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Leuchtreklame an der Zittauer Schauburg erstrahlt

Das Geld kommt von 63 Spendern. Sechs Wochen sollte die Restaurierung dauern, sechs Monate sind es geworden.

© Matthias Weber

Von Mario Heinke

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Zittau. Zehn, neun, acht, sieben, sechs, fünf … Es ist genau 16.28 Uhr an diesem Sonntag, als der Countdown abgelaufen ist. Rund 30 Zittauer stehen vor der Schauburg am Ottokarplatz, fotografieren mit den Smartphones und bewundern die historische Leuchtreklame, als deren Licht angeht. Gelbe und weiße Röhren strahlen und zeugen nun wieder vom Glanz des ehemaligen Lichtspieltheaters. Elke Schäfer und ihr Partner Thomas Schmid, Inhaber einer Sanitär- und Heizungsbaufirma in Eichgraben, sanieren das Baudenkmal seit 2015 Schritt für Schritt mit viel Herzblut. Freunde, Familie und Spender helfen dabei. Dass die alte Reklame wieder erstrahlt, ist das Ergebnis einer Spendenaktion, neudeutsch „Crowdfunding“ genannt. Lisa-Marie Schäfer, die Tochter des Paares, hatte die Idee, die Mittel für die Restaurierung der Reklame über die Spendenplattform von Volksbank Löbau-Zittau und SZ Löbau/Zittau im Internet zu veröffentlichen. Bis zum 19. Juli lief die Aktion und brachte insgesamt 3 645 Euro ein. Das Geldinstitut veredelte jede Spende ab zehn Euro mit einem eigenen Festbetrag von jeweils zehn Euro.

Die Gäste fotografieren bei der feierlichen Einweihung die historische Leuchtreklame.
Die Gäste fotografieren bei der feierlichen Einweihung die historische Leuchtreklame. © Matthias Weber

63 Spender, darunter vier Unternehmen, unterstützten die Idee mit ihrem Geld. Die anvisierte Zielmarke von 3 500 Euro wurde dabei übertroffen. Die Restaurierung der in Handarbeit gefertigten Reklameschrift sollte ursprünglich sechs Wochen dauern. Holger G. Schulze, Lichtreklameherstellermeister und Inhaber von DS Werbung in Ostritz, erklärt an diesem Abend, warum es viel länger gedauert hat. Nachdem die meisten alten Röhren durch die in einer Glasbläserei in Ilmenau gefertigten neuen Rohre ersetzt worden sind, stellte sich heraus, dass die Blechverkleidung nicht mehr passt, so der Ostritzer. Die Verkleidung musste deshalb passend gemacht und neu zusammengelötet werden. Viel schwieriger gestaltete sich jedoch die Suche nach einer Signalgeberplatine der Trafoanlage, die noch aus DDR-Zeiten stammt. „Wir haben recherchiert, wo es die noch gibt und eine Firma in Berlin gefunden, die noch im Besitz solcher Platinen war“, sagt Meister Schulze. Die Mühe hat sich gelohnt, die Anlage ist abgenommen. Stammt die Beschriftung an der Gebäudefront noch aus den 1920er Jahren, ist der geschwungene Schriftzug an der Seite in DDR-Zeiten angebracht worden, vermutlich im Zusammenhang mit dem Einbau der Visionsbar zwischen 1977 und 1979. Die Sanierung geht dank zahlreicher Spenden sowie nicht unbeträchtlicher Eigenmittel voran. Eine Brandmeldeanlage ist installiert, die legendäre Visionsbar wieder hergerichtet und Sanitärräume sind in einem Neubau entstanden. In diesem Jahr wollen die Eigentümer den Blitzschutz erneuern, eine zusätzliche Tür für einen weiteren Fluchtweg einbauen und die Außenanlagen herrichten. Ist das alles geschafft, sollten alle Auflagen der Bauaufsicht zur Durchführung von Veranstaltungen abgearbeitet sein, sagt Thomas Schmid. Im ehemaligen Kino sollen dann außer privaten Feiern regelmäßig Lesungen und Konzerte stattfinden und auch wieder Filme gezeigt werden. Bis dahin ist für jede Veranstaltung eine Sondergenehmigung nötig.

Fest eingeplant haben die Betreiber Public Viewing im Biergarten zur Fußball-Weltmeisterschaft im Sommer, das Oktoberfest, den Tag des offenen Denkmals und ein Konzert.