merken
PLUS Löbau

Atommüll in Löbau: Wie es jetzt weitergeht

Die Region gilt als geeignet für ein Endlager - wie viel ist da überhaupt schon entschieden? Und was sagt man in den Gemeinden dazu?

Wohin mit dem strahlenden Abfall aus den Atomkraftwerken? In die Oberlausitz?
Wohin mit dem strahlenden Abfall aus den Atomkraftwerken? In die Oberlausitz? ©  Sebastian Kahnert/dpa

Was es heißt, dass die Region um Löbau günstige Voraussetzungen für eine Atommüll-Endlagerstätte besitzt, fragen sich wohl viele Menschen, die nahe der Stadt am Berge wohnen. Vor wenigen Tagen nämlich hatte der Freistaat Sachsen bekannt gegeben, dass er die bisherigen Vorschläge der Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) für den Freistaat nochmals einer geologischen Prüfung unterzogen habe. Dabei seien nach Einschätzung der Experten in Sachsen einige Gebiete, die von der BGE als geologisch geeignet ausgewiesen sind, herausgefallen, bestätigt auch die Pressesprecherin des Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG), Karin Bernhardt, auf SZ-Nachfrage. Allerdings gelte für die Region um Löbau weiterhin: grünes Licht für Atommüll aus Sicht der Untergrundbeschaffenheit.

Die grün gefärbten Gebiete kommen für ein Atommüll-Endlager geologisch in Frage.
Die grün gefärbten Gebiete kommen für ein Atommüll-Endlager geologisch in Frage. © LfULG/ Screenshot: SZ

Entschieden ist aber noch nichts: Zum einen sei ja nicht nur relevant, aus welchen Gesteinsschichten der Untergrund beschaffen sei. Auch Faktoren wie Besiedlung, Landschaftsnutzung oder auch politische Gründe müssen berücksichtigt werden. Aber an der Stelle sei man noch lange nicht angekommen, betont Frau Bernhardt. Und auch die Sprecherin der Bundesgesellschaft für Endlagerung, Monika Hotopp, erklärt gegenüber der SZ. "Wir befinden uns jetzt bei Schritt zwei der ersten Phase", skizziert Frau Hotopp. Als nächstes stehen weitere sogenannte Fachkonferenzen an, bei denen das Bundesamt erstmals seine Ergebnisse öffentlich Bürgern, Vertretern der Kommunen und gesellschaftlicher Organisationen und Wissenschaftlern vorstellt. Für diese online stattfindenden Konferenzen, kann man sich anmelden. "Die Anmeldefrist für die Veranstaltung, die jetzt vom 5. bis 7. Februar stattfindet, ist aber bereits am 29. Januar abgelaufen", sagt Sprecherin Hotopp. Die nächsten finden im April und Juni statt.

Anzeige
Haben Demokraten Feindbilder?
Haben Demokraten Feindbilder?

Professor Armin Nassehi der LMU München spricht in einer kostenfreien Online Diskussion am 9. März über die offene Gesellschaft und ihre Feinde.

Dass es eine solche öffentlichen Diskussionsrunden gibt, hätte auch Roland Höhne gern gewusst. Der christdemokratische Bürgermeister der Gemeinde Rosenbach, die mitten im "grünen Bereich" für ein Endlager liegt, hatte bisher nichts davon gehört. Auch beim Sächsischen Städte- und Gemeindetag (SSG), dessen Kreissprecher Höhne ist, sei dies noch kein Thema. Und so sieht er die Sache momentan noch gelassen: "Der Prozess ist ja noch ganz am Anfang", meint Höhne. Nach und nach werden die Regionen unter verschiedenen Aspekten beleuchtet, man legt also verschiedene Filter über die Gebiete, sodass dabei noch viele rausfallen und nicht in die engere Wahl kommen werden. Bleibt eine Region dennoch im Fokus, werden Regionalkonferenzen ausgerichtet, bei denen dann die Öffentlichkeit angehört und einbezogen wird.

Ähnlich sieht man das im Löbauer Rathaus. Ein Endlager zu finden, sei ein Prozess, der sicher mehrere Jahre oder gar Jahrzehnte in Anspruch nehmen wird, sagt Pressesprecher Marcus Scholz auf Nachfrage der SZ. Auch, wenn es derzeit so aussieht, als sei in und um Löbau aus geologischer Sicht ein günstiges Gebiet für die sichere Endlagerung radioaktiver Abfälle, wolle man jetzt erst einmal die Entwicklung abwarten, so Scholz. Dennoch: Löbau wolle sich mit einer Stellungnahme einbringen. Zuvor sollte sich aber der Stadtrat damit befassen und eine solches Statement absegnen.

Auch das Bundesamt für die Sicherung der nuklearen Entsorgung (BASE) bestätigt, dass es derzeit erst einmal nur um die Geologie gehe, man sei ganz am Beginn des Prozesses. Da man aber ein sehr offenes Verfahren für die Endlagersuche gewählt habe, werde bereits jetzt die Öffentlichkeit eingebunden. Definitiv werden die Gremien vor Ort später intensiv eingebunden, wenn denn die Region für eine weitere Betrachtung infrage komme. Die Suche werde sich noch über Jahre hinziehen, 2031 soll die Endlagerstätte feststehen, 2022 wird das letzte Atomkraftwerk abgeschaltet. Und erst im nächsten Schritt werden Experten in geeigneten Regionen "übertägige Erkundungen" durchführen.

"Klar, wir haben viel Granit, es gab hier auch viele Steinbrüche früher", bestätigt der Rosenbacher Bürgermeister Roland Höhne. Dennoch sieht er genügend andere Gründe, warum das Gebiet nicht infrage käme. Er hält es da mit Landrat Bernd Lange (CDU), der vor einigen Monaten hatte durchblicken lassen, dass er es für eine enorme Belastung hielte, wenn eine Region, die gerade aus der Kohle aussteigt, dann in die Frage der Atommüllendlagerung einsteigen würde.

Mehr Nachrichten aus Löbau und Umland lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Zittau und Umland lesen Sie hier.

Sie wollen die wichtigsten Nachrichten aus Löbau und/oder Zittau direkt aufs Smartphone gesendet bekommen? Dann melden Sie sich für Push-Nachrichten an.

Weiterführende Artikel

Atom-Endlager: In der Lausitz bietet sich nur ein Gebiet an

Atom-Endlager: In der Lausitz bietet sich nur ein Gebiet an

Der frühere Zittauer Hochschullehrer Bernd Delakowitz über die Chancen für ein solches Lager in Ostsachsen.

Endlager für Atommüll: Auch Gebiete in Sachsen geeignet

Endlager für Atommüll: Auch Gebiete in Sachsen geeignet

Welche Gebiete kommen geologisch in Frage, um radioaktiven Müll für lange Zeit sicher zu lagern? Bei der Vorauswahl ist auch der Freistaat dabei.

Sie wollen schon früh wissen, was gerade zwischen Oppach und Ostritz, Zittauer Gebirge und A4 passiert? Dann abonnieren Sie unseren Newsletter "Löbau-Zittau kompakt".

Wer uns auf Social Media folgen will:

Mehr zum Thema Löbau