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Libyer bleibt Fall für den Landkreis

Der 21-Jährige, der am Freitag in Bautzen einen Polizei-Großeinsatz ausgelöst hatte und danach in ein Fachkrankenhaus kam, ist wieder zurück im Heim.

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© SZ

Von Miriam Schönbach

Bautzen. Nach zwei Tagen Aufenthalt in einem Fachkrankenhaus ist ein 21-jähriger Libyer am Montagnachmittag in eine Asylunterkunft im Landkreis Bautzen zurückgekehrt. Wie Pressesprecherin Frances Lein mitteilt, wurde der Mann durch einen Mitarbeiter des Landratsamtes abgeholt und wieder in einer Einrichtung einquartiert. Am Freitagabend hatte der Flüchtling für einen Großeinsatz in der Bautzener Flinzstraße gesorgt. Gegen ihn ermittelt die Polizei wegen des Verdachts der versuchten gefährlichen Körperverletzung, Hausfriedensbruch sowie Sachbeschädigung. Nach ersten Erkenntnissen ging der Libyer am Einlassdienst des Asylbewerberheimes vorbei. „Er ließ sich trotz Aufforderung, das Gelände zu verlassen, nicht aufhalten“, sagt Polizei-Pressesprecherin Martyna Fleischmann. Das Landratsamt hatte ihn nach den jüngsten Auseinandersetzungen auf dem Bautzener Kornmarkt in einer anderen Unterkunft im Kreis untergebracht. Die Verlegung wurde mit einer Gefahr für die öffentliche Sicherheit begründet. Aufgrund von 24 laufenden Ermittlungsverfahren schätzt die Polizei den Libyer als Intensivtäter ein.

Zwei Tage nach seinem Umzug sei er jedoch wieder in Bautzen aufgetaucht. Bei der Rückkehr in seine ehemalige Flüchtlingsunterkunft am Freitag gegen 21 Uhr habe er gedroht, sich mit einem Messer zu verletzen und vom Dach zu springen. Die Verhandlungsgruppe des Landeskriminalamts wurde eingeschaltet. Gleichzeitig seien die Mitarbeiter des Heimes angewiesen worden, die oberste Etage zu räumen. Allerdings blieb es auch dabei nicht ohne Zwischenfälle: Wie die Sprecherin mitteilt, sei ein 25 Jahre alter Sudanese auf einen Heim-Mitarbeiter mit einem Messer zugegangen. Neben dem Sudanesen sorgte ein 39-jähriger Marokkaner für Ärger, welcher an einem offenen Fenster stand und drohte, heraus zu springen. Jener hatte wohl vorher noch dem Libyer ein Messer durch das offene Fenster aufs Dach gereicht. Zudem soll er sich kurz zuvor mit einem Messer am Arm verletzt haben. Der Mann kam ins Krankenhaus. Ein Drogentest reagierte positiv. Neben Amphetaminen ergab ein Alkoholtest einen Wert von 1,4 Promille. Auch in diesem Fall hat die Kripo die Ermittlungen aufgenommen.

Der Libyer indes sprang mit dem Messer auf eine Feuertreppe und lief auf Beamte des Spezialeinsatzkommandos zu. Als er der Aufforderung stehenzubleiben nicht nachkam, setzten ihn die Polizisten mit einer Elektroschockwaffe außer Gefecht. Aufgrund der Suizidgefahr kam er in ein Fachkrankenhaus.

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Schon am Wochenende hatte Vize-Landrat Udo Witschas (CDU) angekündigt, sich in dem Fall an das Innenministerium zu wenden, um eine Unterbringung außerhalb des Landkreises Bautzen zu ermöglichen. „Leider ist es nicht möglich, den Asylbewerber in eine Erstaufnahmeeinrichtung zu verlegen“, sagt er. Das Innenministerium verweist zudem auf die Zuständigkeit der Landkreise. „Eine Abschiebung als abgelehnter Asylbewerber ist nicht möglich, da der Mann gegen die Asylentscheidung Klage eingelegt hat“, so eine Sprecherin. Gleichwohl werde sich der Landkreis um eine „auswärtige Unterbringung“ bemühen. Dazu stehe das Landratsamt momentan im engen Kontakt mit anderen sächsischen Landkreisen. Aufgrund der aufgeheizten Debatte rund um das Thema bietet Udo Witschas allen demokratischen Parteien und Netzwerken Gespräche an. „Ich bin jederzeit für einen sachlichen und fairen Dialog offen“, sagt er.