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Lenka und die Autodiebe

Nach Verhaftung von Böhmens größtem Hehler soll seine Frau die Geschäfte weitergeführt haben. Sie bestreitet das.

© Benno Löffler

Von Alexander Schneider

Zweieinhalb Jahre nachdem die Dresdner Justiz einen 43-Jährigen wegen Handels mit gestohlenen Autos zu elfeinhalb Jahren Haft verurteilt hat, muss sich nun auch seine Ehefrau für diese Taten verantworten. Lenka H. wurde im September 2017 aus Tschechien ausgeliefert und sitzt seitdem in Chemnitz in Untersuchungshaft. Seit vergangener Woche steht sie wegen gewerbsmäßiger Hehlerei in 78 Fällen vor dem Landgericht Dresden.

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Es ist wohl der spektakulärste Fall, den sächsische Ermittler gemeinsam mit ihren tschechischen Kollegen aufgeklärt haben. Im April 2014 schlugen die Beamten in der Region Usti nad Labem zu, um einer Autoschieberbande namens „Krokodil“ das Handwerk zu legen. Doch sie hatten nicht nur eine von rund 20 professionellen Gruppierungen ausgehoben, die auf den grenzüberschreitenden Autoklau spezialisiert war. Die Polizisten stießen dabei auch auf den bis dahin größten Hehler weit und breit – Jan H. Der geschäftstüchtige Tscheche war der Großabnehmer gestohlener Autos. In einem ehemaligen Steinbruch hatte H. einen florierenden Handel gebrauchter Kfz-Teile aufgebaut. In wochenlanger Kleinarbeit haben die Beamten allein auf diesem Grundstück die Reste von rund 170 gestohlenen Autos nachgewiesen. Über 70 wurden zwischen 2008 und 2014 in Deutschland entwendet.

Auch in dem frisch bezogenen Anwesen mit Tennisplatz und Swimmingpool, auf dem Jan H. mit seiner Frau Lenka (40) und ihren beiden Töchtern lebte, entdeckten die Ermittler Diebesgut, große Mengen Bargeld und dergleichen mehr. Jan H. wurde nach einigen Wochen ausgeliefert und wartete in der Dresdner Justizvollzugsanstalt auf seine Prozesse. Spätestens ab dieser Zeit muss Lenka H. in den Fokus der Polizei gerückt sein. Denn der 43-Jährige hat seine Frau aus der U-Haft heraus heimlich angerufen. Dabei soll er sie instruiert haben, die illegale Kfz-Verwertung in dem Steinbruch weiter zu betreiben. Die Polizei hatte die Telefonate abgehört.

Mitte Juni 2015 rückten die Beamten wieder zu dem Steinbruch aus. Und wieder wurden reihenweise Autoteile sichergestellt, darunter angeblich auch die Überreste gestohlener Fahrzeuge – das wurde am Rande der Hauptverhandlungen gegen Jan H. am Landgericht Dresden bekannt.

Es gibt einige bemerkenswerte Gründe, wie der gelernte Kfz-Mechaniker sein Reich ungestört aufbauen konnte. Der Steinbruch ist ein ideales Grundstück, zwischen Elbe, Bahnlinie und Hängen ist das unübersichtliche, 42 000 Quadratmeter große Areal nicht einsehbar und nur über eine Bahnunterführung zu erreichen. Zudem soll H. über beste Kontakte zur Polizei verfügt haben. Ein tschechischer Ermittler berichtete, gegen H. sei schon 2008 wegen Kfz-Delikten ermittelt worden, es sei jedoch nie etwas herausgekommen.

Zu gute Kontakte zur Polizei?
Das galt wohl auch für die Ermittlungen gegen Autoschieberbanden wie „Krokodil“ oder „Pitralon“, deren Anführer und Mitglieder großteils in Dresden verurteilt wurden. Der tschechischen Polizei war es erst gelungen, diese Banden auszuheben, als eine Spezialeinheit für organisierte Kriminalität aus Prag die Ermittlungen führte. Bis dahin scheinen die Polizei-Kontakte der böhmischen Autoschieber nicht gereicht zu haben. Während mehrere Mitarbeiter von Jan H. nach der zweiten Razzia im Sommer 2015 festgenommen wurden, blieb die zweifache Mutter Lenka H. auf freiem Fuß. Ihr wird nun die Verwertung derselben 78 vor allem in Dresden und Umgebung gestohlenen Autos vorgeworfen wie ihrem Mann. Sie sollen das Geschäft in ihrem Steinbruch gemeinsam betrieben haben: gestohlene Autos aufkaufen, ausschlachten, Einzelteile weiterverkaufen.

Lenka H. bestreitet das. Sie habe nichts von Jans illegalen Taten gewusst. Sie sei für den Haushalt und die Töchter zuständig gewesen, ihr Mann für die Geschäfte. Nach seiner Verhaftung habe sie versucht, die Teile, die von der Polizei nicht mitgenommen worden waren, zu verkaufen. Sie habe Geld gebraucht – für die Familie und die Verteidigung ihres Mannes.

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Ein inzwischen verurteilter Ex-Mitarbeiter von H. berichtete am Freitag jedoch, jeder habe gewusst, dass H. gestohlene Autos verwertet. Einmal habe er auch nach H.s Inhaftierung 50 Airbags und weitere Teile aus dem Steinbruch geschafft, nachdem Lenka H. ihm von einem Polizei-Tipp, einer geplanten Durchsuchung, berichtet habe. Der Prozess wird fortgesetzt.