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Letztes Foto von Väterchen Frost?

Erst Kälte, jetzt Plusgrade – Winterdienste und Autofahrer kommen mit der kalten Jahreszeit zurecht. Mit Ausnahmen.

© Pawel Sosnowski/80studio.net

Von Matthias Klaus

Region. In der Sonne glitzerndes Schneekleid, wie verzaubert wirkende vereiste Bäume, fröhlich rodelnde Kinder. Der Winter der vergangenen Woche war ein Traum. Der Winter vom Wochenende eher ein Albtraum. Während am Sonnabendvormittag noch eisiger Wind und Schneeverwehungen vor allem Autofahrern das Leben schwer machten, waren es zum Abend einsetzendes Tauwetter und Eisregen, die die Straßenverhältnisse fast noch dramatischer machten. Am Sonntag waren die größten Schneemassen dann schon getaut.

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War es das nun mit dem Winter? Die Meteorologen sagen für Görlitz für den Montag immerhin drei Grad voraus, plus wohlgemerkt. Am Dienstag sollen es schon sieben sein, Mittwoch acht Grad. Aber ob die Russlandpeitsche mit eiskalter Ostluft doch noch einmal über der Neiße zuschlägt? Was man weiß: Bis jetzt kam der Winterdienst in Görlitz und im Umland gut mit den frostigen Temperaturen und den Straßenverhältnissen zurecht.

Das Görlitzer Straßennetz ist für den Winterdienst geteilt. Es gibt drei Dringlichkeitsstufen. Sobald der Winter für Straßenverhältnisse sorgt, die der Jahreszeit entsprechen, fahren die Kollegen im Zweischichtsystem. Die Dringlichkeitsstufen eins bis drei in der Stadt übernimmt SKS, der Straßen- und Kommunalservice. Die Firma Schmidt aus Königshain kümmert sich um den Winterdienst an den Haltestellen des öffentlichen Verkehrs. „Bisher ist es gelungen, die Straßen in den Dringlichkeitsstufen eins und zwei ohne Probleme befahrbar zu halten“, sagt Torsten Tschage, Leiter des Tiefbauamtes der Stadt. In die Anliegerstraßen, das bedeutet Stufe drei, seien die Fahrzeuge am vergangenen Dienstag und Freitag gefahren. Dort wurden Steigungs- und Gefällestrecken mit Feuchtsalz oder Splitt abgestumpft. Bei Schneefall sei es nicht möglich, die Straßen der Stufe drei „winterdienstlich zu behandeln“. Im Hauptstraßennetz ist es durch vorhergehendes Streuen gelungen, die Bildung von Eis zu verhindern, sagt Torsten Tschage. Eine gleichzeitige Abstumpfung aller Straßen sei beim Einsatz von sechs Räumfahrzeugen in Görlitz nicht möglich. Immerhin: Streusalz stehe zurzeit in ausreichender Menge zur Verfügung.

Aus Sicht der Polizeidirektion Görlitz haben sich die Kraftfahrer bislang gut auf die winterlichen Straßenverhältnisse eingestellt. Die Unfallzahlen blieben in den Landkreisen Bautzen und Görlitz trotz des vergangenen Wochenendes insgesamt im normalen Bereich, so Thomas Knaup, Sprecher der Polizeidirektion in Görlitz. Vom Wochenende meldete die Polizei lediglich einen glättebedingten Unfall, der sich im Schneetreiben am Sonnabend zwischen Krobnitz und Dittmanndorfs ereignete (siehe Polizeimeldung auf dieser Seite). „Der Winter hat bisher auch nur an wenigen Tagen etwas mit den Muskeln gespielt“, sagt Knaup. Das herausragende Ereignis aus polizeilicher Sicht sei der Unfall mehrerer Lkw bei Krauschwitz am 13. Januar gewesen. „Grundsätzlich gilt aber, dass nicht winterliche Straßenverhältnisse, sondern die Fehlerquelle Mensch in mehr als 90 Prozent aller Winterunfälle verantwortlich ist.“ Schlechte Bereifung, den Verhältnissen nicht angepasste Geschwindigkeit und Fahrweise, nicht ausreichender Sicherheitsabstand sowie nicht genügend vorausschauendes Fahren seien besonders im Winter die Hauptunfallursachen.

Damit die Straßen rund um Görlitz im Winter jahreszeitgerecht befahrbar sind, steht auch hier genügend Streusalz zur Verfügung, sagt Henri Noack, Sachgebietsleiter Betrieb und Verkehr im Landratsamt. „Im Gegensatz zu manch anderem Jahr funktionieren auch die vertraglich vereinbarten Nachlieferungen bisher reibungslos“, sagt er. Aber nicht immer sind die Kollegen aus den Straßenmeistereien unfallfrei unterwegs. „Viel Pech hatte in dieser Saison die Straßenmeisterei Weißwasser mit der Technik. Eins der vier Streufahrzeuge rutschte bereits einmal von der S 127n“, schildert Henri Noack. Dass Streufahrzeuge selbst gefährdet sind, weil sie als Erste auf ungeräumten, nicht gestreuten und daher oftmals kreuzgefährlich glatten oder verwehten Straßen unterwegs sind, werde oft nicht bedacht. Genauso wenig denke man daran, dass Winterdienstfahrzeuge in Unfälle verwickelt sein können. „Dies ist gerade erst dem Weißwasseraner Fahrzeug passiert, dem ein Pkw in die Seite fuhr, wodurch das Auto für Tage außer Betrieb gesetzt wurde“, sagt Henri Noack.

Allgemein laufe der Betrieb wie jedes Jahr. „Wie alle anderen Firmen und Einrichtungen haben wir mit dem normalen Technikausfall, der Erkrankung von Kollegen und dem alltäglichen Allerlei zu kämpfen“, sagt der Amtsleiter. Leider sei aber auch festzustellen, dass sich das Verständnis mancher Bürger für die Männer der Straßenmeistereien offenbar sehr in Grenzen halte, sagt er. Die meisten Beschwerden gebe es über das Schneeräumen. „Die meist nicht gerechtfertigten Vorwürfe: zu schnelles Fahren, Schnee, der mit Absicht auf frischgeschobene Gehwege geschoben oder an straßennahe Hauswände gespritzt“, so Henri Noack.

Die Männer sind je Straßenmeisterei in der Regel mit zwei Lkw, zwei Unimogs und einem Multicar von 3 Uhr morgens bis 22 Uhr in der Nacht im Schichtbetrieb unterwegs. „Sie geben sich wirklich Mühe, die mehr als 300 Kilometer einer Straßenmeisterei befahrbar zu halten“, sagt Henri Noack. Ob sie jetzt erst einmal angesichts der Plusgrade eine kleine Pause einlegen können? Abwarten.