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Lichter vor dem Gymnasium

Der Eltern- und der Schülerrat rufen die Großröhrsdorfer zur Mahnwache auf. Die Schule will Courage zeigen.

© Jonny Linke

Von Reiner Hanke

Für kommenden Dienstag gibt es erneut einen Aufruf zur Versammlung vor dem Rathaus, zum Thema Asylpraxis in Großröhrsdorf 2015. Dort solle es auch um einen Fragenkatalog gehen. Zuletzt versammelten sich hier vor knapp vier Wochen Menschen. Während sich parallel dazu eine Lichterkette am Schulzentrum formierte. Der Elternrat des Ferdinand-Sauerbruch-Gymnasiums hat diesmal für Dienstag, 19 Uhr zu einer Mahnwache mit Kerzen vor dem Schultor und auf dem Busplatz aufgerufen. Unterstützt werden die Eltern vom Schülerrat.

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Was sagt der Elternrat zu einer neuerlichen Demo am Rathaus?

Der Elternrat sieht keine Grundlage mehr für weitere Demonstrationen vor dem Rathaus. Sabine Marz ist Elternratsmitglied und stellt fest: Die Turnhalle wurde wie zugesagt freigezogen. Sie steht leer. Der Kreis werde alles daransetzten, die Halle nicht wieder für Flüchtlinge zu nutzen. Sie wisse aus vielen Gesprächen, so Sabine Marz, dass die Großröhrsdorfer vor allem über die Informationspolitik des Kreises sauer waren. Sauer, weil sie nicht in die Entscheidungen eingebunden wurden, weil das Gespräch über ihre Sorgen nicht gesucht wurde: „Wenn nicht mit den Leuten geredet wird, verselbstständigen sich die Ängste.“ Zumal statt der erwarteten Flüchtlingsfamilien ausschließlich junge Männer eintrafen. „Da verstehe ich die Ängste von Eltern“, sagt Sabine Marz. Dieses Domizil in der Turnhalle am Schulzentrum war und ist nicht geeignet, um Flüchtlinge unterzubringen, schätzt auch Elternratsvorsitzende Annette Weißbach ein: 10 Quadratmeter für vier Personen zwischen Raumteilern in einem schlecht heizbaren Raum, Tag und Nacht brannte das Licht, dazu ständiger Lärm. Dennoch hätten sich Eltern, Schüler, Lehrer überlegt, wie das Beste draus gemacht, die Flüchtlinge integriert werden könnten. Ähnlich sei es in Vereinen und bei der Kirche gelaufen. Der SC 1911 bereitete z. B. ein Fußballangebot vor.

Was wollen die Organisatoren der Mahnwache bewirken?

Sie wollen einen Akzent setzten für Toleranz, gegen jede Form von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit. Nicht umsonst sei der Busplatz gewählt worden. „Wir wünschen uns ein deutliches Zeichen und viele Großröhrsdorfer mit Kerzenlichtern vor dem Schultor auf dem Busplatz“, so Annette Weißbach. Die Organisatoren der Demo vor dem Rathaus „spielen mit den Ängsten der Leute“, argumentieren die Eltern und wollen die Mahnwache dagegensetzen. Nicht ohne Grund in der Nähe der Schulen: Schließlich trage das Gymnasium den Titel „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“. Sabine Marz: „Die müssen wir zeigen, wenn sich Demonstrationen gegen Flüchtlinge und Ausländer richten. Als Schule mit Courage können wir das nicht stehenlassen.“ Annette Weißbach ergänzt: „Wir haben eine Verantwortung gegenüber unseren Kindern, sie demokratisch, tolerant und auch aufgeschlossen gegenüber Fremdem zu erziehen.“ Die Eltern wollen nicht, dass Großröhrsdorf in ein ausländerfeindliches Licht gerät. So gebe es Hinweise, dass ein Ex-Kommunalpolitiker mit NPD-Mandat, aber kein Großröhrsdorfer, zu den Demo-Organisatoren zählt.

Wie steht die Stadtspitze zu den Demonstrationen?

Bürgermeisterin Kerstin Ternes stellte sich ausdrücklich hinter die Organisatoren der Mahnwache als Zeichen gegen Intoleranz und Fremdenfeindlichkeit. Sie bittet die Einwohner um zahlreiche Teilnahme. „Es werden weiterhin Menschen in Not zu uns kommen, denen geholfen werden muss“, so Kerstin Ternes in ihrem Jahresrückblick. Das sei eine zutiefst menschliche Aufgabe. Sie vertraue darauf, dass es die große Mehrheit genauso sehe. Die Sorgen und Ängste nehme sie ernst. Es müsse darüber gesprochen werden, wenn Fehler gemacht wurden. Sie räumt ein, es sei unstreitig, dass im Zusammenhang mit dem Domizil in der Turnhalle Fehler gemacht wurden. Die Elternräte sehen es genauso, könnten sich auch einen Runden Tisch mit Großröhrsdorfern vorstellen. In der jetzigen Situation seien Ruhe und Besonnenheit wichtig. Denn die Stadt müsse darauf vorbereitet sein, dass wieder Flüchtlinge kommen.

Wo sehen die Eltern die Aufgaben der Politik

Sie werben für Mitgefühl und stellen klar: Am Recht auf Asyl notleidender Menschen sei nicht zu rütteln. Ebenso nicht daran, dass die Ansprüche geprüft werden und dass die Flüchtlinge menschenwürdig untergebracht werden. Wer straffällig werde, müsse sich auch dafür verantworten. „Aber wir können doch nicht jedem, der anders aussieht unterstellen, dass er etwas Böses will“, so Annette Weißbach. Dringend nötig wäre ein Einwanderungsgesetz, das den Zuzug von Migranten reguliert: „Wir haben doch ein wachsendes Fachkräfteproblem“, sagt Sabine Marz. Außerdem dauerten die Asylverfahren viel zu lange und seien zu intransparent. Schon im Aufnahmequartier in Chemnitz müssten die Menschen auf das Leben hierzulande vorbereitet werden, damit sie schnell dezentral untergebracht werden können, wie es z. B. in Radeberg jetzt gut funktioniert habe.

Welche Pläne verfolgt das Landratsamt künftig mit der Halle?

Die Notunterkunft in der Turnhalle wurde wie angekündigt geschlossen. Als Notfallvariante wolle sie der Kreis aber noch vorhalten, heißt es aus Bautzen. Bis Ende Juni war dieser Zeitraum festgesetzt worden. Mit der Stadt Großröhrsdorf sei vereinbart, dass die Halle danach bis Ende 2016 im Anschluss für sportliche Zwecke genutzt werden kann. Dabei bleibe es. Ende 2016 solle sich die Stadt dann endgültig entscheiden, ob sie die Halle weiterbetreiben will. Mit der Schließung der Notunterkunft reagiere der Kreis auf die Sorgen in der Bevölkerung. Man habe auch erkannt, dass die Unterkunft in Turnhallen, die Gefahr von Konflikten verschärfe. Der Kreis wolle keine solche Notunterkünfte mehr schaffen, hieß es mehrfach.