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„Lieber auf der Straße rumhängen“

Die Umfrage „Großenhain und Du“ macht Probleme bei der Jugendarbeit sichtbar.

© Kristin Richter

Von Manfred Müller

Großenhain. Eine Schwimmhalle wird Großenhains junge Generation wohl eher nicht bekommen, auch wenn sich das viele wünschen. Für eine Kleinstadt zu teuer in der Unterhaltung und wohl auch zu wenig ausgelastet. Die Nachbarkommune Gröditz könnte ein Lied davon singen – hier wurde das Hallenbad vor Jahren dichtgemacht. Aber bei der Jugend-Umfrage „Großenhain und du“ geht es ja darum, erst einmal zu erkunden, woran es den Teenagern fehlt. Und das möglichst authentisch, ohne von vornherein Grenzen zu setzen. Deshalb werden in den kommenden Wochen und Monaten des Öfteren junge Leute in grünen T-Shirts auf den Straßen zu sehen sein, die mit einer Kladde voller Umfrage-Zettel erkunden wollen, was ihre Altersgenossen in der Röderstadt so umtreibt. Zum Beispiel, welche Freizeitangebote sie sich in ihrer unmittelbaren Umgebung wünschen. Oder bei welchen Projekten sie selbst gern mitmischen würden.

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Kai Schwetasch gehört zum sechsköpfigen Interviewer-Team, das beim Stadtfest seine Runden dreht. Der Zwölfjährige besucht die Oberschule am Schacht und ist mit einem beneidenswerten Selbstbewusstsein ausgestattet. „Zehn Umfragezettel sind schon ausgefüllt – mehr hat noch keiner“, sagt er nach einer knappen Stunde. Gerade sind ein paar Schulkameraden vorbeigekommen und haben ihr Herz ausgeschüttet. „Wir brauchen dringend einen eigenen Jugendklub für die Schachtschule“, findet Chantal (13). Im „Impuls“ oder „Downstairs“ aufzukreuzen, sei für sie und ihre Freundinnen irgendwie peinlich. Warum? Nun, vor allem, weil das Publikum dort älter ist. Da fühle man sich nicht wirklich zugehörig.

„Das hat mit der Selbstverwaltung der Jugendklubs und dem Vereinsrecht zu tun“, erklärt Raimo Siegert von der Großenhainer Mobilen Jugendarbeit. Um einen Verein zu leiten, müsse man nun einmal volljährig sein. Das heißt, zumindest für diejenigen, die die Fäden in der Hand halten, ist ein Mindestalter von 18 Jahren vorgeschrieben. Und zwischen deren Wünschen und Interessen und denen der Zwölf-, Dreizehnjährigen können Welten liegen. So hat Großenhain zwar etliche gut funktionierende Jugendklubs, wie das „Downstairs“ am Remonteplatz oder den Treff in Zabeltitz, aber viele Jüngere fühlen sich dort nicht wohl. Sie hängen dann lieber auf der Straße ab, und das führt zu Problemen.

„Wenn wir uns am Dianabrunnen treffen, werden wir schon mal weggescheucht, weil es den Leuten zu laut ist“, erzählt Kai Schwetasch. Auch in Zabeltitz und Walda bemühen sich die Jüngeren um eine Alternative zum vorhandenen Klub. „Vielleicht wäre ein Bauwagen die Lösung“, überlegt Raimo Siegert.

An Ideen mangelt es Großenhains Jugend zumindest nicht. Neben der Schwimmhalle taucht auf den Umfragezetteln ein Boxclub auf. Oder der Wunsch nach regelmäßigen Veranstaltungen für Radler und nach Graffiti-Kursen. Oder nach mehr öffentlich zugänglichen Tischtennisplatten. Oder nach Möglichkeiten zum Ponyreiten. Die Umfrage „Großenhain und du“ ist Teil eines Projekts zur Jugendbeteiligung, das der Kinder- und Jugendring für Sachsens Städte und Gemeinden anbietet. Die jungen Leute sollen in kommunale Entscheidungen einbezogen werden – neben Freizeitangeboten zum Beispiel in die Schulsanierung, beim Spielplatzbau oder auch in Vereinsangelegenheiten. Es gab bereits Treffen mit dem Großenhainer Oberbürgermeister, und die Befragung der Jugendlichen ist ein erster Schritt für das auf zwei Jahre angelegte Vorhaben.

Die Umfrage wird auch online durchgeführt – auf der Startseite der städtischen Homepage www.grossenhain.de findet sich ein Link mit dem Titel „Hier geht es zu einer kurzen Umfrage Jugend in Großenhain“. Nach einem Klick können die Jugendlichen dann anhand von sieben Fragen angeben, was sie an Großenhain gut finden, welche Freizeitmöglichkeiten sie nutzen, was ihrer Meinung nach geändert werden sollte und ob sie bei Jugend-Projekten mitmachen würden. Bis zum Herbst soll eine erste Auswertung vorliegen. „Wir wollen da gar nichts vorgeben“, sagt Raimo Siegert. „Junge Leute müssen Lust auf etwas haben, ansonsten wird nichts draus.“ Dass auf manche Frage ein teeniemäßig flapsiges „Keine Ahnung“ in den Umfragespalten auftaucht, können die Interviewer sicher verschmerzen.