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Löbau sucht den Super-Koordinator

Eine Initiativgruppe hat erarbeitet, wie die Stadt besser vermarktet werden könnte. Ein Citymanager wird nicht gesucht – aber trotzdem gebraucht.

© Rafael Sampedro

Von Gabriel Wandt

Löbau. Der erste Schritt ist getan: Engagierte Löbauer haben in den vergangenen Wochen ein erstes Konzept zusammengestellt, mit dem die Stadt sowohl nach außen als auch nach innen besser vermarktet werden könnte. Diskutiert wird dieses Thema schon seit Jahren, und im OB-Wahlkampf voriges Jahr erhielt die Debatte um einen Citymanager neue Nahrung.

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Jetzt ist die Gruppe aus rund einem Dutzend Löbauer an die Öffentlichkeit getreten. Sie präsentiert ein Konzept, das Vorstellungen liefert, was ein Citymanager für Löbau leisten müsste – und das gleichzeitig zeigt, dass eine Person damit hoffnungslos überfordert wäre.

Daher taucht der Begriff in dem Drei-Seiten-Konzept auch gar nicht mehr auf. Stattdessen ist von einem Dispatcher die Rede, also von jemandem, bei dem die Fäden zusammenlaufen, der steuern, koordinieren und verschiedene Dinge in eine gemeinsame Richtung lenken kann. „Aufgabe des Dispatchers ist die Belebung Löbaus“, steht als erster Satz in dem Konzept. Daran haben Händler wie Heiko Neumann und Jens Hübner, Kreative wie Alexander Pai, Matthias Bogner und Christian Kühne, interessierte Löbauer wie René Seidel, Felix Juhl und Marcel Schröder gearbeitet. Auch Haus-Schminke-Leiterin Claudia Muntschick gehört zum Team, Bernd Stracke als Moderator führte die Ideen zusammen.

Die sagen auf den Punkt gebracht folgendes aus: Der Dispatcher soll ein Ziel fürs Entwickeln der Löbauer Innenstadt aufstellen, Ansprechpartner für Politik, Verwaltung und Wirtschaft sein, mit der Stadt Öffentlichkeitsarbeit betreiben, Netzwerke in der Stadt und außerhalb knüpfen und am Leben halten. Er soll die Gewerbetreibenden bei Projekten und Veranstaltungen unterstützen, sie weiterbilden und für Aktivitäten mobilisieren. Er soll Löbaus Bekanntheit nach außen steigern und gleichzeitig innerhalb der Stadt bekannter machen, welche Initiativen auf verschiedenen Gebieten es bereits gibt. Er soll verkaufsfördernde Aktionen durchführen und Messebesucher in die Innenstadt locken. Er soll in ständigem Kontakt mit Wirtschaftsvertretern, Verbänden und Hauseigentümern stehen, die Zusammenarbeit der Händler fördern, Löbaus Präsenz im Internet verbessern …

Vor den Löbauer Stadträten erläuterte Wirtschaftsingenieur Marcel Schröder, warum dieses Konzept entstanden ist: Löbau habe zwar eine gut sanierte Innenstadt, sei geschichtsträchtig und habe in der Oberlausitz eine zentrale Lage. Doch die Stadt verfüge nur über eine schlechte Außendarstellung, ihr fehle das Verflechten von Kultur und Einzelhandel, es fehle geeignete Gastronomie in der Innenstadt, Einzelhändler begriffen sich noch zu selten als Dienstleister. „Löbau lädt nicht zum Bummeln ein“, so Schröder. „Junge Leute finden die bestehenden Läden nicht attraktiv.“ So entstehe eine Abwärtsspirale, durch die den Händlern Kunden verloren gehen und in der es schwer sei, zum Renteneintritt Nachfolger für die eigenen Läden zu finden.

Mit einer Person, die als Koordinator auftritt, will die Gruppe nun versuchen, hier Verbesserung zu schaffen. Allen Beteiligten ist klar, dass dies einen langen Atem braucht. Hier wird mehrjährige Arbeit nötig sein, bis echte Erfolge sichtbar sind, erwartet Werbegrafiker Alexander Pai. Trotzdem soll das Projekt vorangebracht werden. Zwei große Hürden sind jetzt zu nehmen: Für den Dispatcher muss über einen längeren Zeitraum eine Stelle finanziert werden. Bürgerlistenstadtrat Heiko Neumann ist optimistisch, dafür Fördermittel organisieren zu können. Außerdem muss jemand gefunden werden, der diese Aufgabe übernimmt und der von möglichst vielen Akteuren in der Stadt akzeptiert wird.