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Löbau-Zittau hat eigene Kinderbibel

500 Kinder der Region haben Bilder gemalt und Texte erzählt. Das Ergebnis gibt’s jetzt als Buch.

© Rafael Sampedro

Von Gabriel Wandt

Löbau-Zittau. 90 Bilder im Großformat, dazu 90 Geschichten: Hunderte Kinder aus Löbau-Zittau haben in den vergangenen Monaten an einer ganz eigenen Kinderbibel gearbeitet. Gemeindepädagogen von Oybin bis Löbau haben an dem Projekt mitgearbeitet, und jetzt sind die Bibeln an Kirchgemeinden der Region geliefert worden, können dort benutzt oder für Zuhause gekauft werden.

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Tobias Richter freut sich, dass aus der Anfangsidee ein ansprechendes Buch geworden ist. Richter ist Bezirkskatechet im Kirchenbezirk Löbau-Zittau und hatte für dieses Projekt den Hut auf. Die Ziele waren ehrgeizig: Die Christenlehrekinder der Region sollten Bilder zu biblischen Geschichten malen, und die Gemeindepädagogen wollten die dazugehörigen Bibeltexte ebenfalls von den Kindern aufnehmen und neben den Bildern in das Buch bringen. So ist in doppeltem Sinn eine Besonderheit entstanden. Die Zahl der Bilder lehnt sich an das Große Zittauer Fastentuch an, auf dem 90 Bilder zu sehen sind. Ein Teil der Zeichnungen in der Kinderbibel stammt aus einem Fastentuchprojekt, das in Friedersdorf stattgefunden hat, und die Neu-Erzählung der Bibeltexte hat es so auch noch nicht gegeben. Das Buch sollte eben als ganzes ein Produkt sein, das maßgeblich von Kinderhand gemacht wurde. Natürlich haben Profis darauf geachtet, dass die Botschaften der Texte auch so verständlich sind, wie sie es sein sollten. Und die Auswahl der Bilder ist so erfolgt, dass Außenstehende die Zeichnungen oder Collagen auf den ersten Blick verstehen können.

Die Auswahl dabei war gar nicht so leicht: Da weit mehr als 500 Kinder zwischen sieben und elf Jahren an dem Projekt beteiligt waren, sind auch fast ebenso viele Kunstwerke entstanden, erzählt Tobias Richter. Dabei zeigte sich, dass manche Themen sich gar nicht so einfach bildlich umsetzen lassen. Die Frage der Identität nennt er als Beispiel. Die haben Fünft- und Sechstklässler aus Mittelherwigsdorf schließlich verdeutlicht, indem sie ein buntes Bild mit ihren Fingerabdrücken gestaltet haben. Auch die Auswahl der Texte ist besonders: So ist es relativ selten, dass Psalmen in Kinderbibeln berücksichtigt werden. Die alten Gesänge mit ihren eindrücklichen Glaubensbotschaften waren dem Kinderbibelteam aber wichtig. Zudem würde ihre Lyrik derzeit wiederentdeckt, sagt Tobias Richter. Also sind sie ebenso in das Buch aufgenommen worden wie Passagen aus den Briefen des Apostels Paulus oder das selbst für Erwachsene schwierige Wort „Alles hat seine Zeit.“ Das haben Wittgendorfer Kinder als Lebens-Puzzle gestaltet.

Entstanden ist diese Oberlausitzer Kinderbibel mit Blick auf 500 Jahre Reformation, die nächstes Jahr gefeiert werden. Die Idee dazu kam im November 2014 auf, erzählt Tobias Richter. Vor ziemlich genau einem Jahr haben sich die hiesigen Gemeindepädagogen dann von einer Kunstlehrerin beraten lassen, wie ein solches Vorhaben anzugehen wäre. Zwischen März und Mai 2015 sind dann die vielen Bilder entstanden. Danach stand die Zeit der Auswahl und des Bearbeitens der Texte. Vor Weihnachten war das Buch dann fertig, inzwischen ist es in einer Auflage von 1400 Stück gedruckt und an Gemeinden und evangelische Schulen ausgeliefert. Dort wird es in den Klassen oder in den Christenlehregruppen genutzt. Interessierte können es in den Pfarrämtern auch gegen eine Schutzgebühr von 7 Euro mit nach Hause nehmen.

Dank Sponsoren und vielfacher Unterstützung sei es gelungen, den Preis für das 190-Seiten-Buch niedrig zu halten, so Richter.