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Lessing-Tage – ein gut gelaufener Marathon

Die Besucherbilanz der 52. Auflage in Kamenz fällt positiv aus. Das lag auch an der ungewöhnlichen Themenspreizung.

Die (insgesamt drei) Lessingmedaillen sind seit diesem Jahr mit einem Preisgeld von insgesamt 35 000 Euro verbunden. © Wolfgang Wittchen

Kamenz. Am letzten Februartag sind die 52. Lessing-Tage in Kamenz zu Ende gegangen. Gewissermaßen in eigener Sache der Städtischen Sammlungen. Es ging um Neuwerbungen und ihre gegenwärtige und künftige Präsentation. Im Mittelpunkt stand der Bildband „Achtzig Schätze“, der eindrucksvoll belegt, warum die Zeugnisse der Vergangenheit auch den Zukünftigen noch etwas zu sagen haben. Dies gilt selbstverständlich auch für den Namensgeber der alle zwei Jahre stattfindenden großen Lessing-Tage, die dazwischen von den Lessing-Akzenten ergänzt werden. In diesem Jahr gab es zwischen dem 19. Januar und dem 28. Februar immerhin 16 Veranstaltungen – und die Resonanz war positiv. „Unser Angebotsmarathon ist wirklich gut gelaufen. Wir hatten insgesamt 900 Besucher“, so Dr. Sylke Kaufmann, die Leiterin der Städtischen Sammlungen und des Lessingmuseums. „Das ist bemerkenswert, weil ein großer Teil wieder Vorträge im Röhrmeisterhaus waren, und da passen eigentlich nur 50 Leute hinein.“

Am 23. Januar mussten dort zusätzliche Stühle aufgestellt werden. Da stellte am Lessing-Geburtstag der Gießener Carsten Gansel sein Moskau-Tagebuch „Meinst Du, die Russen wollen ...?“ vor, das unmittelbar ins Gegenwärtige hineinwirkt. Da saßen 60 Besucher eng beieinander, um mit dem Autor auch über ganz unterschiedliche Wahrnehmungen der russischen Seele in Ost und West zu diskutieren. Roland Dantz: „Der aktuelle Anspruch der Lessingtage ist wichtig.“ Es gehe auch darum, den Meinungsstreit zu befördern, der nun mal zum Ausgangspunkt wie zum Erbe der Aufklärung gehöre. Nur auf diese Weise könne Toleranz gerade auch im Lessing’schen Sinne geübt werden, worauf es gerade in diesen Zeiten besonders ankomme, so der OB.

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Die ungewöhnliche Themenspreizung der diesjährigen Lessing-Tage habe sich – wie erhofft – bewährt. Dies schätzen das Stadtoberhaupt und auch die Museumschefin gleichermaßen ein. „Wir haben Besucher gewonnen, die bisher nicht zum Stammpublikum der Lessing-Tage gehört haben“, so Dr. Kaufmann. Dies sei auch durch ganz neue Partnerschaften zustande gekommen. Zum Beispiel mit dem Domowina-Verlag. Der Bautzner Friedrich Pollack habe sein Buch zur sorbischen-evangelischen Geistlichkeit in der frühzeitlichen Oberlausitz präsentiert, was Interessenten auch aus den sorbischen Siedlungsgebieten östlicher der Stadt für die Lessing-Tage mobilisierte. „Wir wollen die Kooperation mit dem Domowinaverlag gern weiterführen“, so die Museumsleiterin.

Gute Mischung kommt an

Zu den am besten nachgefragten Veranstaltungen gehörte die Lessingpreis-Verleihung im Ratssaal mit 180 Besuchern, was wahrlich keine große Überraschung ist. Das ausverkaufte Gastspiel des a.gon-Theaters München sahen sogar 205 Besucher. „Die Leute waren wirklich begeistert.“ Die Nathan-Aufführung soll sogar eine der eindruckvollsten gewesen sein, die jemals in Kamenz zu sehen waren, was vor allem die Älteren bestätigen können. Großartig sei auch das Konzert für Violine und Gitarre mit Kolja Lessing und Johannes Monno gewesen. Zwar waren leider nur 40 Gäste im Stadttheater dabei, aber die kamen dank der beiden Virtuosen aus Würzburg und Stuttgart voll und ganz auf ihre Kosten, heißt es. Die übrigens nach wie vor moderat sind – vor allem dank der großzügigen staatlichen wie kommunalen Förderung der Lessing-Tage. Sie ermöglicht auch weiterhin die Präsentation neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse. Umso besser, heißt es, wenn neue Forschungsergebnisse so lebendig präsentiert werden, wie die von Dr. Stefan Rhein aus Wittenberg, der den Beginn der Reformation 1517 in seiner Heimatstadt beleuchtete und das Publikum auch mit Augenzwinkern und vielen interessanten Details überraschte.

Nach den Lessing-Tagen ist vor den Lessing-Tagen? Dieser Bonmot geht Roland Dantz nicht weit genug. „Im Grunde haben wir 365 Lessing-Tage in jedem Jahr. Das ist etwas, das die Stadt Kamenz nun wirklich bieten kann.“ Eine kleine Auswahl:

Kultureller Ausblick

Am 3. April wird im Malzhaus eine Ausstellung mit Radierungen von Claudia Berg eröffnet.

 Am 18. Mai gibt es auch in Kamenz wieder eine Lange Nacht der Kirchen und Museen – mit vielen Angeboten.

 Im Juli ist in der Galerie der St. Annen Kirche eine Ausstellung mit Malerei und Grafik von Armin Müller-Stahl geplant. Der 88-Jährige arbeitet derzeit an Nathan-Illustrationen.

Am 10. September wird der Liedermacher Hans-Eckardt Wenzel die 6. Kamenzer Rede in der St. Annen Kirche halten (siehe obige Nachricht).
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