200 Vertreter aller Bereiche des öffentlichen Lebens zum Neujahrsempfang eingeladen. Diesmal in die Kulturscheune nach Börtewitz. Der „Kulturtempel“ der ehemaligen Gemeinde Bockelwitz, die seit 2012 zu Leisnig dazugehört, war erstmals Austragungsort eines solchen Empfangs.

Zur Tradition ist es inzwischen geworden, dass es an diesem Abend stellvertretend für alle, die sich engagieren, Auszeichnungen gibt. Die 2019 ging an den Förderverein Kloster Buch. An diesem Beispiel wird deutlich, dass es möglich ist, Menschen nahezu aller Berufsgruppen zusammenzubringen, die für eine Sache an einem Strang ziehen. Im Förderverein engagieren sich Leute vom Fach wie Restaurator Thomas Schmidt genauso wie Rentner als Köchin, Gästeführerin oder Bedienung. Selbst der Posten des Vorsitzenden ist seit Jahren mit einem Pensionär, nämlich Altbürgermeister Heiner Stephan, bestens besetzt.

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Eine Frage der Logistik 

Im Institutsbüro des Betriebswirtschaftlers Christian Hein entstehen Lösungsansätze, die dazu beitragen, dass humanitäre Hilfseinsätze in der ganzen Welt sicherer und reibungsloser ablaufen.

Was der Verein in mehr als 20-jähriger Tätigkeit geleistet hat, kann wohl keiner besser einschätzen als Jörg Liebig. Er hat als erster Denkmalschützer im Altkreis Döbeln sozusagen miterlebt, wie das Kloster seine Bedeutung als kulturhistorische Stätte zurückerlangt hat. Dieses Potenzial soll der Leisniger Heimatfreund Herrmann Schreiber schon um 1970 erkannt haben, sagte Liebig. Unmittelbar nach der Wende gehörte Schreiber neben Peter Rentsch, Eberhard Leithold und Gerhart Mattuschka, dann auch zu jenen Ehrenamtlichen, die die Arbeit im Kloster nach langer landwirtschaftlicher Nutzung sahen und erste Zukunftspläne für das Kloster schmiedeten, das die Zisterzienser im 12. Jahrhundert als St. Marien gründeten.

Wie der Klosterkomplex unmittelbar nach der Wende ausgesehen hat, das konnten sich Besucher bis Dezember noch in einer Fotoausstellung anschauen. Fast alle Gebäude waren in schlimmem Zustand. Und darum sollte sich nun die Stadt Leisnig mit dem damaligen Bürgermeister Heiner Stephan an der Spitze kümmern. Der Freistaat wollte sich des Klosterkomplexes nicht annehmen. Damit der nicht dem Verfall preisgegeben ist, übernahm die Kommune zwölf Jahre lang eine Obhutspflicht. 1997 gründete sich der Förderverein. Für Leisnigs derzeitigen Rathauschef Tobias Goth wäre es unvorstellbar, dass sich die Verwaltung immer noch um das Kloster kümmern, Bauprojekte begleiten und Veranstaltungen organisieren müsste.

Das alles bewältigen die Förderer seit vielen Jahren mit wenigen Festangestellten, zeitweise geförderten Helfern und vielen ehrenamtlich Engagierten. Vor allem das Hochwasser 2002, aber auch 2013 noch einmal, verlangte den Förderern viel ab. Gleichzeitig nutzten sie danach aber auch die Chance, mithilfe vielfältiger finanzieller Unterstützung viel mehr der alten Substanz in Ordnung zu bringen, als es ohne Flut möglich gewesen wäre. „Letztlich hat es bis heute mehr als eine Situation gegeben, in der mir angst und bange um den Verein war“, gab Denkmalschützer Jörg Liebig zu. Als jüngstes Beispiel nannte er die Erneuerung des Abthausdaches, die aufgrund vieler Umstände immer teurer geworden ist.

„Grundsätzlich muss man feststellen, dass eine derart gewaltige Aufgabe – aus meiner Sicht – eine öffentliche Aufgabe ist“, sagte der Fachmann. Umso höher sei zu bewerten, dass sich ihr 60 Vereinsmitglieder stellen. „Ihre Rolle und die aller mitwirkenden Ämter, Sponsoren und auch der Besucher ist gar nicht hoch genug zu bewerten“, findet Liebig. Für ihn sei es völlig gerechtfertigt, dass der Förderverein, nachdem er schon 2007 mit dem Denkmalpreis des Landkreises ausgezeichnet worden ist, nun auch beim Neujahrsempfang 2019 der Stadt Leisnig „im Scheinwerferlicht steht.“