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Arabische Fabeln für Kinder in zwei Sprachen

Geflüchtete und einheimische Kinder aus Friedersdorf malen für ein bundesweit einmaliges Buchprojekt. Ein weiteres soll nun folgen.

Kinder haben die Zeichnungen für die Kurzgeschichten beigetragen - zur Freude von Heimleiter Enrico Raupach (rechts). Thomas Rublack, (links) ist Dezernent beim Kreis, der das Projekt finanziell unterstützt hat.
Kinder haben die Zeichnungen für die Kurzgeschichten beigetragen - zur Freude von Heimleiter Enrico Raupach (rechts). Thomas Rublack, (links) ist Dezernent beim Kreis, der das Projekt finanziell unterstützt hat. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Ein arabisch gekleideter Mann zwischen Sanddünen, ein Esel und die Sonne am Himmel – eine Kinderzeichnung als Bucheinband. Dazu Schriftzeichen einer fremden Sprache. Und in Deutsch darunter die Worte: "Geschichten von Juha". So heißt das Buch, das es in keinem Laden und auch nicht über das Internet zu kaufen gibt.

Die Auflage ist klein, das Werk auf 400 Stück limitiert, wie Enrico Raupach, Heimleiter der DRK-Gemeinschaftsunterkunft für Asylsuchende in Friedersdorf erzählt. Und es ist ein besonderes Buch. "In Deutschland in dieser Form sicher einmalig", sagt der Heimleiter. Die Zeichnungen zu den orientalischen Kurzgeschichten haben deutsche und Flüchtlingskinder, die Grund- und Oberschulen in Löbau und dem Umland besuchen, beigesteuert. "Ein Projekt, welches Integration fördern und Vorurteile abbauen soll", erklärt Enrico Raupach den Hintergrund.

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Mehr als 120 Kinderzeichnungen kamen zusammen, davon sind 30 für den Druck ausgewählt worden. Die 15 Geschichten stehen auf der einen Seite in Arabisch, auf der anderen die Übersetzung. Wobei das mit der Übersetzung gar nicht so einfach gewesen sei. Das hänge damit zusammen, dass die Geschichten über "Juha" eigentlich Fabeln seien, die nicht eins zu eins übersetzt werden könnten, erklärt Raupach. Die Hauptperson ist vielleicht am besten vergleichbar mit Till Eulenspiegel - eine Art "weiser Narr", der aus kniffeligen Situationen humorvoll das Beste herausholt.

"Es musste so umgeschrieben werden, dass alles verständlich bleibt", sagt Enrico Raupach. Wasseem Libzo, Tscherkesse, der seit zwei Jahren in der Gemeinschaftsunterkunft arbeitet und mehrere Sprachen spricht, hat die "Juha-Fabeln" dann ins Deutsche übertragen. Mitarbeiter des DRK halfen beim Aufschreiben "ins Reine".

Herausgeber ist der DRK-Kreisverband Löbau, gedruckt hat das Werk die Herrnhuter Winter-Druckerei. Landkreis und Freistaat unterstützten das Projekt finanziell. Zum Weltkindertag am Montag bekamen die Zeichenkinder, deren Bilder abgedruckt worden sind, ein Exemplar im Rahmen eines Festes überreicht.

Alle anderen Bücher sollen in Kindereinrichtungen verteilt werden. Das Projekt wird nicht das Einzige dieser Art bleiben. Enrico Raupach sagt, dass 2023 ein weiteres Buch entstehen soll. Dabei geht es dann um deutsche Märchen, die in eine Fremdsprache übertragen und wo erneut einheimische und Flüchtlingskinder die Zeichnungen gemeinsam beisteuern werden.

In der Unterkunft Friedersdorf, die das DRK betreibt, leben aktuell etwa 50 Menschen aus der Türkei, Syrien, Venezuela und Afghanistan. Das sind ausschließlich Familien mit ihren Kindern.

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