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„Lernen, was wir im Kleingedruckten brauchen“

Noch vor der Bundestagswahl sprach CDU-Kandidat Thomas de Maiziere mit Großenhainern über Schwierigkeiten im Ehrenamt.

© Archiv/Daniel Förster

Von Kathrin Krüger-Mlaouhia

Großenhain. „Sport, Ehrenamt und Freizeit“ hieß der Stammtisch, der vorige Woche im Sportcasino der Jahnkampfbahn stattfand. Mit CDU-Bundestagskandidat Thomas de Maizière war ein hochrangiger Politikvertreter dabei, der in der heißesten Phase des Wahlkampfes noch einmal ganz nah am Volk sein wollte. Und der am Ende sagte: „Ich habe wieder viel mitgenommen für meine Arbeit in Berlin.“ Der Innenminister ahnte wohl, dass er es wieder in den Bundestag schaffen würde.

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Allerdings war ihm manches trotzdem neu. Zum Beispiel dass ein Familienvater, der über den Rotaryclub ein Schüleraustauschkind aufnehmen will, pro Quartal ein polizeiliches Führungszeugnis braucht und dafür jedes Mal 13 Euro zahlen muss. „Kann man dafür keine Verlängerung einrichten“, so der Fragesteller. De Maiziere erklärte, dass diese Regelung trotz großen Widerstands eingeführt wurde, um Kindesmissbrauch vorzubeugen. „Das können wir jetzt nicht mehr zurücknehmen“, so der Innenminister. Doch sinnvolle Ausnahmen sind das, worum es hier geht. Genauso bei den Vorschriften für Einrichtungen wie die Große Emma in Zabeltitz. Hier konnte eine Physiotherapie nicht einziehen, weil der entsprechende Raum nur geringfügig zu klein ist. De Maiziere versprach, sich für dringend nötige Abwandlungen der Vorschriften einzusetzen, um den ländlichen Raum nicht abzuhängen.

Dass solche Hemmnisse auch ehrenamtliche Tätigkeit schwächen, weiß der Wahlkreisabgeordnete nur allzu gut. Was aber kann er dagegen tun? De Maiziere ist nach eigener Angabe dabei zu „lernen, was wir im Kleingedruckten brauchen“. Gemeint war damit der neue Koalitionsvertrag auf Bundesebene. Als Beispiele nannte er die Erhöhung der Übungsleiterpauschale in Sportvereinen und des absetzbaren Steuerbetrages. „Dazu gibt es eine sehr gute Zuarbeit des Kreissportbundes“, so de Maiziere. Weiterhin zählte er die überbordenden Dokumentationspflichten für den Mindestlohn in Vereinen auf, die Haftung der Vorstände, die leidlichen GEMA-Gebühren, eine bessere Verzahnung von Schule und Sportvereinen, die Ehrenamtsrente bei der Feuerwehr sowie Sportstättenförderung, die nur denen nutzt, die die Hälfte der Kosten als Eigenanteil aufbringen können.

Bei zahlreichen Schwierigkeiten gibt es keine befriedigende Lösung. Das kreidet sicher mancher der bisherigen Politik an. So wurde auch vom GFV auch die Kritik laut, dass unbegleitete, angeblich minderjährige Ausländer sich mit dem oft auftauchenden Geburtsdatum 1.1. 1999 jünger machen, als sie eigentlich sind. De Maiziere konterte, dass ihnen dazu sogar die hiesigen Betreuer raten. Mit Altersuntersuchungen und der Ermittlung von Sprachfärbungen gehe die Regierung allerdings schon gegen Missbrauch vor. Andere Sorgen, wie hoher Formularaufwand und hohe Rechnungen an den Fußballlandesverband, müssten die Sportvereine klären, „indem sie Revolution beim DFB machen“. Für anderes will Thomas de Maizière im Koalitionsvertrag eine Entbürokratisierungsinitiative starten.