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LKA warnt vor K.o.-Tropfen-Anschlägen

Sie sind geruchs- und geschmacklos und gefährlich. Mit K.o.-Tropfen werden Menschen unbemerkt außer Gefecht gesetzt, bestohlen oder missbraucht. Nur wenige Fälle aber kommen ans Licht - aus Scham.

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© dpa

Dresden. Das Landeskriminalamt Sachsen (LKA) hat in der Strandparty- und Open-Air-Saison vor K.o.-Tropfen-Anschlägen gewarnt. Gerade im Sommer ließen Feiernde schnell ihr Glas unbeaufsichtigt, mahnte die Behörde zur Vorsicht. Die Opfer werden bestohlen oder missbraucht. Zwar ging die Zahl der angezeigten Fälle von 22 im Jahr 2012 auf 14 im vergangenen Jahr zurück. Die Ermittler vermuten jedoch eine weitaus größere Dunkelziffer. „Viele Opfer schämen sich oder haben falsche Schuldgefühle“, sagte eine LKA-Sprecherin.

Nach dem K.o.-Tropfen-Anschlag in der Dresdner Diskothek „Musikpark“ im Februar mit neun Verletzten wurden die oder der Täter bisher nicht gefunden - trotz Anzeigen. Auch die Aussetzung einer Belohnung führte nicht zum Erfolg, wie „Musikpark“-Sprecher Peter Dyroff erklärte. Die Gäste seien aber vorsichtiger geworden. „Es fällt auf, dass bei uns nicht mehr so viele volle Gläser unbeaufsichtigt herumstehen.“

Achtung bei „merkwürdiger Kontaktaufnahme“

Die Täter hatten damals Diphenhydramin verwendet. Es findet sich in rezeptfreien Schlafmitteln und Medikamenten gegen Übelkeit, sagte Apothekerin Julia Saar vom Arzneimittelberatungsdienst der TU Dresden. Missbräuchlich verwendet, kann es betäuben und in einen Schlafzustand versetzen. Die Wirkung wird durch Alkohol verstärkt, erklärte Saar. Bei Überdosierung drohen Bewusstseinstrübung, Verwirrtheit, Halluzinationen, Psychosen, Angstzustände oder sogar Koma.

Besucher öffentlicher Veranstaltungen und Diskotheken, aber auch von privaten Partys sollten vorsichtig sein und auch auf ihre Freunde achten, mahnte das LKA. Vorsicht geboten sei besonders bei merkwürdiger Kontaktaufnahme. Getränken sollten nie unbeaufsichtigt gelassen oder von Unbekannten angenommen werden. Beim eigenen Drink sollte auf geringste Geschmacksveränderung geachtet werden, empfahl die Behörde. Zudem solle nie auf „Ex“ getrunken werden.

Im Ernstfall rät das LKA unbedingt zur Anzeige, vor allem bei sexueller Nötigung oder Vergewaltigung. Kleidung und Gegenstände, die mit dem Täter in Berührung gekommen sind, sollten nicht vernichtet oder gewaschen werden. „Sie sind wichtige Beweismittel“, sagte ein Sprecher. (dpa)