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Lindas Umfeld macht sich Vorwürfe

Nach dem Urteil gegen die 17-jährige IS-Anhängerin aus Pulsnitz leiden auch ihre ehemaligen Mitschüler. Die Stadtverwaltung unterstützt sie, sagt die Bürgermeisterin.

© ndr/ARD

Pulsnitz/Bagdad. Freunde der früheren IS-Anhängerin Linda W. aus Pulsnitz macht das Schicksal ihrer einstigen Mitschülerin betroffen.

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„Sie leiden darunter, weil sie nicht verhindern konnten, dass Linda weggegangen ist. Weil sie nicht gemerkt haben, was sich da tatsächlich anbahnt“, sagte die Pulsnitzer Bürgermeisterin Barbara Lüke (parteilos) am Montag. Es sei wichtig, diesen Menschen einen Rückhalt zu geben. Allerdings habe so etwas nicht in der Öffentlichkeit zu geschehen: „Die Stadt ist aktiv geworden. Darüber möchte ich mich aber nicht äußern.“

Am Sonntag war bekanntgeworden, dass die heute 17 Jahre alte Linda wegen Mitgliedschaft in der Terrormiliz IS und illegalen Grenzübertritts im Irak für sechs Jahre ins Gefängnis muss. Lüke geht davon aus, dass deshalb die bohrenden Fragen im Freundeskreis von Linda wieder hochkommen: „Sie war eine ganz normale Schülerin mit einem ganz normalen Umfeld. Linda war in ihrer Klasse auch nicht isoliert.“ Deshalb sei es verständlich, dass sich Menschen die Frage stellten, warum sie das alles nicht verhindern konnten.

Das Strafmaß wollte Lüke in Unkenntnis der Rechtslage im Irak nicht bewerten: „Wir wissen alle nicht, was genau Linda getan hat.“ Mit Blick auf die gegen sie gerichteten Vorwürfe sei die Strafe aber wohl zu erwarten gewesen. Ein solches Strafmaß hätte es vermutlich auch bei einer Verurteilung in Deutschland gegeben. „Ich wünsche der Familie von Linda, dass sie nun zur Ruhe kommt“, sagte die Bürgermeisterin. Die Klarheit über das Strafmaß könne dazu beitragen. Lüke zufolge wird die Familie von Fachleuten betreut.

Nach den Worten der Bürgermeisterin hat das starke mediale Interesse an dem Fall die Stadt Pulsnitz vor eine Belastungsprobe gestellt. Die Bevölkerung habe angesichts der Medienpräsenz zunehmend genervt auf das Thema reagiert: „Man wusste wenig, aber jeder hatte eine Meinung. Da wurde von verschiedenen Seiten auch Stimmungsmache betrieben.“ Allerdings sieht Lüke inzwischen auch mehr Sensibilität für diese Thematik. An der Oberschule in Pulnitz gebe es mittlerweile einen Schulsozialarbeiter: „Hier haben wir Hilfe erfahren.“

Linda W. war im Sommer 2016 aus Pulsnitz verschwunden, kurz nachdem sie zum Islam konvertiert war. Sie soll über Internetchats mit IS-Anhängern in Kontakt gestanden und sich radikalisiert haben. Im Sommer 2017 wurde sie im Irak festgenommen und inhaftiert.

Lüke sprach sich erneut für eine zentrale Notrufnummer aus, die im Krisenfall Hilfesuchende schnell an zuständige Stellen in den Regionen weiterleitet und so rasch und unkompliziert Angebote vermittelt – beispielsweise wenn Menschen in obskure Milieus abdriften oder sich wie im Fall Linda radikalisieren: „Das ist ein politisches Thema, was mich als Bürgermeisterin umtreibt.“ (dpa)