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Lkw-Verkehr bleibt doch draußen

Lange haben die Wilsdruffer um ein Verbot gekämpft, nun ist es amtlich. Und es gibt noch eine gute Nachricht.

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© Andreas Weihs

Von Annett Heyse

Wilsdruff. Wenn es Nachrichten gibt, mit denen keiner mehr gerechnet hat, spricht man gerne von einem Paukenschlag. Einen solchen gab es am Donnerstagabend im Wilsdruffer Stadtrat. Da las Bürgermeister Ralf Rother (CDU) ein Schreiben des Staatsministeriums für Arbeit, Wirtschaft und Verkehr vor. Der Kern des Schriftsatzes: Wilsdruffs Innenstadt soll auch in Zukunft frei von Lkw-Verkehr bleiben.

Es geht dabei zunächst um die Verbindung von der Autobahnabfahrt Wilsdruff nach Tharandt über Grumbach, die direkt durchs Wilsdruffer Stadtzentrum führt – die Staatsstraße S 192. Jahrelang donnerten hier Lkws die teils schmalen Straßen entlang. Anwohner beklagten den Lärm, die Abgase, die Gefahr für Fußgänger und fürchteten wegen der Erschütterungen auch um die Bausubstanz ihrer Häuser.

Eine Bürgerinitiative Verkehr gründete sich, zählte die Fahrzeuge, machte Vorschläge und nervte die Beamten in Stadtverwaltung, Landratsamt, Straßenbauamt und Ministerium. Im Rathaus unterstützte man das Anliegen sofort, auch im Landratsamt hatte man Verständnis. Doch beide Behörden konnten über die Verkehrsregelung auf der Straße letztendlich nicht entscheiden – als Staatsstraße ist dafür das Landesamt für Straßenbau und Verkehr zuständig. Nach langer Diskussion wurde im Herbst 2013 ein Durchfahrverbot für Fahrzeuge über 3,5 Tonnen eingeführt. Nun galt für Brummis eine Umleitungsregelung über Kesselsdorf. Die sollte zunächst 18 Monate gelten und wurde deshalb als Verkehrsversuch angeordnet.

Strecke ab sofort für Lkws gesperrt

In der Folge sank die Zahl der Lkws auf dem Abschnitt um 25 Prozent, ergaben Messungen. Der Verkehrsversuch wurde verlängert. Dennoch stand das unbefristete Lkw-Verbot immer wieder zur Disposition. Noch im August 2016 hieß es aus dem Landesamt, es solle spätestens zum 31. Dezember aufgehoben werden. Die Begründung: Staatsstraßen könnten von Rechts wegen nicht für Lkws gesperrt werden, weil sie dem überörtlichen und damit auch dem Transportverkehr dienen sollen.

Nun wird es doch möglich. Offiziell ab dem 1. Januar 2018 ist für die S 192 eine sogenannte Teileinziehung erlassen. So nennen Behörden die Sperrung der Durchfahrt für bestimmte Fahrzeugklassen. Das Verbot gilt zeitlich unbegrenzt für jeglichen Lkw-Durchgangsverkehr ab 3,5 Tonnen von und nach Grumbach. Bis zum Januar 2018 gilt als Übergangsregelung weiterhin die Ausschilderung, die der Landkreis zu Beginn des Verkehrsversuchs vornahm – also die Umleitung über Kesselsdorf. Damit bleibt die Strecke nicht erst ab 2018, sondern ab sofort für alle Lkws gesperrt. Lediglich Versorgungsfahrzeuge, Linienbusse und Anliegerverkehr sind zugelassen.

Anwohner freuen sich

„Die gemeinsamen Anstrengungen von Bürgerinitiative, Stadt und Landratsamt haben endlich zum Erfolg geführt“, sagt Bürgermeister Ralf Rother (CDU). Auch Ulrich Klein, Sprecher der Bürgerinitiative, ist erleichtert. „Die Anwohner werden sich freuen, die Vernunft hat am Ende doch noch gesiegt“, sagt er.

Fragt man den Bürgermeister, wie er die übergeordneten Behörden überzeugt hat, das Lkw-Verbot dauerhaft einzuführen, erntet man ein Augenzwinkern. Fakt ist, dass auch der Beigeordnete des Landkreises, Heiko Weigel, daran eine große Aktie hatte und Überzeugungsarbeit im Ministerium leistete. Das Hauptargument lag auf der Hand – eine gut funktionierende Umleitungsstrecke auf Staats- und Bundesstraßen über Kesselsdorf. Genau das meinte Bürgerinitiativen-Sprecher Klein auch, als er vom Sieg der Vernunft sprach.

Und es gibt noch eine gute Nachricht: Das Land Sachsen plant weiterhin, den noch unsanierten Straßenabschnitt der S 192 von Wilsdruff nach Grumbach grundhaft auszubauen. Es geht um eine neue Fahrbahn, eine Entwässerung, einen Fuß- und Radweg, Busbuchten und Beleuchtung. Die Baukosten werden auf fünf Millionen Euro veranschlagt. Alle Pläne sind fertig und liegen dem Vernehmen nach bereits in der Landesdirektion. Die kann demnach in Kürze das Planfeststellungsverfahren eröffnen. Läuft es optimal, könnte das Verfahren in etwa einem Jahr zum Erfolg führen und 2018 Baurecht bestehen. Dann wäre es nur noch eine Frage des Geldes, dass die Straße nicht nur Lkw-frei, sondern auch runderneuert ist.