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Liebesgrüße aus Holland

Auch der Rechtspopulist Geert Wilders unterstützt die Dresdner Pegida. Als neue Chefin fungiert Kathrin Oertel.

© kairospress

Von thilo Alexe, Karin Schlottmann, Alexander Schneider und Ulrich Wolf

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Pegida-Mitbegründer Lutz Bachmann steht nach Angaben aus Sicherheitskreisen nicht mehr unter Polizeischutz. Nach einer Terrordrohung gegen ihn hatten die Organisatoren die wöchentliche Pegida-Demonstration vor einer Woche abgesagt. Auf einer Pressekonferenz wenige Tage später war der 41-Jährige von Personenschützern begleitet worden. Jetzt gehen die Behörden offenbar nicht mehr von einer konkreten Gefährdung aus. Nach seinem Rücktritt wegen ausländerfeindlicher Pöbeleien und einem Selfie mit Hitler-Bärtchen trat Bachmann auf der gestrigen Kundgebung in Dresden auch nicht mehr in Erscheinung.

Die Sonntags-Demonstrationen in Dresden

Wortführerin des asylkritischen Bündnisses ist jetzt die 37-jährige Kathrin Oertel aus Coswig. Sie bestritt gestern, dass Pegida und AfD zusammenarbeiten würden. Pegida sei überparteilich, sagte sie unter lautem Gejohle und Beifall der Demonstranten. Es waren weniger Menschen gekommen als zu der Kundgebung vor zwei Wochen, als Pegida 25 000 Teilnehmer auf die Straße gebracht hatte. Die Polizei schätzte die Personenzahl gestern auf rund 17 300. Immer wieder waren „Lügenpresse“- und „Wir-sind-das-Volk“-Sprechchöre zu hören. Viele hatten Deutschland-Fahnen mitgebracht. Anders als an den vorangegangenen Montag-Abendspaziergängen waren dieses Mal auch einige Familien mit Kindern gekommen. Dennoch sind Pegida-Anhänger überwiegend männlich.

Auf Transparenten und in den Reden ging es immer wieder um die Forderung nach Volksentscheiden, die angebliche Diskriminierung von Pegida durch die Medien und die Kosten für Asylbewerber. Wie auf früheren Veranstaltungen wiederholte Oertel die Kernforderungen Pegidas.

Unter lautem Johlen der Zuhörer kritisierte sie das für heute geplante Konzert mit prominenten Künstlern. Es würden für „viel Geld“ Stars nach Dresden geholt, um zu zeigen, dass Pegida nicht mithalten könne, sagte sie. Silvio Rösler aus Leipzig beschwor die Gemeinsamkeiten von Legida und Pegida. Sein Auftritt war bemerkenswert, weil Oertel vor einigen Tagen Legida noch öffentlich mit einer Unterlassungsklage gedroht hatte. Deren Forderungen seien nicht mit Pegida abgesprochen.

Die beiden Gruppen wollen ihren Machtkampf offenbar beenden und sich gegenseitig unterstützen. Der sächsische Verfassungsschutz betrachtet Legida mit Sorge. Die Gruppierung ist nach seiner Auffassung wesentlich entschlossener und radikaler als Pegida.

Ein weiterer Redner stammt aus den Niederlanden. Bei seinen Anhängern heißt er nur „Ed, der Holländer“. In seiner fast 20-minütigen Rede verlas er ein Grußwort von Geert Wilders, dem Vorsitzenden der rechtspopulistischen Freiheitspartei in den Niederlanden, die ausgesprochen anti-islamisch eingestellt ist. „Ganz Europa schaut auf euch“, heißt es darin. „Ed, der Holländer“ mischt bei den Dresdner Pegida-Demonstrationen bereits seit November mit, seine erste Rede hielt er am 8. Dezember. Deutschland sei arm und sollte nicht so viel Geld für Flüchtlinge ausgeben, sagte er unter großem Beifall.

Musik und Tanz auf dem Schloßplatz

Der Mittvierziger ist mit sämtlichen Mitgliedern des Pegida-Orgateams vetraut. Sein richtiger Name ist Edwin Wagensveld, er lebt seit gut zehn Jahren in dem kleinen Dorf Bastheim im unterfränkischen Landkreis Rhön-Grabfeld. Von dort aus betreibt er im Internet einen Softair-Waffenladen.

Die Gegendemonstranten waren derweil deutlich in der Unterzahl – doch sie hatten Humor. „Kee Bier da“ hieß einer ihrer Slogans, der sich lautmalerisch an Pegida anlehnt und vermeintlich ernste Sorgen benennt. Einprägsam sind Putzutensilien wie neonfarbene, puschelige Staubwedel und Warnwesten, wie sie die Männer von der Stadtreinigung tragen. Symbolisch soll Intoleranz aus Dresden gekehrt werden. „Die Stimmung ist bei uns besser“, sagte Victor Vincze vom lokalen Ausländerrat in einer kurzen Ansprache, die er im Namen des Bündnisses „Dresden für alle“ hielt. Rund 5 000 sind es nach Polizeiangaben, die sich im Laufe der mehr als zwei Stunden auf dem Schloßplatz versammeln.

Der Großteil drängte sich am Übergang der Augustusbrücke zum Theaterplatz, wo Polizisten eine Absperrung errichteten . Buhs und Trillerpfeifen verursachten akustischen Protest. Familien waren gekommen, Studenten, aber auch Vertreter von Dresden nazifrei. Nach etwa einer Stunde rollte ein Wagen mit Lautsprechern an. Musik und Pfeifkonzert wechselten sich ab. Die eigentliche Bühne musste allerdings weiter entfernt stehen, kurz vor dem Georgentor. Ein paar Hundert Demonstranten formierten sich hier und tanzten ausgiebig Polka zu den erwärmenden Klängen der Band „Ukrainians“. Der Protest kam hüpfend daher.

Die Polizei war mit 1 558 Beamten im Einsatz. Sie sprach von einem friedlichen Verlauf.

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