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Likolit zum Ersten, zum Zweiten, zum Dritten

Die ehemalige Fabrik und die Nebengebäude wurden versteigert. Damit wachsen die Sorgen der Kohlmühler Einwohner.

© Dirk Zschiedrich

Von Anja Weber

Kohlmühle. Das haben auch Auktionatoren nicht jeden Tag unter dem Hammer: ein fast 50 000 Quadratmeter großes Gelände, bestehend aus sieben Flurstücken und insgesamt fünf Einzelgebäuden, darunter eine riesige Industriebrache.

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Deshalb war die Spannung am Dienstag im Dorint-Hotel in Dresden auch groß. Das ehemalige Linoleum-Werk in Kohlmühle wurde versteigert. Die bisherigen Eigentümer wollten es so. Und als hätte es Hohnsteins Bürgermeister Daniel Brade (SPD) am Mittwoch zur Ratssitzung schon geahnt: Für den geforderten Schnäppchenpreis könnten sich Interessenten finden. Immerhin lag das Mindestgebot nur bei 10 000 Euro – die jährlichen Mieteinnahmen bringen 13 798 Euro. Ein verlockendes Angebot. Und dafür habe es sehr viele Interessenten gegeben, informiert die Sächsische Grundstücksauktionen AG auf Nachfrage der SZ. Aufgrund der vielen Bieter schnellte der Verkaufspreis dann auch bis auf 37 000 Euro in die Höhe.

Erwartungsgemäß gibt es noch keine Aussagen zur Person des Käufers. Zuerst müsse der Notarvertrag unterschrieben werden. Es wurde nur soviel bekannt: Das Objekt wurde im Saal versteigert. Bürgermeister Daniel Brade war selbst bei der Versteigerung anwesend. „Wir haben als Stadt vor der Auktion Hinweise zur unklaren Umwelt- und Gefahrensituation gegeben. Diese wurden auch vor der Versteigerung noch verlesen“, sagt er. Dennoch gab es viele Bieter, was ihn auch selbst etwas verwundert hatte.

Sorgen der Kohlmühler bleiben

Auch Kohlmühler haben vermutet, dass das Objekt tatsächlich verkauft wird. Das wollten sie eigentlich verhindern. Vor allem, weil sie befürchten, dass auch die neuen Eigentümer die Altlasten nicht entsorgen und die Gebäude weiter verfallen lassen. Die Sorgen sind ihnen nicht genommen. Ihr Wunsch wäre es gewesen, dass die Stadt mitbietet und letztlich das Objekt erwirbt, um künftig die Fäden in der Hand zu halten.

Der Stadtrat lehnte das ab, weil das finanzielle Risiko, speziell auch wegen der Altlastenentsorgung und des Rückbaus, zu hoch schien. Die Einwohner von Kohlmühle warten nun mit Interesse darauf, was der Käufer mit dem Gelände und den Immobilien vorhat. „Wir hoffen ja, dass das nicht zu rein spekulativen Zwecken erworben wurde, und dass die Stadt Hohnstein mit dem neuen Eigentümer ins Gespräch kommt“, sagt Petra Kaden von der IG Kohlmühle, die sich gemeinsam mit Christiane König in den letzten Tagen unter anderem dafür eingesetzt hatte, die Versteigerung abzuwenden. Beide hoffen nun, dass sich der neue Eigentümer der Verantwortung für Umwelt, Mensch und Tiere bewusst ist und entsprechend handelt.

„Natürlich wäre es besser gewesen, wenn es zu keinem Eigentümerwechsel gekommen wäre. So hätte die Stadt Hohnstein noch Zeit gehabt, sich zu informieren und andere Schritte zu gehen“, sagt Petra Kaden. Sobald der Notarvertrag unterzeichnet ist, weiß auch der Bürgermeister, wer die neuen Eigentümer sind. Er werde vonseiten der Stadt an sie herantreten und hoffe, dass auch sie gesprächsbereit sind.

Fördermittel zur Altlastensanierung

Denn bereits in der letzten Ratssitzung hatte er darauf hingewiesen, dass die Stadt zu einer Zusammenarbeit bereit ist. So könnte die Stadt zum Beispiel Fördermittel für Bodengutachten und Ähnliches beantragen und sie dann an den Eigentümer weiterreichen. Das hatte die Stadt bereits mit der alten Dampfbäckerei in Hohnstein so praktiziert. Auch die Stadträte hatten sich in ihrer jüngsten Sitzung in der Diskussion um Likolit dazu bekannt, das Problem Kohlmühle nicht aus den Augen zu verlieren. „Wir müssen als Stadtrat das Projekt dringend weiterbegleiten“, sagt Stefan Thunig (CDU). Dazu gehört sicherlich auch eine Beratung über mögliche Fördermittel zur Altlastensanierung oder zum Rückbau, wenn vom Eigentümer gewünscht.

Doch dazu muss dieser eben erst einmal Gesprächsbereitschaft zeigen. „Für uns bleibt es damit weiter spannend“, sagt Bürgermeister Daniel Brade.