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Loch an Loch

Der Zustand der Kamenzer Straße in Straßgräbchen nervt seit Jahren die Autofahrer. Jetzt kommt Bewegung in die Sache.

© René Plaul

Von Nicole Preuß

Ein Tempo-Limit braucht auf der Kamenzer Straße zwischen Bernsdorf und Straßgräbchen niemand. Die Autofahrer fahren automatisch vorsichtig, denn auf der Strecke drängt sich Schlagloch an Schlagloch. Die Stadt Bernsdorf hat es aufgegeben, die Löcher auf diesem Abschnitt zu stopfen. „Die Straße ist so marode, das bringt nichts mehr“, sagt Bauamtsleiter Kay Kühne. Die Kamenzer Straße wird schon seit Jahren immer nur geflickt und der Erfolg ist meist nicht von langer Dauer.

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Die Stadtverwaltung plant deshalb schon seit mindestens zwei Jahren, diese Straße so schnell wie möglich zu erneuern. Die Frage der Kosten ist auch schon geklärt. Der Freistaat wird die komplette Summe übernehmen. Er hatte zuvor die Umgehungsstraße für Straßgräbchen und Bernsdorf gebaut und wollte dafür die Zuständigkeit für die Kamenzer Straße Bernsdorf übergeben. Die Stadt stimmte allerdings nur unter der Prämisse zu, dass die Straße dafür grundlegend in Ordnung gebracht wird. Die Übergabe ist schon seit einer Weile Geschichte und viele Autofahrer wurden unruhig, weil sich sichtbar nichts tat.

Wenige wussten, dass parallel dazu noch an einer weiteren Baustelle geplant wird, die eng damit zusammenhängt. Der Abwasserzweckverband (AZV) Obere Schwarze Elster muss einen großen Teil der Straßgräbchener Haushalte noch ans zentrale Abwassernetz anschließen.

Der Ort ist der Letzte im Verbandsgebiet, der das Abwasser immer noch auf die alte, eigentlich bereits verbotene Art und Weise klärt. 60 Prozent der Grundstücke an der Kamenzer Straße, der Schulstraße und dem Forstweg sind noch nicht ans Netz angeschlossen. Der Verband hat sich allerdings verpflichtet, den Anschluss bis spätestens Ende nächsten Jahres nachzuholen. Die Grundstückseigentümer wissen auch bereits, dass dann Anschlusskosten auf sie zukommen werden.

Schmutzwasser geht nach Kamenz

Der Verband wollte zunächst die fast 30 Jahre alte, marode Kläranlage in Straßgräbchen vom Netz nehmen und das Schmutzwasser in die neue Kläranlage nach Bernsdorf leiten. Das hätte die Kapazitäten dort aber völlig erschöpft. „Eine Entwicklung wäre nicht mehr möglich gewesen“, sagt Torsten Pfuhl vom Geschäftsbesorger des AZV, der Ewag Kamenz. Dazu kam der glückliche Umstand, dass zwei Straßgräbchener Unternehmer im Gewerbegebiet des Dorfes bauen wollen und die Deutsche Accumotive in Kamenz auch neue Anschlüsse braucht. Denn so könnte der AZV Fördermittel bekommen, wenn er das Schmutzwasser in die Kläranlage nach Deutschbaselitz leitet. Bis zu 85 Prozent der Kosten wären mit diesem Programm förderfähig, heißt es. Der AZV hat sich deshalb dazu entschlossen, diese Variante zu bevorzugen und vergab die Planungsleistungen dafür in dieser Woche.

Kläranlage muss erweitert werden

Das bedeutet dann, dass das Schmutzwasser an der Staatsstraße entlang bis nach Kamenz gepumpt werden muss. „Der Bau einer Pumpleitung ist wesentlich günstiger als der Bau einer Freigefälleleitung“, sagt Torsten Pfuhl von der Ewag. Die Kläranlage in Deutschbaselitz, in der bisher schon nicht nur das Schmutzwasser von Kamenz, sondern auch das Abwasser von Elstra und Nebelschütz geklärt wird, muss dafür auch erweitert werden. Die Ausmaße, die dafür nötig sind, werden die weiteren Planungen und auch die Ergebnisse der Fortschreibung des Generalentwässerungsplanes für Kamenz zeigen.

Ein kleiner positiver Nebeneffekt der neuen Variante ist aber nun, dass das Industrieabwasser von TDDK in Straßgräbchen nicht mehr täglich mit Lastern nach Kamenz gefahren werden muss. Das Klären dieses Abwassers war auch schon bisher in Bernsdorf nicht möglich, weil die Anlage dafür nicht leistungsfähig genug ist. „Die Abwasser fallen aber in sehr geringem Maß an, deshalb wären wir diesen Weg nicht nur wegen TDDK gegangen“, sagt Torsten Pfuhl Nun spielt aber alles zusammen.

Die Planungsergebnisse werden erst im Sommer vorliegen. Die Stadt Bernsdorf kann aber mit der Sanierung der Kamenzer Straße nicht mehr warten. Deshalb beginnt sie am Montag schon einmal mit dem Abschnitt 200 Meter nach der B 97 in Bernsdorf und baut bis zum Ortsteingang Straßgräbchen. Der AZV wird ein Pumpwerk am Dorfrand bauen, damit dann auch in Straßgräbchen weitergebaut werden kann. Die Stadt geht davon aus, dass es 2018 so weit ist. „Das geht gar nicht mehr anders“, sagt Kay Kühne vom Bauamt. Die Bauabschnitte sind allerdings noch nicht bekannt. „Jetzt liegt die Planung beim AZV.“