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Level Vier sitzt

Die Dresdner Eiskunstläuferin Lea Johanna Dastich sorgt bei der Junioren-WM für das beste Frauenresultat seit acht Jahren.

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© Christian Juppe

Von Alexander Hiller

Lea Johanna Dastich muss gar nicht lange nachdenken. „Allgemein war ich sehr zufrieden mit meinen Programmen. Ich konnte meinen momentanen Leistungsstand so gut wie möglich abgerufen“, sagt die 16-jährige Dresdnerin.

Der Schützling von Trainerin Anett Pötzsch hat mit einem überzeugenden Auftritt bei der Junioren-Weltmeisterschaft der Eiskunstläufer in Taipeh die kleine
Hoffung auf einen Olympiaauftritt im nächsten Jahr genährt. Dastich spulte ihr anspruchsvolles Programm beinahe fehlerfrei ab, kam dabei auf 157,11 Punkte und belegte damit den achten Platz in der Juniorinnen-Einzelkonkurrenz. Solch ein Einzelergebnis bei einer Junioren-WM hat seit acht Jahren keine Läuferin der Deutschen Eislauf-Union (DEU) abgeliefert. Sarah Hecken war 2009 Siebente geworden.

„Ich habe mich sehr gefreut“, sagt Dastich, „dass ich im Kurzprogramm alle Pirouetten Level Vier hinbekommen habe“, betont sie. Level Vier ist der höchste Schwierigkeitsgrad, und Elemente dieser Kategorie bringen die meisten Punkte ein. „Für nächste Saison werden wir trotzdem viel an den Pirouetten und am Laufen arbeiten“, blickt die Athletin des Dresdner Eislauf-Clubs voraus.

Beim Triumph der überragenden Russin Alina Zagitova (208,60 Pkt.) vor den beiden Japanerinnen Marin Honda (201,61) und Kaori Sakamoto (195,54) avanciert Lea Johanna Dastich zur drittbesten Europäerin. „Das ist ein schönes Extra. Im Endeffekt gibt es aber keine Junioren-EM oder eine europäische Wertung“, betont sie pragmatisch. „Aber es motiviert mich, es mal zu einer Europameisterschaft der Aktiven zu schaffen.“ In dieser Saison war die Sächsin hinter den beiden deutschen Teilnehmerinnen Natalie Weinzierl (Mannheim) und Nicole Schott (Essen) bereits Ersatz.

Auch aufgrund ihrer in Taipeh erbrachten Leistung könnten sich die Kräfteverhältnisse bei den deutschen Eiskunstläuferinnen aber bald drehen. Dastich ist in diesem Trio deutlich die jüngste und damit vermeintlich entwicklungsfähigste Athletin. Das stellte der Pötzsch-Schützling schon in dieser Saison unter Beweis. Im Vergleich zum Vorjahr – da wurde Dastich bereits Zwölfte des Junioren-Championats des Weltverbandes ISU – präsentierte sie ein noch anspruchsvolleres und vor allem ausdrucksstärkeres Programm. „Ich denke, dass es nicht normal ist, sich innerhalb eines Jahres um vier Plätze zu verbessern. Meine gewachsene Leistungsstärke kann man aber eher an den Punkten sehen als an der Platzierung“, unterstreicht die amtierende deutsche Vizemeisterin. Im Vergleich zur letztjährigen JWM steigerte sich Dastich um 14 Punkte. „Ich habe mich sehr gefreut, dass ich auf den Punkt meine Leistung abrufen konnte und in jedem Teil des Wettkampfes eine neue ISU-Bestleistung erzielen konnte. Das war mir fast etwas wichtiger als die Platzierung, da die ja auch von der Klasse der anderen Läuferinnen abhängt“, sagte Dastich.

In Taipeh bewies die 1,70 Meter große Athletin auch Kämpferqualitäten, die man ihrem zierlichen Körper gar nicht ansieht. Nach Rang 13 im Kurzprogramm schaffte sie mit ihrer Kür noch den Sprung unter die Top Ten. „Ich habe versucht, mich nicht unter Druck zu setzen in der Kür und ich glaube, das hat sehr gut funktioniert“, analysiert sie. Mit ihrem bislang sportlich wertvollsten Auftritt verschaffte sie der DEU für die JWM im kommenden Jahr noch einen zusätzlichen, also zwei Startplätze für den Juniorinnen-Wettbewerb.