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Linde Nummer 3 soll standhalten

Den ersten, uralten Baum hat ein Unwetter zu Fall gebracht, den zweiten könnten die Landwirte auf dem Gewissen haben. Doch die Naturschützer geben nicht auf.

© Dietmar Thomas

Von Heike Heisig

Leisnig/Klosterbuch. Sonnig, aber frisch war es am Sonnabendvormittag auf der Höhe zwischen Klosterbuch und Eichardt. Dorthin hatten sich fast ein Dutzend Mitglieder der Naturschutzbund-Regionalgruppe Lößhügelland aufgemacht. Die meisten holperten mit einem Auto über den Feldweg dorthin. Der eine hatte technische Hilfsmittel und den jungen Baum dabei, der nächste Draht zum Schutz vor Wildverbiss. Wieder andere brachten säckeweise Erde und Wasser zum Angießen mit. Bis alles, was übrig war, wieder in den Kofferräumen verschwinden konnte, dauerte es mindestens eine Stunde. So schnell ist ein Baum also fachmännisch nicht in die Erde gebracht, könnte das Fazit derjenigen lauten, die einfach nur mal sehen wollten, wie der neue Namensgeber für genau das Flurstück 88 in Klosterbuch aussieht. Das heißt nämlich An der Linde. Doch solch ein Baum fehlte dort in den letzten Jahren.

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Die erste bekannte Linde an dieser Stelle, an der der Mönchspfad vom ehemaligen Vorwerk Tautendorf nach Altenhof den Mühlweg von Eichardt nach Klosterbuch querte, soll ein Sturm entwurzelt haben. Der Baum soll uralt und auch schon krank gewesen sein. Gleichwohl sollte es nach dem Willen der Nabu-Gruppe Lößhügelland eine Nachfolgerin der Mühlweg-Linde geben. Die wurde 1989 gepflanzt. Nur war deren Leben von kurzer Dauer. Was genau sie absterben ließ, darüber kann nur spekuliert werden. Die Naturschützer ziehen in Betracht, dass die Landwirte den Boden zu weit an den Baum heran beackert und so dessen Wurzeln geschädigt haben könnten. Damit das nicht wieder passiert, soll noch eine Art Schutzzone um den Wurzelbereich ausgewiesen werden.

Die Mühlweg-Linde Nummer 3 hat übrigens Familie Leonhardt aus Ostrau spendiert. Angelika Leonhardt ist Vorstandsmitglied der Regionalgruppe und wollte das Anliegen ihrer Mitstreiter unterstützen. Mehrere hunderte Euro kann die nur 24 Mitglieder zählende Nabu-Gruppe für eine einzelne Aktion kaum ausgeben. Deshalb sei die Familie eingesprungen, erklärte sie am Sonnabend.

Das Besondere an der Mühlweg-Linde

Dieser Baum auf Klosterbucher Flur ist Wege-, Höhen- und Grenzbaum in einem. Als Wegelinde steht er an einer Kreuzung. Solche Bäume sollten die Menschen früher vor der Witterung schützen. Als Höhenlinde steht er an exponierter Stelle auf einer Hochfläche. Solche Bäume waren wichtige Markierungspunkte. Damals wie heute prägen sie die Landschaft, sind Aussichtspunkte. Neben Grenzfurchen, -säulen und -steinen wurden an Gemarkungsgrenzen auch Bäume gepflanzt.

Durch die Aktion, so wünschen sich die Initiatoren der neu gepflanzten Sommerlinde am Mühlweg, soll ein heimatgeschichtlich bedeutsamer Lindenstandort erhalten werden. Zudem soll wieder eine bedeutende Höhenlinde heranwachsen, wie sie in der Nähe noch auf dem Galgen- und Geyersberg in Fischendorf oder auf dem Pfarrberg in Gleisberg zu finden sind.

Mühlweg heißt der heutige Feldweg zwischen Eichardt/Wollsdorf und Klosterbuch deswegen, weil er einmal zu einer Mühle in Klosterbuch führt. Die existierte von 1802 bis 1936. Solange war sie auch im Besitz der Familie Gerlach. Die Mühle wurde unter anderem als Öl- und Mehlmühle betrieben, aber auch für die Pappenherstellung genutzt. Bis zu 200 Leute waren dort beschäftigt.

Quelle: Recherchen von Klaus Friedrich/Hartha

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Als Nächstes beteiligen sich die Naturschützer aus dem Lößhügelland an der „Stunde der Gartenvögel“, zu der der Nabu-Deutschland aufruft. Dazu wird es am 12. Mai Angebote für Naturinteressierte in Ostrau und Hartha geben.