merken
PLUS Löbau

Die Probleme sind inzwischen die gleichen

Der neue Blick auf den Osten: Wolfgang Zürn kam aus dem Westen und erzählt, wie sich die Region Löbau-Zittau in 30 Jahren Einheit entwickelt hat.

Wolfgang Zürn hat vor 30 Jahren das erste Mal Neugersdorf besucht. Heute ist er hier zu Hause.
Wolfgang Zürn hat vor 30 Jahren das erste Mal Neugersdorf besucht. Heute ist er hier zu Hause. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Wolfgang Zürn ist schon genauso lange in der Oberlausitz, wie die deutsche  Wiedervereinigung alt ist. Im August 1990 besuchte der gebürtige Tübinger seine neue Heimat zum ersten Mal. Seit Februar 1991 ist er Vorstand der heutigen Volksbank Löbau-Zittau. 

Dass er so lange bleiben würde, war eigentlich gar nicht geplant. Sein Arbeitgeber startete damals einen Aufruf, wer in den Osten gehen wolle, um den Aufbau der Volksbank zu unterstützen, erzählt Zürn. Er war damals 28 Jahre jung und Kundenberater bei einer Volks- und Raiffeisenbank in Baden-Württemberg. Er meldete sich freiwillig. Für sechs Wochen war der Einsatz geplant. Daraus sind inzwischen 30 Jahre geworden. Warum? "Weil es ein gutes Miteinander war mit den Kollegen hier." Alle seien hoch motiviert gewesen und leicht zu begeistern. "Die Möglichkeiten, hier was zu gestalten, waren fantastisch." Das habe es so "im Westen" nicht gegeben. Und es habe ihn bewegt, dauerhaft zu bleiben. "Man konnte damals mit wenigen und einfachen Mitteln viel schaffen." Das faszinierte den jungen Banker. "Das ist heute so nicht mehr möglich." Es sei eine aufregende und lehrreiche Zeit gewesen, aber auch eine anstrengende. "Immerhin haben wir zum Beispiel drei verschiedene Währungen erlebt im Bankwesen." 

Klinik Bavaria Kreischa
PERSPEKTIVEN SCHAFFEN – TEAMGEIST (ER-)LEBEN
PERSPEKTIVEN SCHAFFEN – TEAMGEIST (ER-)LEBEN

Wir sind die KLINIK BAVARIA Kreischa - eine der führenden medizinischen Rehabilitationseinrichtungen in Ostdeutschland.

Und er hat erlebt, dass es nicht nur Zeiten des Aufschwungs, sondern auch des Abschwungs gab. "Da haben wir auch einige Insolvenzen begleitet." Ihm hätten die letzten 30 Jahre aber gezeigt, "dass die Oberlausitzer Mut, Fleiß und Beharrlichkeit auszeichnet." 

Die positive Aufbruchstimmung nach der Wende habe lange angehalten. "Inzwischen hat sich das aber angeglichen. Ich sehe da keinen Unterschied mehr zwischen Ost und West. Die Probleme sind die gleichen."  

Inzwischen, stellt Wolfgang Zürn fest, wachse eine Generation nach, für die das Thema Ost und West keine Rolle mehr spielt. Die Generation derer, die die Wende und den Umbruch aktiv mitgestaltet haben, verabschiede sich nun allmählich in die Rente. "Die Jungen haben die Wende nicht aktiv mit erlebt. Für sie macht das keinen Unterschied, ob man aus dem Westen oder aus dem Osten kommt. Das ist gut so." 

Weiterführende Artikel

Als Ausländer fühlte er sich nie

Als Ausländer fühlte er sich nie

Wie wird heute über Ostdeutschland und die Ossis gedacht. Cengiz Demirel ist einer, der über seine Erfahrungen erzählt.

"Man hat jetzt mehr zu verlieren"

"Man hat jetzt mehr zu verlieren"

Der neue Blick auf den Osten: Daniel Neuer kam aus dem Westen und erzählt, wie sich die Region Löbau-Zittau in 30 Jahren Einheit entwickelt hat.

Sie wollen schon früh wissen, was gerade zwischen Oppach und Ostritz, Zittauer Gebirge und A4 passiert? Dann abonnieren Sie unseren Newsletter "Löbau-Zittau kompakt".

Mehr Nachrichten aus Löbau und Umland lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Zittau und Umland lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Löbau