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Liebeserklärung an Schnecken

Die Schleimer sind für viele Gärtner der Horror. Für Familie Höntzsch nicht. Ein Fachmann findet sie sogar schön.

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© Marko Förster

Von Heike Sabel

Die Höntzschs haben ein Wassergrundstück. Drei Teiche gibt es in ihrem Garten. Und dazwischen Blumen, Obst, Gemüse, Wiese. Viel Platz. Auch für Schnecken. Trotzdem haben Kerstin und Frieder Höntzsch mit den Schleimern kein Problem. Gut, um die Studentenblumen streuen sie schon mal Schneckenkorn. Doch Höntzschs Schneckenvertilger sind die Erdkröten. Deshalb die Teiche, in denen jetzt unzählige Kaulquappen schwimmen.

Was man noch machen kann, damit die Schnecken einem nicht die ganze Ernte wegfressen, verrät morgen Klaus-Dieter Kerpa. Der Münsteraner ist Referent für ökologisches Gärtnern. Er weiß, dass es gefräßige Schnecken gibt, die ein Beet mit frisch gesetzten Salatpflanzen in einer Nacht abfressen. „ Aber das sind einige wenige Arten“, sagt Kerpa. Die anderen, es gibt weltweit 40 000 Arten, seien sehr interessant und sogar schön.

Hausmittelchen und Rezepte gegen die weniger schönen Exemplare gibt es massenweise. Manches funktioniert, zumindest zeitweise, vieles ist unsinnig, sagt Kerpa. Konkrete Empfehlungen dürfe er aus rechtlichen Gründen nicht geben, weil es keine zugelassenen Pflanzenschutzmittel sind. Doch einiges werde er in seinem Vortrag erläutern. Seine Botschaft: Nicht alle Schnecken sind Schädlinge. Die heimischen Arten haben aus ökologischer Sicht vielfältige, wichtige Funktionen und interessante Lebensweisen. Es ist spannend, sich einmal näher mit diesen Weichtieren zu beschäftigen. „Zu Kuscheltieren werden die Schnecken wohl nicht, aber nach dem Vortrag sieht man die Schnecken sicher mit anderen Augen“, sagt Susanne Russig, die Vorsitzende und Geschäftsführerin des Territorialverbandes der Gartenfreunde, der Kerpa eingeladen hat. Er will dazu anregen, in Gärten grundsätzlich mehr Wert auf biologische Vielfalt zu legen.

Die Höntzschs bewirtschaften ihren Garten in der Heidenauer Elbauen-Sparte schon nach dem Grundsatz. Molche, Libellen, Fische, Tulpen, Erdbeeren – und dazwischen Platz für den Liegestuhl. In etwa zehn, zwölf Wochen sind aus den Kaulquappen Frösche und Kröten geworden. Voriges Jahr hüpften zehn und mehr über die Seerosen. Schnecken haben sie schon lange keine mehr gehabt. Jedenfalls nicht so viele, dass sie zur Qual wurden.

Vortrag mit Klaus-Dieter Kerpa: 22. April, 17 Uhr, Drogenmühle Heidenau, Eintritt frei