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Meißen

Liebesszenen mit sechs Metern Abstand

Große Konzerte mit kleiner Besetzung. Die Elbland Philharmonie Sachsen kämpft sich durch die Corona-Krise.

Ekkehard Klemm, Chefdirigent der Elbland Philharmonie Sachsen, bei einem Sommerkonzert auf dem Crassoberg in Meißen.
Ekkehard Klemm, Chefdirigent der Elbland Philharmonie Sachsen, bei einem Sommerkonzert auf dem Crassoberg in Meißen. © SZ

Meißen. Begeisterte Zuhörer, euphorische Stimmung, donnernder Applaus am Sonntag auf dem Crassoberg beim klassischen Open-Air-Konzert der Elbland Philharmonie Sachsen. Das Programm "Viva-Espana" reißt die Besucher von den Sitzen. Begeistert ist auch Chefdirigent Professor Ekkehard Klemm. "Die Leute sind froh und glücklich, dass wir wieder auftreten können. Für das Programm haben wir genügend Noten im Archiv, die auch bei  reduzierter  Besetzung feurige Klänge garantieren", sagt er. 600 begeisterte Zuschauer gab es auch bei einem Konzert in der Riesaer Sachsen-Arena. Die Halle ist groß genug, um Abstands- und Hygieneregeln einzuhalten.  "Der Aufwand war allerdings sehr groß. Sehr oft können wir das aus finanziellen Gründen nicht machen", räumt der Chefdirigent ein. Und auch ein Kammerkonzert in der Meißner Marienkirche war mit 230 Zuschauern so gut besucht, wie es in diesen Zeiten eben möglich ist. "Trotz aller Corona-Regeln und von der Unfallkasse auferlegten Restriktionen war und ist es für uns wichtig, auch in diesen schwierigen Zeiten in der Region präsent zu sein", so Marketing-Chef Thomas Herm.   

120.000 Euro Verlust durch Eintrittskarten

Schwierig waren und sind die Bedingungen für die Musiker allemal. Im Mai und Juni waren die Musiker auf Kurzarbeit. "Sie waren zu 40 Prozent beschäftigt, müssen ja proben", sagt Ekkehard Klemm. Im Juli und August gab es wegen der Urlaubszeit keine Kurzarbeit.  Die Ausfälle allein durch entgangene Kartenverkäufe schätzt das Orchester auf rund 120.000 Euro. "Für Karten unserer eigenen Konzerte wurde das Geld entweder zurückgezahlt oder es gab Gutscheine", so Thomas Herm. Derzeit noch nicht zu beziffern sind die Ausfälle durch Sponsorengelder. "Ich bin begeistert, wie das Orchester die Herausforderungen unter den neuen Bedingungen angenommen hat. Die Situation führte zu einer Blütezeit der Kammermusik", sagt der Chefdirigent. So gaben die 78 Musikerinnen und Musiker in den verschiedensten Formationen beispielsweise als Barockensembles, Bläsertrios oder Posaunenquintett allein 65 Konzerte in Alten- und Pflegeeinrichtungen.  "Die Rossini-Ouvertüre zum 'Barbier von Sevilla' mit vier einfachen Geigen muss man mal erst mal hinkriegen", lobt der Chefdirigent. Die Elbland Philharmonie sei ja ein relativ  kleines Orchester und daher sehr flexibel.  "Bei großen Orchestern, die Wagner und Strauß spielen, brennt dagegen die Hütte", so Ekkehard Klemm. Das Orchester habe in der Krise ein Höchstmaß an Flexibilität gezeigt. "Und das tut der Kunst immer gut", so der Dirigent. 

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"Corona bringt uns momentan nicht um"

Dennoch sind die Möglichkeiten sehr eingeschränkt. "Normalerweise gestalten wir unser Programm nach Inhalten, in der jetzigen Zeit aber nach möglicher Besetzung", so Thomas Herm. Und den notwendigen Abstandsregeln. So müssen zwischen den einzelnen Musikern mindestens zwei Meter Abstand eingehalten werden, zum Dirigenten zwei bis drei Meter und zwischen Bläsern drei Meter.  Da braucht es große Bühnen. Ganz hart trifft es die Sänger. Hier gilt ein Mindestabstand von sechs Metern. "Liebesszenen mit sechs Metern Abstand, das geht natürlich nicht", sagt Ekkehard Klemm.  

Die Elbland Philharmonie Sachsen hat ihr neues Programm jetzt vorgestellt. Ob wirklich alle Veranstaltungen wie geplant stattfinden können, steht in den Sternen. So sind Konzerte in verschiedenen Kantoreien geplant, notfalls als Kammerkonzerte. Und auch insgesamt zehn Neujahrskonzerte soll es unter anderem in Meißen, Riesa, Großenhain, Radebeul  und Weinböhla unter dem Titel "Wiener Blut" geben. Geplant ist die Saison erst einmal bis Januar 2021. "Es wäre schön, wenn wir mal wieder langfristig planen könnten. Corona bringt  uns momentan noch nicht um", so der Chefdirigent.

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