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Leisniger Ärzte retten Luis` Bein

Die Amputation war schon geplant. Doch die Mediziner entschieden anders. Nun ist der Friedensdorf-Junge zwar nicht kerngesund, aber glücklich.

© André Braun

Von Heike Heisig

Leisnig. Zweimal im Jahr kommen Kinder aus Kriegsgebieten nach Deutschland, wo Mediziner wesentlich bessere Behandlungsmöglichkeiten für sie haben. Luis saß im Mai 2015 in einem dieser Flieger. Der Junge aus Ruanda hat seitdem die meiste Zeit in der Helios-Klinik in Leisnig verbracht. In diesen vielen Monaten ist er den Ärzten und Schwestern durchaus ans Herz gewachsen. Sie waren für ihn nicht nur Retter und Helfer, sondern auch Familienersatz. Und so hat es für den Neunjährigen am Donnerstag einen besonderen Abschiedsnachmittag mit Tanzdarbietung gegeben. Folgen soll noch ein Besuch im Leipziger Zoo, bevor Luis dann ins Friedensdorf nach Oberhausen kommt. Dort wird er auf die Rückkehr in sein Heimatland vorbereitet. Leicht wird das für ihn nicht, prognostizieren Dr. Hassan Issa, Chefarzt der Abteilung Kinder- und Jugendmedizin an der Helios-Klinik in Leisnig sowie Marion Schmutz. Sie ist für die Öffentlichkeitsarbeit an der Bavaria-Kinderklinik in Kreischa zuständig und hat den Jungen am Vormittag nach Leisnig begleitet. In Kreischa haben sich Therapeuten mehrere Wochen lang um die Reha des Jungen gekümmert.

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„Bei uns konnte er auch Kontakt mit anderen Kindern knüpfen, Freundschaften schließen“, erzählt Marion Schmutz. Luis habe sich als Tischfußball-König in der Klinik einen Namen unter den jungen Patienten gemacht. Der Neunjährige hört das natürlich gern. Obwohl er sich sehr zurückhaltend gibt, bescheinigen seine Bezugspersonen, dass er sprachlich große Fortschritte gemacht hat, inzwischen gut Deutsch versteht und spricht.

Als Luis vor anderthalb Jahren nach Sachsen gekommen ist, sprach er nur seine Muttersprache – portugiesisch. Und er kam mit einer offenen Faktur am Bein, die sich schlimm entzündet hatte. „So etwas bekommen wir Ärzte hier in Deutschland nicht zu sehen“, sagt Hassan Issa. In gewisser Weise sei es für die Mediziner hier eine Herausforderung, solche Patienten zu behandeln, gibt der Chefarzt zu. Mehrfach operiert hat Luis der Chef der Unfallchirurgie Reinhard Junghans. Weil der auch am Donnerstag wieder im OP-Saal stand, konnte er sich nicht von Luis verabschieden. Doch es soll auf jeden Fall ein Wiedersehen geben. „Wenn der Junge zwölf Jahre alt ist, wollen wir ihn ein weiteres Mal operieren und versuchen, die Beinlänge anpassen“, so Issa. Im Moment können die Unterschiede durch Schuherhöhungen ausgeglichen werden. Offen ist, wie das funktioniert, wenn Luis wieder daheim ist. Auch das Fortführen der Physiotherapie wäre wichtig. Dann könnte der Junge durchaus irgendwann auf Gehhilfen verzichten.

Friedensdorf international

Die Geschichte des Friedensdorfes beginnt 1967, weil Kinder im Krieg im Nahen Osten viel Leid erfuhren und einige Bürger in Oberhausen nach Möglichkeiten suchten, zu helfen.

Die Arbeit konzentriert sich auf zwei Bereiche: verletzte und kranke Mädchen und Jungen, die in ihren Heimatländern nicht behandelt werden können, eine Chance zum Überleben zu geben sowie Hilfe zur Selbsthilfe durch Projekte in der Heimat der Kinder anzubieten.

Finanziert wird die Arbeit durch Mitgliedsbeiträge, Spenden und seit ein paar Jahren durch eine Stiftung. Ganz viel Arbeit wird ehrenamtlich geleistet – so auch von der Helios-Klinik Leisnig und im aktuellen Fall von der Bavaria-Kinderklinik Kreischa. Beide tragen selbst die Kosten für die Behandlung.

www.friedensdorf.de

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