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Leisnigs Fest-Managerin hört auf

Am Freitag hat sie noch treue Mitwirkende des Altstadtfestes verabschiedet. Nun geht Petra Müller selbst in den Ruhestand.

© Dietmar Thomas

Von Heike Heisig

Leisnig. Sie hat um sich selbst nie viel Gewese gemacht. So beschreibt eine ihrer Kolleginnen Petra Müller. Genau deshalb wollte „die Müllerin“, wie sie im Rathaus manchmal genannt wird, wohl kein großes Tamtam um ihre letzten Tage im Amt machen. Doch nun ist es soweit: Die Frau, die über Jahrzehnte hinweg jedes große Fest in Leisnig organisiert hat, geht in den Ruhestand.

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Ihr langjähriges Büro im Rathaushintergebäude, in dem sie viele Jahre an der Seite ihres damaligen Chefs Eberhard Jäger arbeitete, ist schon länger verwaist. Dort war Petra Müller an ihrem Schreibtisch von Grünpflanzen nahezu eingewachsen. Dass sie offenbar einen „grünen Damen“ hat, war dem Raum anzusehen. In ihren letzten Arbeitsjahren musste die Leisnigerin neben dem Bereich Kultur und der Archivbetreuung manche neue Aufgabe übernehmen: Petra Müller war als Vertretung im Einwohnermeldeamt eingesetzt. Ansonsten war ihr Platz meist im Bürgerbüro, wo sie zuletzt auch eine neue Mitarbeiterin einarbeitete. Diejenigen, die lange mit ihr zusammengearbeitet hatten, haben gemerkt, dass für Festvorbereitungen weniger Zeit war als manches Jahr vorher.

Ehe Petra Müller ins Rathaus kam, leitete sie das Haus der Jugend und des Sportes, wohnte sogar dort, wo sie tagsüber im Einsatz war. Rund um dieses Haus spielte sich damals schon das Blütenfest ab, das Petra Müller dann auch nach der Wende weiter mitorganisierte. Alt-Bürgermeister Heiner Stephan (CDU) denkt aber auch an den Berg Arbeit, den seine frühere Mitarbeiterin wegen des Umbaus des ehemaligen Elmo-Werkes zur Mittelschule zu bewältigen hatte. „Viele Sachen im Zusammenhang mit dem Bau hat das Kultur- und Sportamt in eigener Regie gemacht“, so Stephan. Er schätzt insgesamt die Kontinuität, mit der Petra Müller über die vielen Jahre für die Stadt im Einsatz war. Auch große Aufgaben hat sie im wahrsten Wortsinn gut gemeistert. Der Bürgermeister i.R. denkt da nur an die Herausforderung, die Radio PSR den Leisnigern gestellt hat. Aus Stoffbahnen sollte eine Hose genäht werden, die demjenigen passt, der auch den Leisniger Riesenstiefeln anziehen könnte. Das Beinkleid deckte am Ende fast den gesamten Marktplatz ab. Aufgabe erfüllt.

Auch in den Aufbau der Städtepartnerschaft mit Bünde investierte Petra Müller anfänglich viel Zeit. Sie organisierte Fahrten, bei der Teilnehmer sie auch von ihrer überaus lustigen Seite kennenlernen durften. Sie lacht gern und ist auch nicht böse, wenn jemand über sie schmunzelt. So ist sie sich bei den märchenhaften Weihnachtsmärkten und auch bei den Altstadtfesten nie zu schade dafür gewesen, sich selbst mittelalterlich zu kleiden oder sich zu kostümieren. Einige Jahre war sie beim Weihnachtsmarkt als kugeliger Schneemann unterwegs.

„Sie war die Seele unseres Altstadtfestes“, findet Malermeister Manfred Hingst. Der Senior kennt Petra Müller schon als Auszubildende und hofft, dass die Leisniger nun auch unter neuer Regie schöne Feste feiern können. Die Befindlichkeiten von Dutzenden von Mitwirkenden unter einen Hut zu bringen, war sicher keine leichte Aufgabe für die Kulturfrau. „Trotzdem hat sie alles getan, was in ihrer Macht stand, um die Feste in guter Qualität fortzuführen“, meint Renate Simon, die ebenfalls zu den „Machern“ des Altstadtfestes gehört.

Die Festvorbereitungen sollen in Zukunft Kerstin Otto und ihr Team von Bibliothek und Gästeamt übernehmen. „Wir sind Petra sehr dankbar für die Tipps, die sie uns schon gegeben hat“, sagt Kerstin Otto. Sie wünscht ihrer Kollegin alles Gute für den verdienten Ruhestand. „Und ich hoffe, dass ich sie noch anrufen darf, wenn’s beim Organisieren mal brennt.“

Was Petra Müller jetzt mit ihrem Plus an Freizeit anfängt, hat sie ihren Kollegen trotz mehrfacher Nachfrage nicht verraten. „Das werd‘ ich sehen“, antwortete sie kurz und knapp. Froh ist Petra Müller sicher, dass sie mehr Zeit für Kinder, Enkel und ihren Mann hat. Ob auch er im Fußballverein kürzer tritt, ist nicht bekannt.