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Politik

FDP-Chef lässt Generalsekretärin fallen

Christian Lindner will mehr Unterstützung bei der Führung der Liberalen. Deshalb trennt er sich von Linda Teuteberg.

Linda Teuteberg und Christian Lindner - hier noch zusammen auf einem Podium.
Linda Teuteberg und Christian Lindner - hier noch zusammen auf einem Podium. © Britta Pedersen/ZB/dpa

Der Wechsel deutete sich bereits vor Sitzungsbeginn an. Als die Vorsitzende des FDP-Nachwuchses, Ria Schröder, am Montag im ARD-Morgenmagazin auf die Turbulenzen bei den Liberalen angesprochen wird, antwortet sie: „Es ist an der Zeit, jetzt wirklich den Turbo anzuschmeißen, weil wir haben in gut einem Jahr eine Bundestagswahl.“ Parteichef Christian Lindner wirft sie eine One-Man-Show vor und vermeidet ein Bekenntnis zu Generalsekretärin Linda Teuteberg.

Knapp vier Stunden später ist am Montag klar: Teuteberg gibt ihren Posten auf. FDP-Chef Lindner wählt auf einer Pressekonferenz nach der Vorstandssitzung deutliche Worte. Er dankt zwar Teuteberg und versichert, sie werde weiter „starker Teil“ des FDP-Teams sein. Aber: „In der Führung der Partei brauche ich in dieser Lage mehr Hilfe und Unterstützung.“ Für den Parteitag im September schlägt Lindner den rheinland-pfälzischen Wirtschaftsminister Volker Wissing als Nachfolger Teutebergs vor, deren Amtszeit eigentlich bis 2021 läuft. Angesichts gesunkener Umfragewerte wurde über den Schritt bereits seit mehreren Wochen spekuliert.

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Teuteberg amtiert erst seit April 2019. Vor den Landtagswahlen im Osten setzte Lindner in der von Männer dominierten Partei auf eine Frau aus Brandenburg. Teuteberg begeisterte auf einem Parteitag in Berlin und erzielte mit knapp 93 Prozent ein sensationelles Wahlergebnis. Aufgefallen war die heute 39-jährige Bundestagsabgeordnete zuvor unter anderem mit Kritik an der Flüchtlingspolitik. „Die heutige Abschiebepraxis ist lebensfremd“, sagte sie etwa 2019 der Bild-Zeitung. Allerdings pflegt Teuteberg den sachlichen Stil. Die robuste Gangart anderer Generalsekretäre scheint der fachlich versierten Juristin fremd.

Volker Wissing (FDP)
Volker Wissing (FDP) © Andreas Arnold/dpa

In Sachsen reichte der von der neuen Generalsekretärin erhoffte Schwung nicht dazu aus, um der FDP 2019 zur Landtagsrückkehr zu verhelfen. Allerdings steigerte der Landesverband das Ergebnis auf 4, 5 Prozent. Knapper und besser verlief für die Liberalen die Thüringen-Wahl. Die Partei erreichte im Herbst ein Ergebnis von 5,0 Prozent. Mit 73 Simmen kam sie haarscharf über die magische Marke. Dann allerdings brachte der FDP die Wahl ihres Fraktionschefs Thomas Kemmerich zum Ministerpräsidenten Kritik ein. Der Liberale wurde auch mit AfD-Stimmen gewählt und trat kurz darauf zurück. Lindner, der Kemmerich zunächst gratuliert hatte, sah sich zu einer internen Vertrauensabstimmung gezwungen. Das Hickhack um den Kurzzeitregierungschef wirkt bis heute nach. In bundesweiten Umfragen verharrt die FDP seit Wochen bei Werten zwischen fünf und sechs Prozent. Bei der Bundestagswahl 2017 erreichte sie mit 10,7 Prozent ein etwa doppelt so starkes Ergebnis.

Die Anhängerschaft goutiert ganz offensichtlich auch den Ausstieg Lindners aus weit gediehenen Verhandlungen zu einer Jamaika-Koalition im Bund 2017 nicht. Zudem richtet sich bei der Bewältigung der Corona-Pandemie das Interesse stärker auf die Regierung als sonst. Krisenzeiten, heißt es, sind nicht die Stunden der Opposition.

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