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Nach Fall in Bernstadt: Schleuser verhaftet

Bei einer Bundespolizei-Aktion in drei Bundesländern gab's drei Festnahmen. Entscheidend war dafür auch ein Vorfall im Herbst 2020 auf dem Eigen.

Viele Flüchtlinge nutzen die Hilfe von Schleusern, um nach Deutschland zu gelangen.
Viele Flüchtlinge nutzen die Hilfe von Schleusern, um nach Deutschland zu gelangen. © Symbol-/Archivbild: Swen Pförtner/dpa

Die Sache hat Wellen in den sozialen Netzwerken gemacht: Am 24. September des vergangenen Jahres standen am Morgen plötzlich 18 ausländisch aussehende Personen auf dem Bernstädter Markt. Offenbar einfach dort abgesetzt. Wilde Gerüchte griffen damals um sich - aber mindestens einer der Beobachter griff auch zum Telefon und rief die Polizei. Das hat sich im Nachhinein als großer Glücksgriff erwiesen, denn der Aufgriff der tatsächlich eingeschleusten Syrer und Ägypter war für die Bundespolizei ein wichtiger Ausgangspunkt für eine umfassende Schleusernetz-Recherche. Und die führte jetzt zum Erfolg.

Die Ermittlungen zu den eingeschleusten Migranten im Fall von Bernstadt seien zwar noch nicht abgeschlossen und er liege deshalb noch nicht bei der Staatsanwaltschaft, erklärt der Sprecher der zuständigen Bundespolizeiinspektion in Halle, Maik Fischer, auf Nachfrage. Doch die Recherchen führten nun zu umfassenderen Aktionen, vor allem in Thüringen, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern: 120 Polizisten waren an diesem Mittwoch in Altenburg und Erfurt, in Ronnenberg bei Hannover und in Greifswald im Einsatz. Sie handelten laut Pressemitteilung im Auftrag der Staatsanwaltschaften Görlitz und Dresden, die seit September 2020 im Zusammenhang mit Bernstadt und weiteren Aufgriffen auf Autobahnen sowie seit Februar 2021 wegen Schleuser-Entdeckungen durch die Bundespolizeiinspektion Berggießhübel ermitteln.

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Über die Balkanroute gekarrt

Dabei nahmen die Beamten einen Syrer, einen Türken und einen Serben in Thüringen fest. Insgesamt stehen derzeit fünf Beschuldige im Fokus der Ermittlungen. Sie sollen in mindestens sechs Fällen 85 Ausländer eingeschleust haben, informiert die Bundespolizeiinspektion Kriminalitätsbekämpfung Halle. Dabei wurden die Flüchtlinge über die sogenannte Balkanroute auf Lkw und Kleintransportern nach Deutschland regelrecht gekarrt. Denn der Transport geschah unter lebensgefährlichen Bedingungen, schildert die Bundespolizei. Als Schleuserlohn sollen die Beschuldigten zwischen 3.500 und 12.000 Euro pro eingeschleuster Person verlangt haben. Mit dem Geld haben die Männer sich offenbar ihr Leben in Deutschland finanziert. Bei den Beschuldigten soll es sich sowohl um Organisatoren als auch Fahrer handeln.

Bei der konzertierten Aktion am Mittwoch seien verschiedene Verfahren gebündelt und in die "offene Phase" überführt worden, umschreibt Bundespolizei-Sprecher Fischer das Zusammenspiel der verschiedenen Staatsanwaltschaften und Polizeikräfte. Dabei stellten die Beamten Beweismittel sicher, die vor allem für die Kommunikation untereinander gedient haben dürften. Sie sollen helfen, weitere Erkenntnisse über die verschiedenen Fälle und das Schleusernetz zu gewinnen. In die Ermittlungen sind neben den Staatsanwaltschaften auch verschiedene Dienststellen der Bundespolizei und Europol als international tätige Strafverfolgungsbehörde eingebunden.

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