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"Man kann eine Lücke wieder schließen"

Bernstadts Bürgermeister über Abrisspläne in der Görlitzer Straße, die Hoffnung auf ein Denkmalschutz-Experiment und geplante Diskussionen mit den Anwohnern.

Bernstadts Bürgermeister Markus Weise in der engen Görlitzer Straße, bei deren Entwicklung es seit Jahren hakt.
Bernstadts Bürgermeister Markus Weise in der engen Görlitzer Straße, bei deren Entwicklung es seit Jahren hakt. © Matthias Weber

Die Görlitzer Straße in Bernstadt ist ein Sorgenkind: Mit ihrer geschlossenen Bebauung drückt sie der Stadt einen Stempel auf und steht unter dem Schutz der Denkmalpfleger. Zugleich aber verfallen Häuser, weil die Bedingungen an einer vielbefahrenen Staatsstraße mit dem Anspruch an modernes Wohnen kaum zu verbinden sind. Bernstadt hat nun ein Konzept "Görlitzer Straße" beschlossen, mit dem man ganz neue Wege gehen will und sich endlich neue Impulse erhofft. Dabei geht es auch um Abriss. Was dahinter steckt, erklärt Bürgermeister Markus Weise (Kemnitzer Liste):

Herr Weise, wie würden Sie die Görlitzer Straße derzeit beschreiben?

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Markus Weise: Der Zustand der Straße ist für mich bedrückend und nicht zufriedenstellend. Dazu trägt die meist graue Farbe der Fassaden und die Enge der Straße bei. Wenn Häuser unbewohnt sind und verfallen - und das hat zugenommen in den vergangenen Jahren - verstärkt sich dieser Eindruck noch.

Machen Sie es bitte konkret: Wie hoch ist der Leerstand?

Weise: Von den 70 Häusern im Untersuchungsgebiet - Görlitzer Straße und Ernst-Thälmann-Straße - stehen 14 leer, das sind also 20 Prozent. Geht man nach den Wohneinheiten in den Häusern, so sind 17 von 82 ungenutzt. Hinzu kommen 26 Gewerbeeinheiten, von denen 15 derzeit nicht belegt sind - knapp 58 Prozent.

Und das Konzept bringt da die Lösung? Wie geht das, wo sich doch der Denkmalschutz bislang quer gestellt hat, vor allem beim Thema Abriss?

Weise: Es ist ein Teilschritt auf dem Weg zur Lösung. Wir hatten eine Reihe von Gesprächen mit der Oberen und der Unteren Denkmalschutzbehörde sowie dem Innenministerium zur Görlitzer Straße. Dabei wurde uns vorgeschlagen, eine richtige Konzeption zu erstellen, in der wir festlegen, was wir tun wollen. Darin beschreiben wir auch zwei Häuser konkret als Versuchsfeld in der Praxis, wo wir mit neuen Methoden - beispielsweise auch mit Abriss - den Rest der Straße und das Umfeld neu beleben wollen. Die Frage ist, ob sich die Straße dann anders entwickelt als bislang. Dieses Konzept soll aber noch mit den Bürgern diskutiert werden. Es bringt ja nichts, solche Pläne gegen den Willen der Bernstädter zu verfolgen.

Apropos Abriss - Sie wollen in den intakten Straßenzug Lücken reißen? Wozu genau?

Weise: Grundsätzlich wollen wir die für Bernstadt charakteristische biedermeierlich-klassizistische Bebauung erhalten. Dazu reichen aber offensichtlich die bisherigen Maßnahmen und Möglichkeiten - wie Stadtsanierungsmittel - bei fortschreitendem Bevölkerungsrückgang nicht aus. Deshalb wollen wir bei der Görlitzer Straße 29 und Ernst-Thälmann-Straße 5 neue Wege gehen. Die Nummer 29 - gegenüber der Rosengasse - könnte zurückgebaut werden, so dass nur noch die Fassade bleibt und dahinter eine Freifläche, ein städtischer Freiraum entsteht. Auch die Wegebeziehung zur Rosengasse wäre dann günstiger. Das ist eine von mehreren Varianten bei diesem Haus. Bei der Ernst-Thälmann-Straße 5 hatte der Eigentümer selbst vorgeschlagen, das Haus abzureißen und Parkplätze anzulegen. Wir erwägen auch hier nach einem Abriss, einen Frei- und Begegnungsraum zu schaffen, aber auch Parkplätze, denn die sind Mangelware gerade im Umfeld der Görlitzer Straße.

Und Parkplätze werten dann die Straße auf?

Weise: Das ist ein Baustein und ein großes Problem für die Anwohner. Im Konzept geht es aber um mehr, beispielsweise auch um das Thema Verkehrsbelastung. Wir haben mit Blick auf die sehr enge Straße mit den schmalen Gehwegen darüber nachgedacht, ein Einbahnstraßensystem einzurichten. Es könnte über die Görlitzer und die Mary-Neumann-Straße sowie den Friedensring führen. Das würde für einige Anwohner zwar mehr Verkehr bedeuten, aber die Situation insgesamt entspannen. Auch das werden wir gemeinsam mit den Bernstädtern diskutieren, ob das eine Option wäre.

Und wenn Sie wissen, was die Bürger wollen, diskutieren Sie neu mit dem Denkmalschutz?

Weise: Das Konzept zur Görlitzer Straße ist eine Grundlage, wir wollen darauf ein Integriertes Stadtentwicklungskonzept aufbauen oder aber einen Bebauungsplan über das gesamte Gebiet legen. Das gibt uns dann einen größeren Spielraum, wir haben unter anderem mehr Möglichkeiten, beim Verkauf eines Gebäudes das Vorkaufsrecht auszuüben, um Verbesserungen anzuschieben. Es muss ja auch nicht sein, dass nach einem Abriss in 100 Jahren auch noch eine Lücke ist - man kann die Lücke wieder schließen. Uns geht es darum, in der Zwischenzeit die Straße so attraktiv wie möglich zu machen und wir hoffen, dass uns der Denkmalschutz unterstützt, dieses Experiment durchzuführen. Es wäre ein Zeichen für die Bürger, dass ihre Belange gehört werden.

Wann rollen Bagger an?

Weise: Mit dem nun beschlossenen Konzept haben wir im Dezember einen Termin beim Landeskonservator, um es an oberster Stelle vorzustellen. Aber, bis wir den Zündschlüssel im Bagger rumdrehen können, braucht es noch einen Bebauungsplan oder ein Integriertes Stadtentwicklungskonzept. Mit einem Zeithorizont von drei bis fünf Jahren muss man da mindestens rechnen. Unser unmittelbares Ziel ist es nun, den Kernstadt-Bereich wieder in einem der neu aufgelegten städtebaulichen Programme unterzubringen. Ich ermutige alle Interessierten sich mit der Konzeption auseinanderzusetzen und eigene Vorschläge und Ideen an mich oder das Bauamt der Stadt Bernstadt zu richten. Die Konzeption kann auf der Internetseite der Stadt Bernstadt eingesehen werden.

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