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„Lkw-Verkehr geht langsam auf die Psyche“

Hirschfeldes Ortsbürgermeister Bernd Müller erklärt, welche Schäden bereits durch die vielen Laster entstanden sind.

© Matthias Weber

Von Jan Lange

In Ostritz soll an der B 99 demnächst eine Ampelanlage errichtet werden – eine erste Maßnahme gegen den deutlich gestiegenen Lkw-Verkehr. Auch in Hirschfelde hoffen die Anwohner der Bundesstraße seit Monaten auf eine Verringerung der Verkehrsbelastung. Die SZ sprach darüber mit Hirschfeldes Ortsbürgermeister Bernd Müller (FUW).

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Bernd Müller kämpft seit Monaten gegen den stark zugenommenen Lkw-Verkehr an.
Bernd Müller kämpft seit Monaten gegen den stark zugenommenen Lkw-Verkehr an. © SZ-Archiv

Herr Müller, bei einem Vor-Ort-Termin mit Vertretern des Landesamtes für Straßenbau und Verkehr wurde erklärt, dass es in Hirschfelde keiner zusätzlichen Maßnahmen bedarf, da es keine vergleichbare Engstellensituation wie in Ostritz gebe. Sind Sie enttäuscht?

Zufriedengeben kann man sich damit nicht. Die Hirschfelder leiden genauso unter der stark gestiegenen Verkehrsbelastung. Die Behörden dürfen sich nicht dahinter verstecken, dass es sich um eine Bundesstraße handelt und die Verkehrsdichte auf solchen Straßen größer ist. Dem kann ich nur entgegnen, dass es zu der Zeit, als die Häuser gebaut wurden, noch keine Bundesstraße war. Wenn die Straße 50 Jahre später höher eingestuft wird, kann man die Anwohner heute nicht dafür schuldig machen, dass sie an einer stark befahrenen Straße wohnen. Ich bin der Meinung, dass auch die Anlieger der B 99 ein Recht auf einen ordentlichen Lebensstandard haben.

Sie wohnen ja selbst an der B 99. Wie erleben Sie den stark zugenommenen Lkw-Verkehr?

Wenn man nachts gerade eingeschlafen ist, rasen wieder zwei Laster vorbei. Da sitzt man jedes Mal im Bett. Die Verkehrsbelastung geht einem langsam auf die Psyche. Dabei steht unser Haus einige Meter von der Bundesstraße entfernt. Ich kann mir gut vorstellen, wie sehr die Anwohner leiden, deren Häuser direkt an der Straße liegen. Meine Frau sagt immer zu mir, dass ich mich nicht so aufregen soll.

Welche Schäden treten durch den enorm zugenommenen Lkw-Verkehr bereits auf?

An vielen Stellen gibt es schon Schäden an der Bundesstraße. In Höhe des Faustballplatzes und bei der Arztpraxis Dr. Brückner sind schon Stücke herausgebrochen. Ich mache jede Woche Aufnahmen von der B 99, wie sich deren Zustand durch den massiven Lkw-Verkehr verändert. In der Kurve am Markt fahren die Lkws, wenn Schnee liegt, übers Grün. Die Straßenborde sind bereits heruntergefahren. Wir werden jetzt auch Risse auflisten, die an den Häusern entstanden sind.

In Ostritz wird demnächst eine Ampelanlage errichtet. Wäre das auch eine Lösung für Hirschfelde?

Das löst die Probleme nicht. Weder wird der Verkehr geringer noch die Straße besser. Und wenn ich an die Ampel an der Zittauer Straße denke, gibt es einige Lkws, die bei Rot drüberfahren.

Von den Hirschfeldern wird immer wieder eine Begrenzung der Geschwindigkeit ins Spiel gebracht – so wie die Tempo-30-Zone in Ostritz. Allerdings halten sich dort ja viele Lkws nicht an die Tempobegrenzung. Wäre eine Geschwindigkeitsbegrenzung also wirklich eine Alternative zu einer Ampelanlage?

Nein, wie schon gesagt, das Problem wird auch dadurch nicht gelöst. Es braucht eine Umleitung. Es bringt aber nichts, die Laster über benachbarte Orte umzuleiten. Die Probleme werden dann nur dorthin verlagert. Die Verantwortlichen müssen schauen, ob die Laster nicht schon auf polnischer Seite umgeleitet werden können.

Dann müsste aber die polnische Seite daran interessiert sein. Danach sieht es aber nicht aus. Wie kann man kurzfristig reagieren? Beispielsweise durch mehr Geschwindigkeitskontrollen?

Wenn sich nichts anderes kurzfristig umsetzen lässt, muss man zumindest diese Maßnahmen ergreifen. Es bringt aber nichts, sich zu Zeiten hinzustellen, wenn nicht so viele Laster vorbeifahren. Nachts, wenn die Anwohner am meisten belastet sind, steht keiner hier. Und ehrlich gesagt, das Rasen wird dadurch nicht aufgehalten. Die Fahrer verständigen sich schnell über die Kontrollen und 50 Meter nach der Blitzerstelle rasen sie weiter. Es wäre besser gewesen, wenn die verantwortlichen Leute schon vorher über eine Lösung verhandeln, und nicht, wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist.

Die Arbeiten auf polnischer Seite, durch die sich der Lkw-Verkehr auf die B 99 verlagert hat, sollen ja im Frühjahr abgeschlossen sein.

Nach meinen gegenwärtigen Informationen soll die Straße bis Turow bis Ende 2016 gebaut werden.