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Letzter Gruß für Theo Adam

Noch einmal „Wotans Abschied“. Im Trauergottesdienst für den verstorbenen Kammersänger erklang seine Musik. Peter Schreier grüßte ein letztes Mal.

Kammersänger Theo Adam (1926 – 2019).
Kammersänger Theo Adam (1926 – 2019). © Foto: Matthias Hiekel/dpa

Noch einmal den großen Gesang – für gewöhnlich erklingt in Gotteshäusern nicht Oper von Richard Wagner. Am Freitag aber musste es in der Kirche zu Dresden-Loschwitz der überwältigende Wotan-Schlussgesang aus der „Walküre“ sein: „Leb Wohl, du kühnes, herrliches Kind“ erklang in einer Aufnahme aus dem Bayreuther Festspielhaus mit Theo Adam von 1967. Jahrzehnte hatte der Dresdner Bassbariton diese Weise gesungen – mit der ihm eigenen Dramatik, seiner großen Textverständlichkeit und mit dem Wissen eines liebenden Vaters. Diese Musik gab dem Trauergottesdienst für den am 10. Januar 92-jährig Verstorbenen eine bewegende Note. Man war sofort bei Theo Adam – ohne trauern zu müssen oder traurig zu sein. Der Kammersänger lebt ja in der Musik, in seinen über 100 Aufnahmen weiter.

Die Familie hatte nur Freunde und Wegbegleiter zur Feier in die kleine Kirche von Loschwitz eingeladen. Adam, nicht übermäßig gläubig, unterstützte aber das Gotteshaus zu Lebzeiten gern. So hatte er etwa für dessen Wiederaufbau in den 1990er-Jahren Benefizkonzerte gegeben. Auch diesmal bat die Familie darum, auf Blumen für den im Sarg Aufgebahrten zu verzichten und lieber Geld für den Erhalt der Loschwitzer Kantorenstelle zu spenden. Ein Bild des Sängers, der eine Weltkarriere gemacht hatte, aber trotzdem seiner Heimatstadt und deren Oper immer treu geblieben war, stand neben dem Sarg.

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Blick in die Loschwitzer Kirche während des Trauergottesdienstes.
Blick in die Loschwitzer Kirche während des Trauergottesdienstes. © privat

Dorthin grüßten die Gäste, darunter viele Kollegen. So nahm Tenor Peter Schreier in der ersten Reihe Abschied von seinem Freund. Weitere Sänger wie Bass Siegfried Vogel und Bariton Hans-Joachim Ketelsen, weitere Künstler wie Pianist Peter Rösel und Dirigent Hartmut Haenchen, weitere prominente Theaterleute wie Semperoper-Intendant Peter Theiler und Staatsoperetten-Intendant Wolfgang Schaller erwiesen dem Verstorbenen die letzte Ehre.

„Wir gedenken seines Lebens in Dankbarkeit“, sagte Alt-Pfarrer Dietmar Selunka. Adam, der nicht nur gesungen, inszeniert, Bücher geschrieben, im Fernsehen Klassiksendungen moderiert und sich für den Sängernachwuchs engagierte hatte, sei stets „ein Diener der Musik“ gewesen.

Entsprechend viel Musik erklang, oft Lieblingsmusik von dem Dresdner wie das Largo aus Händels „Xerxes“. 30 Kruzianer unter Leitung von Kreuzkantor Roderich Kreile sangen für ihn, den ehemaligen Kruzianer, natürlich Bach: „Alsdenn vom Tod erwecke mich“ aus der Johannes-Passion.

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Einen ganz persönlichen Bezug und eine berührende Geste zwischen all den Gebeten und Psalmen gelang dem Enkel Florian Hartfiel. Der ist selbst Bassbariton und sang die Franz-Schubert-Komposition „An die Musik“. Das Lied hatte er oft in kleinem Kreis mit dem Großvater vorgetragen. Theo Adam wählte es gern als Zugabe in seinen Liederabenden: „Du holde Kunst, ich danke dir!“