merken
Politik

Libanons Premier kündigt Rücktritt an

Nach der verheerenden Explosion in Beirut legten bereits mehrere Minister ihre Ämter nieder. Nun folgt auch der Regierungschef.

Der libanesische Premierminister Hassan Diab tritt zurück.
Der libanesische Premierminister Hassan Diab tritt zurück. © Dalati & Nohra/dpa

Beirut. Nach der verheerenden Explosion im Hafen von Beirut will der libanesische Regierungschef Hassan Diab seinen Rücktritt erklären. Das kündigte Gesundheitsminister Hamad Hassan am Montag nach einer Kabinettssitzung an, wie der lokale Sender MTV meldete. Diab will noch im Laufe des Abends eine Erklärung abgeben. Sein Rücktritt würde auch das Aus der gesamten Regierung bedeuten. Es handele sich dabei nicht um eine Flucht vor der Verantwortung, erklärte Hassan weiter.

Diab reagierte damit auf öffentlichen Druck und gewaltsame Proteste gegen die Regierung am vergangenen Wochenende. Zuvor hatte mit Justizministerin Marie-Claude Nadschm und Finanzminister Ghasi Wasni zwei weitere Regierungsmitglieder ihre Ämter niedergelegt und den Druck auf den Ministerpräsidenten weiter erhöht. 

Anzeige
Genuss im Riesenrad zur Blauen Stunde
Genuss im Riesenrad zur Blauen Stunde

Abendbrot über den Dächern Dresdens, zur allerbesten Zeit? Noch bis zum 4. Oktober im Riesenrad am Postplatz! Hier können Sie Tickets buchen.

Viele Libanesen machen die Regierung für die verheerenden Explosion am vergangenen Dienstag mit mindestens 160 Toten und mehr als 6000 Verletzten verantwortlich. Die Armee erklärte am Montag, sie habe fünf weitere Leichen aus den Trümmern gezogen.

Die Detonation soll durch große Mengen der hochexplosiven Chemikalie Ammoniumnitrat ausgelöst worden sein, die dort über Jahre ohne Sicherheitsvorkehrungen lagerten. Die Ermittlungen zur genauen Ursache der Katastrophe laufen jedoch noch.

Justizministerin Nadschm begründete ihren Schritt mit der verheerenden Explosion und den Demonstrationen, wie MTV weiter berichtete. Am Sonntag hatten bereits Informationsministerin Manal Abdel Samad und Umweltminister Damianos Kattar ihre Ämter niedergelegt. Nadschm war in der vergangenen Woche bei einem Besuch am Ort der Katastrophe von aufgebrachten Menschen beschimpft und mit Wasser bespritzt worden, wie auf einem Video zu sehen war.

Weiterführende Artikel

Globalfoundries spendet für Libanon-Hilfe

Globalfoundries spendet für Libanon-Hilfe

Der in Dresden produzierende Chiphersteller spendet an die Dresdner Helfer, die Obdachlose nach der Explosion in Beirut unterstützen.

Libanon: Minister treten zurück

Libanon: Minister treten zurück

Demonstranten machen die Regierung für die Explosionen verantwortlich. Erneut kommt es zu Zusammenstößen. Mehrere Minister legen ihr Amt nieder.

Beirut: Ausschreitungen bei Demonstration

Beirut: Ausschreitungen bei Demonstration

Nach der verheerenden Explosion, die mindestens 150 Menschen tötete, staut sich die Wut bei der Bevölkerung auf. Proteste verlaufen nicht friedlich.

Sachsen helfen dem Libanon

Sachsen helfen dem Libanon

Die Katastrophe von Beirut hat das Corona-gebeutelte Land schwer getroffen. Auch von Sachsen aus wurden sofort Hilfskonzepte erarbeitet.

Eine Trauer- und Protestkundgebung im Zentrum Beiruts war am Wochenende in Gewalt und Chaos umgeschlagen. Aufgebrachte Demonstranten wollten Absperrungen zum Parlament durchbrechen, Sicherheitskräfte setzen Tränengas ein. Über Stunden kam es zu Zusammenstößen. Ein Polizist wurde nach offiziellen Angaben getötet, mehr als 200 Menschen erlitten Verletzungen. Aufgebrachte Demonstranten stürmten mehrere Ministerien.

Diab hatte erst im Januar nach einer monatelangen Hängepartie das Amt des Regierungschef in dem Land am Mittelmeer übernommen. Er folgte auf Saad Hariri, der nach Massenprotesten Ende Oktober zurückgetreten war. Diabs Regierung wird unter anderem von der Iran-treuen Hisbollah unterstützt, die im Libanon extrem mächtig ist. Wegen einer schweren Wirtschaftskrise und der Corona-Pandemie sind in seiner Amtszeit große Teile der libanesischen Bevölkerung in die Armut abgerutscht.

Diab hatte am Wochenende zunächst angekündigt, dem Kabinett in seiner Sitzung an diesem Montag eine vorgezogene Neuwahl vorzuschlagen. Damit wollte er die Lage beruhigen. Die nächste Abstimmung über das Parlament stünde im Libanon eigentlich erst 2022 an. (dpa)

Mehr zum Thema Politik