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Lieber Alexis Tsipras!

Offener Brief an den neuen griechischen Regierungschef und Ultra-Linken.

© dpa

Freundschaft! Oder wie heißt auf Griechisch der kommunistische Gruß? Das hat man in Europa jedenfalls auch lange nicht erlebt, dass ein Regierungschef die Arbeiterfaust in die Höhe reckt. Nicht mal Bodo Ramelow in Thüringen hätte sich das getraut. Ihr Bündnis Syriza, mit dem Sie jetzt die Wahl gewonnen haben, nennt sich „Koalition der Radikalen Linken“. Hier in Deutschland sind Radikale immer gleich beleidigt, wenn man sie so nennt. Bei Ihnen in Griechenland steht man wenigstens noch dazu. Auch dafür meinen Respekt.

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Wie wäre es mit einem wirklich günstigen Ratenkredit? Wenn der Kredit beim Autohändler angeblich nichts kostet, zahlen Sie in Wirklichkeit die Zinsen mit einem überhöhten Kaufpreis.

Übrigens ist mir jetzt erst mal aufgefallen, dass es mehr Gemeinsamkeiten zwischen Sachsen und Griechen gibt, als man meinen könnte. Wir leben vor allem vom Tourismus, wir sprechen eine Sprache, die außer uns kein Mensch versteht, wir lieben Schlagermusik, und wir haben wie Sie ein eigenes politisches System erfunden: die antiken Griechen die Attische Demokratie, wir die Sächsische Demokratie. Sie haben Alexis Sorbas, wir haben einen Sorben als Ministerpräsidenten. Wenn Sie so wollen, ist Sachsen wie Griechenland, nur ohne Schulden.

Wir Sachsen finden auch, dass man das mit links und rechts nicht so ernst nehmen sollte. Sie als Oberlinker machen’s doch jetzt auch mit den Rechtsradikalen. Richtig so, es muss um die Sache gehen, und nicht um altes Schubladendenken! Im Grunde wurde ja auch Pegida von der Lügenpresse immer falsch dargestellt, als angeblich rechtes Bündnis. Dabei geht es doch längst nicht nur um den Islam, sondern um viel grundsätzlichere Probleme: Rundfunkgebühren, Flutschutzmaßnahmen, Autobahnmaut, Rechtschreibreform, böse Wölfe, doofes Wetter und schlechter Sex – alles eher klassische Themen der Linken. Sind Sie gar eine Art griechischer Lutz Bachmann?

Tja, und jetzt erleben Sie in Griechenland, wie es uns hier in Sachsen in den letzten Wochen erging: Alle Welt schaut erschrocken auf Ihr Land und denkt: Was ist denn mit denen los? Aber die Welt hat’s eben mit zwei Völkchen zu tun, die sich noch nie auf der Nase rumtanzen ließen. Letztlich sind Sie genauso gegen die Rettungspolitik der EU wie zum Beispiel die AfD. Wie sagt der Sachse? „Ich griech’ die Krise!“

Also, ich will Ihnen einen Vorschlag machen: Sachsen und Griechenland treten gemeinsam aus der EU aus. Als Erstes führen wir unsere Landeswährungen wieder ein: Sie die Drachme, wir den Taler. Als Staatsform richten wir hier wie dort die Monarchie wieder ein, ergänzt durch ein sozialistisches Einparteiensystem sowie regelmäßige Volksabstimmungen. Das Ganze nennen wir dann: Nationaldemonarchismus.

Allerdings müssen wir mit massiver Zuwanderung rechnen. Denn natürlich wollen auch andere Europäer dann lieber bei uns leben als unter dem EU-Diktat. Zum Glück haben wir in Sachsen aber Erfahrung, wie man effektive Grenzschutzanlagen errichtet. Ach ja, ich hätte auch noch eine Idee für den Titel unserer Nationalhymne: „Macht doch euern Dreck alleene!“

Ihr Marcus Krämer

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