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Lobrede auf den Langzeit-Bürgermeister

Im Gemeinderat wird Lothar Herklotz für 40 Dienstjahre gewürdigt. Auch ein heikles Thema kommt zur Sprache – aber nur indirekt.

© Eric Weser

Von Eric Weser

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Röderaue. nen um Worte verlegenen Bürgermeister der Röderaue erlebt man selten. Am Donnerstagabend, im Kaminzimmer des Frauenhainer Auencafés, war es bei der ersten Gemeinderatssitzung des Jahres um die Beredsamkeit von Lothar Herklotz (CDU) aber tatsächlich für einen Moment geschehen. „Jetzt habt ihr mich auf dem falschen Fuß erwischt“, sagte der 65-Jährige schließlich sichtlich gerührt, ehe er sich bedankte.

Dass es Herklotz kurz die Sprache verschlagen hatte, lag an CDU-Fraktionär und Vize-Bürgermeister Heiko Königsdörfer, der zuvor eine zehnminütige Laudatio auf Lothar Herklotz gehalten hatte. Der Anlass: das 40. Dienstjubiläum des Gemeindeoberhaupts am 1. Januar.

Seit 1978 ist Lothar Herklotz durchgehend Gemeindechef. Sein Amtsantritt fällt in das Jahr, in dem mit Sigmund Jähn der erste Deutsche ins All geflogen war und in dem der Pole Karol Wojtyla Papst Johannes Paul II. wurde.


Die 40 Jahre nicht nur eine runde Zahl, sondern auch ein Rekord: Lothar Herklotz ist Sachsen dienstältester Bürgermeister. Als solcher hat Herklotz nach Ansicht seines Stellvertreters eine höchst respektable Bilanz vorzuweisen. „Sie ist ein Ergebnis unermüdlichen, unbeirrbaren und vollkommen uneitlen Fleißes“, so Heiko Königsdörfer. Herklotz’ Ära sei geprägt vom Bauen. Kita Frauenhain, Gasthof, Feuerwehrhaus. „Nicht einige Straßen wurden saniert, sondern alle.“

Wer wollte, konnte in der Lobrede zumindest zwischen den Zeilen auch eine Stellungnahme zum Disziplinarverfahren heraushören, das der Landkreis kürzlich mit einer Strafe gegen Lothar Herklotz zum Abschluss gebracht hatte (SZ berichtete). Zur Erinnerung: Die Rechtsaufsicht beim Kreis sieht es als erwiesen an, dass Lothar Herklotz in den Jahren 2015 und 2016 den Gemeinderat bei Entscheidungen über Geldflüsse an eine Gemeindetochter nicht ordnungsgemäß einbezogen hatte.

Heiko Königsdörfer sagte in seiner Laudatio, Lothar Herklotz habe sich „nie von Regeln versklaven lassen, sondern sie zum Besten der Kommune ausgereizt“. „Es sollte bei niemandem der Gedanke aufkommen, du würdest einsame Entscheidungen treffen“, so Königsdörfer. Herklotz habe seine Möglichkeiten im Amt ausgelotet, aber auch dessen Grenzen respektiert. Den Gemeinderat habe der Bürgermeister immer „durch hervorragende Sitzungsarbeitvorbereitung umfassend und rechtzeitig informiert und zu zweckmäßigen Beschlüssen geführt.“

Etwas Wasser in den lobenden Wein kippte nach Ende der Laudatio Peter Tschäpe (Die Linke). Größtenteils könne man der Bilanz zwar zustimmen, meinte er. In der Ratsopposition wünsche man sich aber, dass der Bürgermeister „den steinigen Weg der Demokratie wieder etwas mehr ernst“ nehme. „Dass wir informiert werden, wie es deine Pflicht ist.“ Der Bürgermeister, der zwischenzeitlich seine Fassung wiedererlangt hatte, reagierte gelassen. „Auch das nehme ich gern zur Kenntnis.“