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Immer mehr Aktionen gegen Corona-Proteste

Dass Corona-Kritiker das Bild bestimmen, wollen immer mehr Menschen zwischen Löbau und Zittau nicht akzeptieren. Sie setzen auf andere Weise Zeichen.

Von Anja Beutler
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Menschen, die sich für Impfungen und Verantwortung füreinander statt Corona-Protest einsetzen am 3. Januar in Zittau.
Menschen, die sich für Impfungen und Verantwortung füreinander statt Corona-Protest einsetzen am 3. Januar in Zittau. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Wenn montags Hunderte Menschen in Zittau, Löbau, Ebersbach, Neugersdorf, Herrnhut oder Bernstadt gegen die Corona-Maßnahmen "spazieren gehen", sind die Scheinwerfer der Öffentlichkeit vor allem auf sie gerichtet. Schnell entsteht in sozialen Netzwerken, aber auch nach Berichten in Nachrichtensendungen der Eindruck, alle in der Region denken vor Ort so wie die "Spaziergänger". Ein Effekt, der viele stört, die sich an geltende Regeln halten, sich impfen lassen und die Maßnahmen mittragen. Wie können sie auf sich aufmerksam machen ohne "auf die Straße zu gehen", denn bei Versammlungen und Demonstrationen sind in Sachsen nur bis zu zehn Personen erlaubt?

Eine Frage, vor der das zivilgesellschaftliche Bündnis, das die Petition "Offener Brief - Zittau gemeinsam" gestartet hatte, immer wieder steht. Eine "Gegendemo" zu starten, komme nicht infrage. Daher suchen die Mitglieder nach Wegen, "in der Öffentlichkeit auch die andere Sichtweise zu ergänzen", erklärt Petitions-Initiator Sven Rössel. Am ersten Demo-Montag des neuen Jahres hat die Initiative deshalb mit einer Lichtprojektion an der Zittauer Rathaus-Fassade geantwortet. Mit einem leistungsstarken Beamer wurden vor allem Textstücke aus der Petition an die Fassade geworfen. Damit setzt die Initiative ihren Weg, den sie bereits mit Bannern an rund 20 Standorten in Zittau begonnen hatte, fort.

Per Beamer sind Zeilen aus der Petition "Offener Brief - Zittau gemeinsam" an das Rathaus gebracht worden.
Per Beamer sind Zeilen aus der Petition "Offener Brief - Zittau gemeinsam" an das Rathaus gebracht worden. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Licht geht auch in Herrnhut aus

Um Licht geht es in diesen winterdunklen Tagen immer wieder: Zittaus OB Thomas Zenker (Zkm), aber auch die Petitions-Initiatoren hatten während der Montags-Demos die Weihnachtsbaum- und Fassadenbeleuchtung abgeschaltet. Zu diesem Mittel hat nun auch Herrnhuts Bürgermeister Willem Riecke (Herrnhuter Liste) gegriffen, als am vergangenen Montag rund 250 Menschen am Anti-Corona-Spaziergang durch die Stadt teilnahmen. "Es geht darum, ein Zeichen zu setzen", sagt Riecke.

Zwar sei alles friedlich gelaufen, dennoch ist das in seinen Augen nicht das allein Entscheidende: "Die Leute, die dort mitlaufen, wissen, was sie tun und unter welchem Fähnchen sie sich versammeln", sagt Riecke und spielt darauf an, dass der "Spaziergang" über die Kanäle der "Freien Sachsen" postuliert wird, die das Sächsische Landesamt für Verfassungsschutz als "rechtsextremistische Bestrebung" eingestuft hat. Vor diesem Hintergrund wirke es besonders ironisch, wenn bei den Demonstrationen auf die Friedliche Revolution von '89 angespielt und von einer derzeit herrschenden "Diktatur" geredet werde, findet Riecke. Viele empöre das.

Keine "hektischen Flügelschläge"

Mit seinen Kollegen steht Riecke in Kontakt - unter anderem mit Verena Hergenröder, die mit ihrer Initiative "Hier zünden wir die Kerzen" an der Rathaus-Tür bundesweit Furore machte. Man denke gemeinsam darüber nach, wie man Zeichen setzen könne. "Hektische Flügelschläge sind aber völlig unangebracht", betont Riecke. Das sieht auch das Herrnhuter Brüdergemeine-Pfarrerpaar Peter und Gill Vogt so. Weil sie nach Weihnachten Schilder von Corona-Protestlern an den Kirchentüren fanden, waren sie bei der jüngsten Demo vor Ort am Kirchensaal und schauten der Demo zu. "Wir wollen nicht, dass dieses Haus benutzt oder vereinnahmt wird", erklärt Gill Vogt. Die Präsenz habe gewirkt.

Pure Präsenz und Papptafeln mit Botschaften ist auch die Methode, auf die kleine, aber angemeldete Demos in Zittau und in Löbau setzen. Wobei schon einiges dazugehört, sich mit maximal zehn Leuten dort aufzustellen, wo sich Hunderte "Spaziergänger" treffen. Ebenfalls an die Regeln gehalten haben sich auch die Initiatoren einer Installation mit mehr als 1.350 Lichtern, die für die Menschen stehen, die bislang im Kreis im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion gestorben sind. Ein Zeichen haben auch sie gesetzt.