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Lidl probt in Bad Schandau die Zukunft

Im Kurort entsteht der deutschlandweit erste Markt eines neuen Typs. Er bekommt einen attraktiven Nachbarn.

© Norbert Millauer

Von Gunnar Klehm

Wir werden in Bad Schandau die Ersten sein, die den Typ 13 fertigstellen“, sagt Sven Graap, Projektleiter Bau bei der Handelskette Lidl. Ein bisschen stolz darf Graap sein, denn der Neubau am Elbufer ist der Prototyp des neuesten Lidl-Marktkonzepts. Die veränderte Optik ist auf den ersten Blick zu erkennen. Das Gebäude ist höher und breiter als das alte daneben, in dem die Kunden jetzt einkaufen. Den Eingangsbereich am Neubau prägt eine Glasfassade vom Fußboden bis zum Dach. Das Glas ist bereits angeliefert und wird derzeit eingebaut. „Wenn das abgeschlossen ist, können wir den Bau beheizen“, sagt Graap. Dann kann trotz Winters weitergebaut werden.

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Der Kran ist auf der Baustelle an der Basteistraße in Bad Schandau noch unverzichtbar. Das Dach ist noch nicht dicht, soll es aber in den nächsten Tagen sein. © Norbert Millauer

Ein gesonderter Heizkreislauf ist nach Eröffnung des Marktes aber nicht mehr nötig. Dafür sorgt die sogenannte Integralanlage, mit der Lidl die Heizkosten künftig auf null fährt. „Es wird ausschließlich mit der Abwärme aus den Kühlregalen geheizt“, erklärt Graap. Über Wärmepumpen werde die Energie in eine Art Fußbodenheizung geleitet. Im Sommer werde mit der Energie der Verkaufsraum gekühlt. Das würde über das gesamte Jahr eine Wohlfühltemperatur von 21 Grad Celsius im Kassenbereich und eine Frischhalte-Temperatur von 19 Grad im Verkaufsraum ermöglichen. Breitere Gänge und niedrigere Regale sollen für entspanntere Einkaufsatmosphäre sorgen. Die Verkaufsfläche im neuen Markt ist mit rund 1 500 Quadratmetern deutlich größer als im benachbarten Vorgängerbau.

Technische Herausforderung

Doch nicht nur wegen der modernen Einbauten ist der Markt eine technische Herausforderung. Auch der Hochwasserschutz bereitete den Planern einiges an Kopfzerbrechen. Ursprünglich war vorgesehen, den nahe des Elbufers befindlichen Markt auf Stelzen zu bauen.

Bei Augusthochwasser 2013 wurde der daneben befindliche alte Lidl-Markt geflutet. 15 Zentimeter hoch stand die Elbe im Verkaufsraum. Eine aufwendige Sanierung war nötig. „Der Fußboden des neuen Marktes liegt 70 Zentimeter höher“, sagt Graap. Auf das teure Aufstelzen des gesamten Gebäudes wurde aber verzichtet. „Wir haben entsprechend Boden aufgefüllt und Drainage verlegt“, erklärt der Projektleiter. Die Front zur Elbe hin wurde mit Wasserbausteinen und einer zwölf Zentimeter starken Stahlbetonmauer gesichert. Das sollte dem Wasserdruck bei einer Flut widerstehen. Der Bereich zwischen Markt und Elbe wurde komplett entsiegelt und begrünt.

Auf dem Areal produzierte bis zum Elbehochwasser 2002 die Fahrzeugsitze GmbH. Die Firma zog danach ins Gewerbegebiet nach Langburkersdorf. Seitdem verfiel das Gelände in Bad Schandau zur Industriebrache. Schließlich kaufte die Handelskette Lidl das 33 000 Quadratmeter große Grundstück. Für die Entwicklung war ein Bebauungsplan nötig, der schließlich von den Behörden genehmigt wurde. Es bleibt eine Reservefläche Richtung Innenstadt, die noch bebaut werden dürfte.

Alter Markt mit neuem Inhalt

Für einen Teil des alten Marktes ist ein Nachnutzer gefunden worden. „Es wird die Drogeriemarktkette dm sein“, erklärt Graap. Dazu wird ein neuer Eingangsbereich geschaffen, was das Einkaufen in beiden Märkten für die Kunden erleichtern soll. Auch für den verbleibenden Teil des alten Lidl gäbe es schon Interessenten. Festgezurrt sei das aber noch nicht, sagt Graap. Sicher ist aber, dass bis zur Eröffnung des neuen Marktes weitere 132 Parkplätze entstehen. Die Stellflächen sind gepflastert. Die Fahrspuren werden asphaltiert.

Mit dem neuen Markt wird Lidl nach Fertigstellung mehrere Millionen Euro in Bad Schandau verbaut haben. Die genaue Summe will das Unternehmen mit Blick auf die Konkurrenz aber nicht nennen.