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Licht und Schatten

Fast eineinhalb Jahre nach dem Anschlag auf die Moschee in Cotta verblasst die Erinnerung.

© dpa (Symbolfoto)

Von Alexander Schneider

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Die gute Nachricht zuerst. Eine ganze Reihe Nachbarn hatten sofort die Feuerwehr alarmiert und dann selbst angefangen zu löschen, nachdem der Sprengsatz vor der Moschee in der Hühndorfer Straße explodierte. Was sie nicht ahnten, war, dass sie sich dabei selbst in höchste Gefahr gebracht hatten. Denn von den drei Rohrbomben in dem selbst gebastelten Sprengsatz waren zwei nicht detoniert an jenem 26. September 2016, einem Montagabend.

Auch die Feuerwehr war schnell da. Die Männer kamen aber mit nur einem Löschfahrzeug, sagte ein Berufsfeuerwehrmann am Dienstag im Prozess am Landgericht Dresden. Dort muss sich der mutmaßliche Moscheebomber Nino K. (31), ein Dresdner Lüftungsanlagenmonteur, unter anderem wegen versuchten Mordes verantworten.

Interessant ist, dass die Feuerwehrmänner nicht wussten, dass sie zu der Cottaer Moschee ausrückten. „Brand Tür“ habe der Einsatz gelautet. Das zu glauben, fiel sogar Richter Herbert Pröls, dem Vorsitzenden des Schwurgerichts, schwer. Mindestens ein halbes Dutzend Zeugen hatte den Notruf gewählt. „Da wird sicher auch die Moschee genannt worden sein“, wunderte sich Pröls. Viel gab es für die Retter nicht zu tun, sie lüfteten nur noch die Wohnung.

Es gibt noch mehr Rätselhaftes zum Anschlag auf die Moschee. Die Verteidiger kritisieren einen angeblichen Splitter, dessen Herkunft nicht geklärt werden konnte, und eine Tatortarbeit, die nicht optimal war. Ein Ermittler des Landeskriminalamtes war als Zeuge völlig unvorbereitet, was die Kritik der Verteidiger weiter anfachte. Weil die sieben Zeugenvernehmungen viel Zeit beanspruchten, wurde das Gutachten eines Brandsachverständigen am Abend auf Mitte März verschoben.