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Liebhaber gesucht

In Ebersbach soll wieder ein Umgebindehaus versetzt werden. Interessenten gibt es, ein Problem ist die Finanzierung.

© Rafael Sampedro

Von Romy Kühr

Ebersbach. Draußen donnert ein Auto vorbei. Der Fußboden bebt bedrohlich. „Das hält schon noch“, sagt Arnd Matthes. Der Blick aus dem Fenster ist nicht viel beruhigender als die vibrierenden Dielen. Unten rauscht das Wasser der Spree, das Haus steht direkt auf der Ufermauer. Zwei Gründe, weswegen hier schon Jahrzehnte niemand mehr wohnen will: vorn die Hauptstraße, hinten der Fluss. Für solche Fälle, wie die Hauptstraße 149, gibt es laut Arnd Matthes, Denkmalexperte der Stiftung Umgebindehaus, nur eine Lösung: abbauen und umziehen. Das wurde 2015 schon mit einem anderen Haus an der Ebersbacher Durchfahrtsstraße praktiziert. Lange hat es nicht gedauert, bis sich ein Interessent fand, der das ganze Haus wollte. Er möchte es auf einem anderen Grundstück wieder aufstellen. Das ist nun auch der Plan, den Stiftung und Stadt, die Eigentümer des Hauses ist, für die Hauptstraße 149 haben. „Im Zuge der Spreeregulierung muss es ohnehin weg“, sagt Matthes. Die Stadt will die Stützmauern der Spree erneuern. Dabei müsste sie das Haus abreißen.

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Der Zustand des Hauses ist besser, als es von außen scheint.
Der Zustand des Hauses ist besser, als es von außen scheint. © Rafael Sampedro
Arnd Matthes von der Stiftung Umgebindehaus und die Stadt, der das Haus gehört, suchen einen Käufer für die Hauptstraße 149.
Arnd Matthes von der Stiftung Umgebindehaus und die Stadt, der das Haus gehört, suchen einen Käufer für die Hauptstraße 149. © Rafael Sampedro

Das wäre schade, denn es hat einige Besonderheiten. Es stammt aus der Zeit nach 1750, also dem Spätbarock. Dementsprechend wird das Umgebinde von Balken mit barocken Schnitzmustern getragen. „Das ist 1a-Holz“, sagt Matthes und klopft an einen dunklen Balken. Viel zu sehen ist davon nicht. Die historische Fassade wurde zu DDR-Zeiten komplett mit Platten verkleidet. Das sieht nicht schön aus, war aber sinnvoll, wie sich jetzt herausstellt. Sie schützten das Haus vor Schäden, zum Beispiel durch hochspritzenden Schmutz und Wasser von der Bundesstraße. Blockstube und Balken sind daher gut erhalten. „Es sieht von außen schlimmer aus, als es tatsächlich ist“, sagt Matthes. Dennoch rechnet er dem Haus am jetzigen Standort keine Chancen auf einen Käufer aus. Einen Interessenten zu finden, der die Einzelteile woanders neu errichtet, hält er hingegen für durchaus erfolgversprechend. Das zeigt auch die Geschichte des anderen Hauses, das im Vorjahr abgebaut wurde. „Immerhin haben sich auf den SZ-Artikel dazu sechs Interessenten gemeldet“, erinnert sich der Denkmalexperte.

Ein Schnäppchen ist so ein altes Haus nicht. Die Materialkosten für die Bauteile liegen zwar bei unter 10 000 Euro, schätzt Matthes. Genau könne er das nicht sagen, das müsse individuell zusammengerechnet werden, je nachdem, was sich noch verwenden lässt. Eine alte Blockstube, die man demontiert, hätte beispielsweise noch einen Wert von 3 000 Euro. Allerdings müssen Ab- und Aufbau von Fachleuten ausgeführt werden. Das kostet zusätzlich. Hinzu kommt der Innenausbau. Das käme dann einem Neubau gleich, sagt Matthes. „Das sind Liebhaberstücke. Man muss den richtigen Interessenten finden, der das auf sich nehmen will, um so ein Haus zu erhalten. Viele sehen den historischen Wert der Häuser und wollen gern eines wieder herrichten.“ Ein Problem sei allerdings für die meisten, das zu finanzieren.

Alternativ sammelt die Stiftung Einzelteile von Umgebindehäusern in der Bauteilebörse. Diese können Bauherren, die ein Haus an Ort und Stelle sanieren, für einen Obolus erwerben. Gefragt sind vor allem alte Fenster, sagt Matthes. Unter anderem sind auch noch zwei Blockstuben zu haben. Sie wurden von einem Haus in Neugersdorf geborgen. Findet sich kein Käufer, soll die Hauptstraße 149  ebenfalls in Einzelteilen in der Börse landen, eventuell wird die Stadt das Haus schon dieses Jahr abbauen. Am liebsten wäre Arnd Matthes allerdings, es fände sich ein Bauherr, der es komplett nimmt. „Ich gebe die Hoffnung noch nicht auf.“ Der neue Besitzer bekäme allerhand interessante Details, die massiven Granitplatten im Hausflur des Erdgeschosses gehören zum Beispiel zum Gesamtpaket. „Das ist ein echter Leckerbissen“, sagt Matthes.

Ein anderer historischer Leckerbissen steht auf der anderen Straßenseite: eines der ältesten Häuser Ebersbachs, wie Matthes vermutet. Das große Umgebindehaus ist in traurigem Zustand. Dabei ist es eine echte Rarität, wie der Denkmalschützer sagt. „Es hat eine frei stehende Umgebindekonstruktion. Die Blockstube ist separat dahinter gesetzt.“ Auf der Rückseite, vom Hang hinter dem Haus, kann man diese Besonderheit gut sehen. Aber auch hier trägt die Lage nicht dazu bei, dass Interessenten Schlange stehen. Arnd Matthes klettert den Hang wieder hinunter. Diesen Leckerbissen an den Mann zu bringen, wird vielleicht eines seiner nächsten Projekte. Aber erst einmal ist die Hauptstraße 149 dran.

Die Bauteilebörse kann besichtigt werden zu den Geschäftszeiten der Stiftung Umgebindehaus: Montag, Dienstag, Donnerstag, von 9 bis 16 Uhr, oder nach Vereinbarung; Kontakt über die Stiftung: 03586 3695815