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Linke-Chef tritt nicht mehr an

Landeschef Rico Gebhardt stellt sich nicht mehr zur Wiederwahl. Für seine Nachfolge hat er einen Vorschlag.

© Robert Michael

Thilo Alexe

Dresden. Die sächsische Linkspartei steht vor personellen Veränderungen. Landeschef Rico Gebhardt stellt sich nicht mehr zur Wiederwahl. Zur Begründung verwies der Vorsitzende auf die Regularien der Linken, wonach bei der Besetzung von Parteiämtern nach maximal acht Jahren ein Wechsel erfolgen soll. Gebhardt wurde 2009 erstmals als Landeschef gewählt. Er will sich nun auf seine Arbeit als Fraktionsvorsitzender im Landtag konzentrieren. „Gerade angesichts der kommenden Kabinettsumbildung und der zu erwartenden Zuspitzung in der landespolitischen Auseinandersetzung in den kommenden Jahren mit Hinblick auf die anstehenden Landtagswahlen 2019 sehe ich in dieser Konzentration große Vorteile“, teilte Gebhardt am Samstag in Dresden mit.

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Der 54-Jährige ist seit über einem Jahrzehnt an der Parteispitze aktiv. Im Jahr 2000 wurde er Landesgeschäftsführer der heutigen Linken. Vier Jahre später zog er in den Landtag ein. Der gelernte Koch, der 1981 in die SED eingetreten war, gilt als Vermittler zwischen dem linken und dem pragmatischen Flügel seiner Partei. Die hatte ihn 2014 als Spitzenkandidat für die Landtagswahl nominiert, allerdings aufgrund der Richtungsquerelen mit eher mäßigem Ergebnis. Gebhardt gilt als umgänglich und jemand, der auch bei internen, heftigen Debatten umsichtig agiert.

Bei einer Landesvorstandssitzung am Freitagabend schlug der scheidende Chef Antje Feiks als Nachfolgerin vor. Die Landesgeschäftsführerin der Partei ist seit Kurzem Landtagsabgeordnete. Sie rückte für einen ausgeschiedenen Parlamentarier nach. „Ich bin bereit, diese Herausforderung anzunehmen“, betonte Feiks. Als eine Aufgabe sieht sie es an, als Vorsitzende dem Stadt-Land-Gefälle entgegenzuwirken. Die Linke schneidet mittlerweile in Großstädten besser ab als in ländlichen Regionen.

Feiks gilt als Vertraute von Gebhardt. Auf dem Parteitag Anfang November erhält sie vermutlich Konkurrenz. Nach SZ-Informationen hat auch die sächsische Bundestagsabgeordnete Caren Lay Ambitionen bekundet. Lay ist gerade wieder gewählt worden. Überregionale Bekanntheit erreichte sie durch Anfragen und Forderungen zum sozialen Wohnungsbau und Mieterschutz. Lay ist stellvertretende Vorsitzende der Bundespartei.

Sachsens Linke ist auf Landesebene zweitstärkste Kraft. Bei der Bundestagswahl 2014 erreichte die Partei fast 19 Prozent der Zweitstimmen. Bei der jüngsten Bundestagswahl verlor sie knapp vier Punkte und erreichte mit 16,1 Prozent der Zweitstimmen Rang drei hinter AfD und CDU. Bundesweit legte die Linke dagegen zu. Allerdings sind mittlerweile knapp zwei Drittel ihrer Wähler Westdeutsche, aus dem Osten kommt nur noch ein Drittel der Stimmen. Vor Jahren war es noch etwa die Hälfte.