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Licht und Schatten

Die Islamkritiker der Pegida lassen sich nicht stoppen, schon gar nicht durch einen Scherz. Dennoch kamen nicht mehr Anhänger zum elften Treffen in Dresden.

© kairospress

War das nasskalte Winterwetter schuld, oder Der Postillion? Der erwartete, weitere große Zuwachs an Teilnehmern blieb zum elften Abendspaziergang von Pegida jedenfalls aus. Etwa ebenso viele Menschen wie vor Weihnachten waren laut Polizei am Montag zur Dresdner Cockerwiese gekommen, um den Rednern der islamkritischen Bewegung zuzuhören.

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Die Demonstrationen vom 5. Januar

Am Nachmittag hatte Der Postillon, ein Online-Satiremagazin, für einigen Wirbel gesorgt. Die Spaßaktivisten sagten im Netz den angekündigten Abendspaziergang von Pegida ab – wegen interner Querelen, wie die Plattform von einem der Organisatoren angeblich erfahren hatte. Die Narretei bekam zusätzlich Schwung, weil die Satiriker auch die Dresdner Stadtverwaltung und Spiegel Online in ihre Spaßattacke einbezogen. Erst ein deutliches Dementi auf der Facebook-Seite der Pegida mit dem Zusatz, dass natürlich „ohne Wenn und Aber“ marschiert werde, brachte wieder Klarheit in die Bewegung.

Der verregnete Winterabend und die völlig durchweichte Cockerwiese machten den Abend zusätzlich zur Herausforderung für die Verteidiger des jüdisch-christlichen Abendlandes. Herausgefordert muss sich seit gestern auch Stanislaw Tillich fühlen. Sachsens Ministerpräsident wurde aufgefordert, „zeitnah“ auf einer der nächsten Veranstaltungen zu sprechen.

Inhaltlich hörten die Menschen kaum Neues. Viele waren wieder aus verschiedenen Teilen des Freistaates und auch aus anderen Bundesländern angereist. Prominetester Redner war diesmal der Politikwissenschaftler und Publizist Udo Ulfkotte. Er ist spezialisiert auf Themen wie Nachrichtendienste, Medienkritik („Gekaufte Journalisten“) und Islamkritik („SOS Abendland. Die schleichende Islamisierung Europas“) und bediente prompt die Gefühlslage der Massen, die mit Deutschlandfahnen und schwarz-rot-gelben Lampions erschienen waren. Harsch kritisierte Ulfkotte die Innen- und Sicherheitspolitik der Bundesregierung und deren militärisches Engagement in Afghanistan und anderen Teilen der Welt.

Fernab des städtischen Trubels machten sich die Pegida-Anhänger dann auf ihren Spaziergang und drehten im Nieselregen eine Runde um das Dynamostadion. Die benachbarte VW-Manufaktur hatte symbolisch das Licht abgeschaltet. Anders als sonst, hatten einige Tausend Teilnehmer nach der Runde offenbar wenig Lust auf weitere Reden. Sie wollten nicht auf die Cockerwiese zurückkehren, sondern abziehen. Wie aus Polizeikreisen zu erfahren war, versuchte insbesondere eine Gruppe Berliner, in die Innenstadt zu gelangen. Die Polizei verhinderte das und forderte sie auf, zur Kundgebung zurückzukehren.

In der Innenstadt fanden fast zeitgleich mehrere Gegenkundgebungen statt. Auf der Prager Straße warnten mehrere Hundert Menschen vor ausländerfeindlichen Tendenzen in Dresden. Sie zogen, angeführt vom Jenaer Jugendpfarrer Lothar König und seinem „Lauti“, zum Postplatz, wo sich schließlich gegen 20.30 Uhr rund 4 000 Menschen versammelt hatten.

Die vorwiegend jungen Leute lauschten zunächst den Bands Banda Comunale und Yellow Umbrella, die zu der Veranstaltung eingeladen hatten. Viele waren mit Warnwesten bekleidet und hatten Besen mitgebracht. Ihr Ziel war es, zur Cockerwiese zu laufen und dort symbolisch den Platz der Pegida-Kundgebung zu reinigen. (SZ)