Teilen:

Letzte Handgriffe für neuen Friedwald

© Matthias Rietschel

Für den zweiten Urnenwald im Landkreis Meißen sind bereits zwei Bestattungen angemeldet. Am Freitag soll er eröffnet werden.

Von Ines Scholze-Luft

Niederau. Gerade ist es etwas laut. Ein Radlader bringt Schaufel um Schaufel Granitschotter hinein in den Wald. Für den Weg zum Andachtsplatz. Der windet sich als rotes Band etwa 200 Meter bis zu einer großen Lichtung und wird noch gebaut. Ein paar Meter weiter ist Aufräumen zwischen den Bäumen angesagt. Damit auch neben dem Weg alles ordentlich aussieht, wenn die ersten Besucher im zweiten Urnenwald des Landkreises im Niederauer Ortsteil Oberau stehen.

Am Freitag, 11 Uhr, wird der Friedwald, der 61. für das gleichnamige deutschlandweit tätige Unternehmen, eröffnet. Und spätestens dann soll es sich gleich beim ersten Schritt einstellen, das Waldgefühl. Stille, Besinnung, Gedenken. Wer hierher kommt, soll spüren: Das ist eine besondere Stätte, sagt Helge Hedtke, Standortentwickler der Friedwald GmbH.

Dass die Eröffnung nach den Vorbereitungen seit 2015 und einem Jahr Genehmigungsverfahren nun kurz bevor steht, freut ihn sehr. In Niederau hat sich das Unternehmen mit zwei Partnern zusammengetan. Mit der Gemeinde als Träger. Und mit Prinz zur Lippe als Waldbesitzer, der gern auf das zeigt, was da auf etwa fünf Hektar als erster Abschnitt im rund 77 Hektar umfassenden Begräbniswald entstanden ist. Nachdem anfängliche Bestrebungen für einen Urnenwald vor sieben Jahren noch nicht erfolgreich waren.

Mit der Friedwald GmbH hat er einen professionellen Partner gefunden, sagt zur Lippe. Dazu ein Waldstück, das verkehrsgünstig liegt, einen vernünftigen Parkplatz und Toiletten im Waldbad nebenan bietet. Und viel Neues: Die Infotafel gleich am Eingang. Der Andachtsplatz mitten im Wald mit Schutzhütte und Sitzbänken. Mit einem hölzernen Kreuz, etwas entfernt auf der grünen Lichtung. Der Blick dorthin, in die Weite – für Georg zur Lippe sehr wichtig. Man schaut immer ins Licht, sagt er. Eine Perspektive, ein Zeichen, dass hier nicht nur das Ende ist.

Zu diesem Gefühl hinführen soll schon der Weg vom Parkplatz zur Andachtsstätte. Ein Waldpfad, auf dem auch Rollstuhl, Rollator und Kinderwagen vorankommen. Dafür sorgen 450 Tonnen Granitschotter und jede Menge Arbeitsstunden. Das kostet viel Geld. Genauer will sich Prinz zur Lippe nicht festlegen. Nur so viel: Die Kosten im Wald übernimmt der Besitzer, zuständig für Erhalt und Instandsetzung. Immer unter dem Gesichtspunkt, alles so naturnah wie möglich zu belassen.

Für Georg zur Lippe ist der Wald der Ort, wo extreme Ruhe und Freiheit entstehen und sich mit dem Friedwald die große Chance bietet, das in schöner Weise zu erhalten. Damit das so bleibt, schauen die Friedwaldförster nach dem Rechten. Drei sind es in Oberau, angestellt beim Prinzen zur Lippe. Ihre Aufgaben: Als Verwaltungshelfer der Gemeinde aufs Einhalten aller Vorschriften zu achten, Beisetzungen zu begleiten, Waldführungen anzubieten und beim individuellen Baumauswahltermin zu beraten, sagt Anna Pothmann, Friedwald-Regionalbetreuerin und Verbindungsfrau zu den Friedwaldförstern. Sie nehmen bereits kommende Woche die ersten beiden Bestattungen vor.

Derzeit stehen 278 Bäume zur Auswahl. Das Anrecht auf einen Gemeinschaftsbaumplatz ist beispielsweise ab 770 Euro zu haben. Wofür unter viel Buche und Ahorn ausgesucht werden kann.

Einer der Unterschiede zum nahen Bestattungswald von Daniel von Sachsen. Dort ist mehr Eiche, sagt Helge Hedtke. Eine Konkurrenz befürchtet er nicht. Wenn es eine gewisse Auswahl gibt, sei das doch gut für die Interessenten. Er könne sich sogar eine Wanderung durch den Friedewald von einer Begräbnisstätte zur anderen vorstellen. Auch für die klassischen Friedhöfe sieht er keine Gefahr. So gebe es für die Urnenwälder ein riesiges Einzugsgebiet von Pirna bis Riesa. Außerdem würden maximal zwei Prozent der Bevölkerung eine Waldbestattung wünschen.

Wer mehr zum neuen Bestattungswald wissen will, kann am Waldinfotag Sonnabend, 12 Uhr, in Oberau teilnehmen oder an einer der regelmäßigen Führungen. Oder auf einem ganz privaten Gang durch den Wald viel erfahren. Dort entsteht gerade ein Info-Pfad mit Beschreibungen der Grabarten, der Musterbäume und mit einem Mustergrab.

Telefon: 06155 848100

www.friedwald.de/standorte/oberau/